Islamismus: Treffpunkt ist Moschee am Steindamm

Terrorgefahr: In Hamburg leben 50 "Heilige Krieger"

Dschihadisten stehen unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Verfassungsschützer: "Wir haben einen guten Überblick."

Hamburg. Die zehn Hamburger Islamisten, die vor einem halben Jahr in ein pakistanisches Terror-Camp gereist sind, gehören zu einer rund 50 Mann starken Gruppe von Radikalen in der Stadt. Diese vom Verfassungsschutz "Dschihadisten" genannten gewaltbereiten Männer werden bereits seit Jahren von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Laut dem ARD-Magazin "Report Mainz" sind zwei Mitglieder der Gruppe bereits wieder in der Hansestadt. Es handelt sich danach um die Konvertiten Michael W. und Alexander J. Was sie radikalisiert hat, wie sie leben, darüber schweigen die Behörden - aus "ermittlungstaktischen Gründen". Spätestens jetzt wird den beiden klar geworden sein, dass sie nahezu rund um die Uhr unter Beobachtung stehen.

Das BKA sieht in der "Gruppe ein hohes Gefahrenpotenzial". Das geht aus einer internen Einschätzung des BKA hervor (wir berichteten). Sie sind im Terror-Camp an Umgang mit Schusswaffen und dem Bau von Bomben ausgebildet worden. Weiter heißt es: Je nach individuellem Radikalisierungsgrad ist davon auszugehen, dass diese Personen grundsätzlich bereit sind, im In- und Ausland (Selbstmord-)Anschläge zu begehen."

Wie hoch also ist die Gefahr, dass nach 2001 erneut Terroranschläge in Hamburg geplant oder sogar durchgeführt werden? Manfred Murck, stellvertretender Leiter des Hamburger Verfassungsschutzes, sagt, dass die Gruppe der Dschihadisten durch die intensive Beobachtung vorsichtiger geworden seien. "Das hat sie zwar insgesamt konspirativer gemacht. Aber sie sind offenbar auch zu der Erkenntnis gekommen, dass die Planung von Anschlägen in Hamburg sehr schwierig geworden ist."

Nach dem 11. September 2001 hat sich der Verfassungsschutz innerhalb weniger Monate umorganisiert. Seitdem stieg die Zahl der Mitarbeiter von 120 auf heute 148. Schwerpunkt der Arbeit ist die Beobachtung des Islamismus. Dieser umfasst laut Verfassungsschutz eine extremistische Bestrebung auf religiöser Basis, die sich gegen die Werte der westlichen Staatengemeinschaft und damit gegen das Grundgesetz richtet. Anhänger dieser Ideologie setzen sich für die Errichtung eines islamistischen Staates ein. In Hamburg wird deren Zahl auf 2000 geschätzt. 200 Personen werden als gewaltbereit angesehen. Die extremste Form des Islamismus üben die Dschihadisten aus. Sie befürworten oder finanzieren den sogenannten Heiligen Krieg. War der "Dschihad" zwischenzeitlich so etwas wie die "Anstrengung im Glauben", ist er heute zu einer militanten Strömung ausgewachsen. Selbst Muslime, die den "Heiligen Krieg" ablehnen, gelten als "Ungläubige". Die Hamburger Dschihadisten haben ein Netzwerk, das sie weltweit gespannt haben.

"Wir haben einen guten Überblick darüber, wer sich von den Islamisten wie äußert, wer welche Gruppen unterstützt und wer Gewalt befürwortet", sagt Verfassungsschützer Murck. 30 Hamburger Moscheen sind im Visier der Fahnder. Allein zehn gehören zur Milli-Görüs-Vereinigung, die sich der weltweiten Islamisierung verschrieben hat und in Hamburg den Großteil der Islamisten stellt. Der Verfassungsschutz wertet Informationen aus Internet und Telefonüberwachung aus. Dennoch: "Wir müssen uns natürlich jeweils Schwerpunkte setzen und können nicht gleichzeitig jeden Dschihadisten lückenlos beobachten", sagt Murck. Zentrum der rund 50 Hamburger Dschihadisten ist die Taiba-Moschee am Steindamm.

Bei den zehn Hamburger Radikalen, die nach Pakistan gereist sind, handelt es sich allerdings nicht um eine Zelle wie bei den Attentätern um Mohammed Atta. "Dann wäre es eine terroristische Vereinigung", erklärt ein Fahnder. "Und dann hätten wir sie längst festnehmen können."