Neue Video-Botschaft

Taliban bedrohen jetzt auch Hamburg

Neues Taliban-Video aufgetaucht: Zu Drohungen des deutschsprachigen Kämpfers "Ajjub" sind auch Fotos vom Hamburger Hauptbahnhof zu sehen.

Hamburg. Die Taliban haben ein Video veröffentlicht, in dem sie mit Anschlägen in Deutschland drohen. Das Bundesinnenministerium bestätigte am Freitagabend der Nachrichtenagentur AP einen entsprechenden Bericht von „Spiegel online“. Ministeriumssprecher Stefan Paris sagte, es enthalte eine deutliche Bedrohung Deutschlands, aber es ergebe sich daraus keine konkrete Terrorgefahr. Es sei das siebte Bedrohungsvideo seit zwei Wochen.

Experten des Bundeskriminalamtes hielten es nach erster Analyse für authentisch, berichtete „Spiegel online“. In dem Video werde ein deutschsprachiger Kämpfer gezeigt, der sich „Ajjub“ nenne. Er sage wörtlich: „Erst durch euren Einsatz hier gegen den Islam wird ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschahedin verlockend.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis „der Dschihad die deutschen Mauern einreißt“.

Dazu würden Fotos vom Brandenburger Tor, dem Hauptbahnhof in Hamburg, dem Oktoberfest, dem Kölner Dom und der Frankfurter Skyline eingeblendet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung würden ebenfalls gezeigt, hieß es weiter. Das Video ist dem Bericht zufolge am Freitagabend auf einer einschlägig bekannten dschihadistischen Internetseite erschienen.

„Spiegel online“ zitierte einen deutschen Sicherheitsbeamten, der sagte, man halte das Taliban-Video nach erster Analyse für „das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete“. Es würden Orte für mögliche Anschläge gezeigt und der Bundes- verteidigungsminister „konkret als Zielperson eingeblendet.“ Das habe es in dieser expliziten Form noch nie gegeben.

Ministeriumssprecher Paris sagte der AP, das Video sei erneut in deutscher Sprache gehalten und beinhalte eine abstrakte Bedrohung Deutschlands sowie Rekrutisierungs- und Radikalisierungsbotschaften. „Wir nehmen das Video sehr ernst“, erklärte er. Das Innenministerium bleibe aber bei der Einschätzung, dass von einer abstrakten Terrorgefahr auszugehen sei.

Laut „Spiegel online“ ist unklar, wer sich hinter dem Kampfnamen „Ajjub“ verbirgt. Bisher sei nicht bekannt gewesen, dass die Taliban über deutsche oder deutschsprachige Rekruten verfügen. „Dass die Ansprache des deutschsprachigen Taliban-Kämpfers aktuell ist, ergibt sich daraus, dass er das von einem deutschen Oberst angeordnete Bombardement zweier Tanklaster bei Kunduz in Nordafghanistan anspricht.“ Bei dem Angriff am 3. September waren nach ersten Untersuchungen auch mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Dem Bericht zufolge fordert der Kämpfer auf dem Video indirekt Rache für diese Aktion.