09.01.13

Schönheitschirurgie

Kampf gegen Hüftgold – Fettabsaugungen im Trend

Manchmal hilft nichts, um Hüftgold und andere Fettpölsterchen in den Griff zu bekommen. Schönheitschirurgen raten dann zur Fettabsaugung.

Von Nina C. Zimmermann
Foto: dpa-tmn/DPA
Dem Hüftgold den Garaus machen: Fettabsaugen ist nichts für Dicke
Mit einer Kanüle sticht der Chirurg in zuvor markierte Hautareale, um dort Fettpolster abzusaugen

Bergisch Gladbach. Es gibt Menschen, die können so viel Sport treiben und so sehr auf ihre Ernährung achten, wie sie wollen. Manche Fettpölsterchen kriegen sie einfach nicht weg: die als "Reiterhosen" bekannten Ausbuchtungen an den Oberschenkeln etwa oder solche an den Flanken, augenzwinkernd auch "love handles", Liebesgriffe, genannt. Wer sehr eitel ist, leidet womöglich extrem darunter – und möchte sie um jeden Preis loswerden. Fettabsaugen ist dann das schönheitschirurgische Mittel der Wahl.

"Die Fettabsaugung ist nichts für Übergewichtige, sie dient nicht der Gewichtsreduzierung", stellt der Facharzt Lutz Kleinschmidt aus Bergisch Gladbach von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch Plastische Chirurgie (DGÄPC) klar. Erst wenn Abnehmen und Bewegung nichts mehr bringen, sei an eine sogenannte Liposuktion zu denken. Der Body-Mass-Index müsse zwischen 19 und 25 liegen. Ganz dicke Interessenten schicke er daher wieder weg.

"Eine Fettabsaugung ist immer integraler Bestandteil bei einer Oberarm-, Oberschenkel- oder Bauchdeckenstraffung", ergänzt Prof. Günter Germann von der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC). Solche Straffungen kommen etwa nach starkem Abnehmen infrage.

Bei einer Liposuktion gelten laut Germann zwei Prinzipien: Zum einen werde über eine Kanüle Fett abgesaugt. Zum anderen schaffe der Chirurg damit eine große Wunde im Körper – mit dem Ziel, dass diese sich im Laufe der Heilung zusammenzieht, und die Haut sich strafft. Das verbessere dann die Körperkontur – klappe allerdings nicht immer. "In vielen Situationen reicht die Saugung allein, manchmal ist sie auch nur ein Versuch, und die Haut bleibt schlaff hängen, ohne sich zurückzuziehen." Dann müsse sie zusätzlich operativ gestrafft werden.

Es gibt nur einige wenige Fälle, in denen eine Liposuktion kein rein ästhetischer Eingriff ist. "Wenn im rekonstruktiven Bereich bei sogenannten Lappenplastiken nach Gewebetransplantationen zu viel Volumen vorhanden ist, wenn also zum Beispiel Haut- und Fettgewebe vom Ober- auf den Unterschenkel übertragen wurde, dann ist die Saugung inzwischen ein Mittel, das zu reduzieren", erläutert Germann, dessen Privatklinik Teil der rekonstruktiven Medizin am Uniklinikum Heidelberg ist.

Auch beim Lipödem, einer krankhaften Gefäßveränderung mit Wasseransammlung im Fettgewebe, vor allem der Beine, kann eine Liposuktion medizinisch sinnvoll sein. Wenn dem Patienten X-Beine drohen, könne man in Kniehöhe absaugen, um Beschwerden des Knochenbaus vorzubeugen, erläutert Prof. Etelka Földi von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. "Allerdings ersetzt die Liposuktion beim Lipödem nicht die konservative Therapie aus Sport, Kompressionsstrümpfen und Lymphdrainage", sagt die Gefäßexpertin, die die Behandlungsleitlinie zum Lipödem mitverfasst hat.

Wie jede Operation birgt auch das Fettabsaugen Risiken. Das größte ist laut Germann, dass sich Dellen an den abgesaugten Stellen bilden. Sehr selten seien Fettembolien und Entzündungen. "Als normale Komplikationen gelten Schwellungen und Blutergüsse. Das betrifft eigentlich alle Patienten", ergänzt Kleinschmidt. Ebenfalls möglich sei ein asymmetrisches Ergebnis. Um das zu vermeiden, vergleiche er die Millilitermenge Fett, die er rechts und links zum Beispiel an den Oberschenkeln absaugt. Dennoch seien manchmal Feinkorrekturen nach drei Monaten nötig.

Unterschätzen darf man die Gefahren trotz solcher Aussagen nicht. Eine Umfrage im Rahmen einer Dissertation an der Universität Bochum aus dem Jahr 2010 ergab, dass es zwischen 1998 und 2002 bei 2275 Liposuktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu 75 ernsthaften Komplikationen kam. 23 davon endeten tödlich. Es traten zum Beispiel schwere bakterielle Infektionen der Haut und der Unterhaut, Blutvergiftungen, durchlöcherte Gallenblasen und Gasbrandinfektionen auf.

Die meisten Komplikationen entwickelten sich der Studie zufolge innerhalb der ersten 24 Stunden, Nachkontrollen seien aber oft erst 14 Tage nach der OP vereinbart gewesen. Die Studienautorin empfiehlt daher unter anderem, dass der Arzt seinen Patienten routinemäßig innerhalb eines Tages nach der OP erneut untersucht. Außerdem sollte die Liposuktion nicht gleichzeitig mit anderen Eingriffen erfolgen und die abgesaugte Menge nicht mehr als vier Liter betragen.

Nach dem Eingriff müssen alle Patienten ein Kompressionsmieder tragen und sich je nach Umfang der OP zwei Tage bis zwei Wochen schonen. Sport ist in den ersten ein bis zwei Wochen ebenfalls tabu. Ein erneuter Eingriff ist nach Germanns Angaben an derselben Stelle oder bei einem Lipödem nach sechs Monaten, an anderer Stelle nach drei Monaten möglich.

Die Kosten und die Dauer der OP hängen vom Aufwand ab. Kleinschmidt veranschlagt für eine drei- bis vierstündige Behandlung von Reiterhosen, also dem Absaugen an Außen- und Innenseiten der Oberschenkel sowie an den Knieinnenseiten, 4000 bis 6000 Euro. Kommen noch andere Körperstellen hinzu, steigen die Kosten schnell auf 10.000 Euro oder mehr. Ähnliche Preise nennt auch Germann.

Die Krankenkassen übernehmen auch beim Lipödem die Kosten für das Fettabsaugen nicht. "Die Studienlage zur Liposuktion ist beim Lipödem sehr verwirrend", sagt Földi. In den Untersuchungen werde nicht unterschieden, ob die behandelten Patienten tatsächlich am Lipödem leiden oder eine genetische Veranlagung zum sogenannten Säulenbein haben. "Das kann man zwar nicht abhungern, es ist aber trotzdem nicht krankhaft", erläutert sie.

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