23.09.12

Neue Trends

Mailänder Modesommer 2013: Die Reinheit der Form

Grafische Schnittkunst, kunstvolle Stickereien, opulente Formen. Im Frühjahr/Sommer 2013 hat die Frau die Qual der Wahl.

Von Axel Botur
Foto: DPA
Models präsentieren auf dem Laufsteg in Mailand Kreationen von Fendi
Models präsentieren auf dem Laufsteg in Mailand Kreationen von Fendi

Mailand. Mailands Mode bringt sich in Form. Viele Designer setzen für die Saison Frühjahr/Sommer 2013 auf klare Schnitte, architektonische Silhouetten und markante, grafische Details. Oft wird die Form zum Dekor. Diese Kollektionen zählten zu den Höhepunkten der am Dienstag zu Ende gehenden Defilees der Milano Moda Donna.

Die Reinheit der Form stand auch im Mittelpunkt bei Marni. Consuelo Castiglioni, die Designerin der italienischen Marke, überzeugte am Sonntag mit einem ganz starken Auftritt. Spielte sie sonst gern mit Schmuckelementen und komplexen Looks, ging es dieses Mal allein um die Silhouette. Es gibt sehr viele A-Linien, zum Beispiel für die schlichten Lederkombinationen. Überraschend auftretende, lineare Faltenspiele oder prägnant gesetzte Raffungen und Schößchen sind subtil, aber effektvoll. Das Musterbild passt sich der Geometrie der Mode an. Consuelo Castiglioni zeigt, wie frisch und modern Karos aussehen können.

Die klare Linie ist auch die Welt von Jil Sander. Am Sonnabend absolvierte sie die zweite Etappe ihres Comebacks. Nach der im Juni gezeigten Männermode nun also die für Frauen. Erst im Februar war die Hamburgerin in das 1968 von ihr gegründete Unternehmen zurückgekehrt. Nach dessen Verkauf 1999 hatte sie sich kurze Zeit später zum Rückzug entschlossen. Auf ein erstes Comeback 2003 folgte ein weiterer Abschied im Jahr darauf.

Klare Formen, ein Gespür für Proportionen, ein Sinn für präzise Details. Jil Sander hat nichts von ihrem Können verlernt. Sie bringt Luftigkeit in die Silhouette, lässt hier die Kragen weg, schneidert dort einen skulpturalen Effekt in den Ärmel. Ihr Spiel mit einer markanten, grafischen Musterung wiederholt sich von der Kleidung auf den Stiefeln.

Hinter den Kulissen wurde Jil Sander von den Journalisten und Einkäufern umringt. "Ich bin glücklich, aber auch ein bisschen müde", gestand die Designerin, die sich für jeden ein paar Augenblicke Zeit nahm. "Diese Kollektion ist ein neuer Startpunkt für mich. Ich hoffe, meinen Weg gemeinsam mit Ihnen allen zu gehen", sagte sie zum Abschluss. Man sah ihr die Rührung an.

Auch andere Designer experimentieren mit Grafik und Geometrie. Sei es im Schnitt oder in der Ornamentik. Bei Prada trafen klare Formen auf stilisierte Blütenmotive. Gabriele Colangelo entwarf eine Kollektion wie mit dem Lineal gezogen, die dabei trotzdem feminin wirkte. Bei Sportmax addierten sich die Quadrate aneinander. Les Copains geht mit Streifendessins in die kommende Frühjahr-Sommer Saison. Und Fendi nahm die grafischen Arbeiten Mondrians als Motiv in seine Kollektion auf.

Die Welt des Philipp Plein hingegen ist der Glamour. Der Deutsche mit Firmensitz in der Schweiz spaltet die Meinungen. Die einen finden seine Mode überladen, die anderen sind glühende Verehrer. Seine am späten Sonnabendabend vorgeführte Kollektion Frühjahr/Sommer 2013 taufte er "Pompadour Punk". Die wahlweise silbernen oder goldenen Nieten sitzen dicht und es sind viele. Der bestickte Biker-Blouson ist ein Schlüsselelement der Kollektion. Dazu kombiniert Philipp Plein unter anderem in Stufen gelegte Kleider oder Hotpants.

Ohnehin steht der Trend zur Schlichtheit nicht allein. Die fließenden, leichten Stoffe geben der Mailänder Mode zuweilen einen Lingerie-Charakter, vor allem wenn Spitze ins Spiel kommt, wie zum Beispiel bei Versace. Chiffon und Seide werden aber auch zu Kleidungsstücken wie Tuniken oder Kaftans verarbeitet. Dazu kommen japanische Einflüsse mit Kimono-Interpretationen.

In den Zeiten der Krise besinnen sich Italiens Designer zudem auf die ureigenen Stärken: ihre Handwerkskunst. Spektakuläre Pelzinterpretationen bei Fendi. Kunstvolle Intarsien- und Makramee-Arbeiten bei Bottega Veneta. Beeindruckende Stickereien beim florentinischen Modehaus Emilio Pucci. Unzählige Arbeitsstunden stecken in solchen Entwürfen. Der positive Nebeneffekt: Diese Kleidungsstücke dürften für den Massenmarkt kaum zu kopieren sein.

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