08.01.13

Jauch, Illner & Co auf Prüfstand

Die ideale Talkshow dauert 60 Minuten

Aufgepasst, Intendanten! Studenten der Uni Koblenz-Landau untersuchen die Plauderrunden im TV

Von Christoph Rybarczyk
Foto: dpa
Günther Jauch
Eher harmlos und brav: Das Urteil der Universität Koblenz-Landau zu "Plaudertasche" Günther Jauch ist eindeutig

Es ist ein taffer Job, Entscheider im deutschen Fernsehen zu sein. Da wird ohne Unterlass gelabert, und man kann nicht mal zum Kaffeeholen oder Wasserabschlagen die Runde verlassen. Schließlich könnten die Kollegen aus dem Süden ja beschließen, den Hamburger "Tatort" in den Quotenfriedhof zu Einsfestival zu verbannen und stattdessen die Senderechte an den Hintertupfinger Schmerzbuben höchstbietend zu erwerben.

Deshalb brauchen Intendanten von ARD und ZDF Studien wie die gerade erschienene zu Talkshows im Fernsehen. Unter dem wissenschaftlichen Siegel der Universität Koblenz-Landau wurde festgestellt, dass Günther Jauch ("Seine größte Stärke ist das Plaudern") harmlos und brav ist, Maybrit Illner kompetent, der ARD-Presseclub eine Schlaftablette. Die ideale Talkshow dauert 60 Minuten, hat vier Gäste und einen Moderator, der, nun ja, kompetent ist.

Das ist ja ganz neu, werden sich die Intendanten nun denken, und die Köpfe zusammenstecken.

Die brandgefährliche Studie enthält im Anhang auch eine "Tischvorlage" für den NDR-Rundfunkrat. Darin wird aus der 225. Sitzung des Programmausschusses berichtet. Tenor: Talkshows sind 'ne wichtige Sache. Sollten wir weiter beobachten. Sehr genau werden sich die Fernsehverantwortlichen die Liste der Topgäste in den Talkshows ansehen. Dort sauste FDP-Fallbeil Wolfgang Kubicki von Platz 78 der Meisteingeladenen im Jahr 2011 auf Platz 1 in 2012. Weit am Ende der Skala rangiert CSU-Charmeur Markus Söder, dessen Pressesprecher einfach nicht oft genug bei Günther Jauch angerufen hatte. Söder, fünf Einladungen 2012, muss sich einen Platz teilen mit Werner Hansch, früher Sprecher der Trabrennbahn Recklinghausen-Süd.

Zum Glück weiß man, wer die neue Studie gemacht hat. Es waren erfahrene Fernsehkonsumenten - nicht Wissenschaftler, sondern angehende Akademiker der Uni Koblenz-Landau. Für sie hatten geübte Moderatoren wie Harald Schmidt schon vor Jahren die richtige Ansprache: "Guten Abend, meine Damen und Herren, guten Morgen, liebe Studenten."

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