03.11.12

Karasek

Steinbrück reloaded

Wie aus einem Elder Statesman ein Kanzlerkandidat aktiviert wird - und warum eine reiche Ernte zur Unzeit teuflische Wirkung haben kann

Von Hellmuth Karasek

Vom Teufel wissen wir mehr als wir zugeben und weniger als wir angeben oder uns vorflunkern. Einige Teufelserkenntnisse sind im Erfahrungsschatz von Sprichwörtern, dem sogenannten Volksmund festgehalten, zum Beispiel in den zwei überlieferten Erkenntnissen: "Der Teufel steckt im Detail" und "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen".

Die zweite, für deren Drastik ich mich entschuldige, auch wenn sie dem Volk nicht gerade aufs Maul schaut, sondern ganz im Gegenteil, beschreibt den respektvollen Neid Ärmerer gegen Reiche, also den biblischen Seufzer: "Wer hat, dem wird gegeben."

Die Detailnähe des Teufels beschreibt die Notwendigkeit jeglicher gerichtlicher und nicht gerichtlicher Aufklärung. Man muss dabei so lange im Detail stochern, bis die eigentliche Sache, die meistens einen Haken hat, ans Licht kommt.

Wir sind bei Peer Steinbrück, dem SPD-Kanzlerkandidaten und hoch vermögenden Redner. Er gehört zu den Politikern, von denen das Sprichwort sagt, dass man dem Ochsen das Maul beim Dreschen nicht verbinden soll. Wie andere Politiker bekam er hohe Rednerhonorare, er hat sozusagen ein "goldenes Händchen" beim Reden und streut seine Weisheiten in der Deluxe-Klasse in Premium-Preislage unter die Klientel. Das kann schon mal 25 000 Euro pro Rede bringen und satte 1,25 Millionen in den letzten Jahren.

Wer hat, der hat. Dagegen ist nichts zu sagen, das ist bei anderen Politikern auch so. Nur dass die ihre fetten Honorare erst nach ihrer Amtszeit ernten können. Clinton beispielsweise, um seine horrenden Prozesskosten seiner Amtszeit abzuzahlen, Schröder und Fischer, weil sie schließlich abgewählt wurden und nun noch verdiente Nachernte halten wollen, Riester, weil er die schöne Rente erfunden hat. Steinbrück ist da in guter Gesellschaft. Nur hat er die Ernte so in die eigene Scheuer eingefahren, als hätte er mit der Politik schon abgeschlossen. Wird man dann aber plötzlich Kanzlerkandidat, ist das ein unerwartetes und unverdientes Pech. Honorare, die auch der Kontaktnähe und Netzbildung zu verdanken sind, kriegen ein Geschmäckle, ein Gerüchle, wenn man damit unverhofft wieder zurück in die Politik, gar ins wichtigste Amt will. Dann ist man auf einmal ein reaktivierter Lobbyist.

Außerdem steckt der Teufel leider auch noch im Detail. Am 26. November 2011 hat Steinbrück für 25 000 Euro bei den Stadtwerken in Bochum diskutiert, einer notorisch klammen Stadt. Für die Teilnahme am Atriumtalk der Stadtwerke bekam er das Honorar angeblich (was er bestreitet) mit der Maßgabe, es "einer zu benennenden Stiftung oder karitativen Einrichtung" zur Verfügung zu stellen. Mit anderen Worten: es wohltätig zu spenden, was einem ehemaligen Dienstherrn der Finanzen wohl angestanden hätte. Tat er dann aber nicht. Auch das ist Pech für den als Kanzlerkandidaten wieder Auferstandenen. Es müffelt.

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