Mecklenburg-Vorpommern

C wie Zukunft? CDU blamiert sich mit Wahlkampf-Slogan

Foto: dapd / dapd/DAPD

Rechtschreibung mit der CDU: Wie ein Wahlkampf-Slogan dank eines 19 Jahre alten Sozialdemokraten aus Salzgitter zum kreativen Internet-Hit wird.

Denken ist Glückssache. Rechtschreibung auch. Mecklenburg-Vorpommerns CDU hatte sich einen Wahlkampf-Slogan ausgedacht, mit dem sie unbedingt ins Gespräch kommen wollte. Das ist zwar geglückt. Aber ganz anders als gedacht. "C wie Zukunft" prangt auf Plakaten, die den Spitzenkandidaten Lorenz Caffier zeigen. Angespielt wurde damit auf den Anfangsbuchstaben im Namen der Partei und in dem des Kandidaten. Suggeriert werden sollte wohl, dass das Land nur mit beiden eine Zukunft habe. Angekommen ist jedoch der Verdacht auf eine handfeste Lese- und Rechtschreibschwäche.

So hatte Dennis Morhardt, 19 und Sozialdemokrat aus Niedersachsen, leichtes Spiel. Er hat die gedankliche Steilvorlage aufgenommen und die Internetseite www.c-wie.de kreiert. Dort wird munter drauflosparodiert: "C wie Wahlkampfdebakel", "C wie Helmut Cohl", "C wie kopflose Kanzlerin" oder "C wie zentrale Überwachung" lauten dort einige der inzwischen mehr als 3000 hämischen Einträge.

Möglicherweise wollten die Nordostchristen ihren Wählern auch ein X für ein U beziehungsweise ein C für ein Z (oder umgekehrt?) vormachen. Aber warum nur? Fragen über Fragen, auf die es vermutlich gar keine rationale Antwort gibt. Außer der, dass Wahlwerbung nicht allzu ernst und schon gar nicht für bare Münze genommen werden sollte. Zur Bundestagswahl 1957 etwa warben die Liberalen mit: "Lasst Euch nicht auf den Arm nehmen! Deshalb FDP." Aus heutiger Sicht geniale Selbstironie. Aber die ist noch viel mehr Glückssache als das Denken - oder die Rechtschreibung.

Jenseits der Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern pflegt die Internetgemeinde bekanntermaßen einen eher laxen Umgang mit orthografischen Konventionen. So haben wir dank der Schweriner Wahlkampfstrategen möglicherweise nur einen kleinen Blick in die Zukunft werfen können - die ja bekanntlich auch nicht mehr das ist, was sie mal war. In diesem Sine: F. F. wie viel Vergnügen!

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.