Hamburg. Trotz der langen Tradition geben sich die Gastgeber flexibel

Sollte Justin Trudeau unter Heimweh leiden – was nicht überliefert ist –, dann dürfte das Hamburger Rathaus das Herz des kanadischen Premierministers etwas leichter gemacht haben. Über dem Portal wehte das rote Ahornblatt, die Blumengestecke auf dem Tisch im Großen Festsaal waren in kanadische Pappel gefasst, und auf der Empore im Großen Festsaal streute das Kammerorchester der Hochschule für Musik und Theater unter der Leitung von Bruno Merse immer wieder Musik aus Trudeaus Heimat ein, etwa Leonard Cohens „Hallelujah“. Beim Matthiae-Mahl wird eben nichts dem Zufall überlassen.


Die Geschichte:
Im Jahre 1356 wurde in Hamburg am Matthias-Tag (24. Februar) erstmals der Beginn des Frühlings und des Geschäftsjahres sowie die Wahl eines neuen Bürgermeisters gefeiert – mit 40 Gästen. Daraus entstand die Tradition, jedes Jahr „Vertreter der Hamburg freundlich gesonnenen Mächte“ zu einem Festmahl einzuladen. Das Matthiae-Mahl gilt damit als das älteste noch begangene Festmahl der Welt.


Die Planung: Auswahl und Einladung der internationalen Ehrengäste beginnt bereits Monate vorher. Im Fall von Trudeau gestaltete sich die Abstimmung eines möglichen Termins so kompliziert, dass man letztlich vom angestammten Datum 24. Februar abrückte und auf den 17. auswich. Ähnlich war es im Vorjahr, als der damalige britische Premierminister David Cameron auf dem Höhepunkt der Brexitdebatte nach Hamburg kommen sollte und man mit Rücksicht auf seinen Terminkalender – und den der ebenfalls eingeladenen Bundeskanzlerin Angela Merkel – das Matthiae-Mahl auf den 12. Februar verlegte.


Die Tafel:
Eine Woche vor dem Festessen wurde der Silberschatz des Rathauses hervorgeholt: 48 Aufsätze, 24 Kronleuchter, 320 Stück Serviergeschirr und rund 3880 Besteckteile mussten auf Hochglanz poliert werden – schließlich kommt das Silber nur zu ganz besonderen Anlässen zum Einsatz. Am Abend selbst versorgten 125 Kellner die 400 Gäste an der 142 Meter langen Tafel.


Die Gäste: Außer Trudeau eingeladen waren: die Außenminister Chrystia Freeland (Kanada) und Sigmar Gabriel (Deutschland, SPD), der gesamte Hamburger Senat, das Bürgerschaftspräsidium um Präsidentin Carola Veit (SPD) und die Spitzen der Fraktionen, das konsularische Corps, ehemalige Bürgermeister wie Christoph Ahlhaus (CDU), Klaus von Dohnanyi und Hans-Ulrich Klose (beide SPD), die Ehrenbürger Uwe Seeler, Michael Otto und John Neumeier, Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sowie etliche Regierungsmitglieder anderer Bundesländer, etwa die stellvertretenden Ministerpräsidenten Robert Habeck (Schleswig-Holstein) und Sylvia Löhrmann (NRW, beide Grüne).


Das Essen: 20 Köche unter der Leitung von Thomas Heß, dem Küchenchef des Park Hyatt Hamburg, waren mit der Zubereitung des Menüs beschäftigt. Zum Auftakt wurde geräucherter Butterfisch und Akazien-Karotten-Creme serviert, gefolgt von weißer Tomatencremesuppe und Kaisergranat-Teigtaschen. Der Hauptgang kam norddeutsch daher: Schleswig-Holsteiner Rinderfilet mit knuspriger Senf-Kräuter-Kruste, dazu geröstete Kerbel-Knolle und ofengebackene gelbe Bete, Pilz-Kräuter-Buchtel und Rotweinjus. Zum Dessert gab es Schokoladen-Riegel, Vanillecreme und -sorbet und Macarons.