09.09.12

Bei kurdischem Kulturfest

Krawalle in Mannheim: 80 Polizisten verletzt

40.000 Kurden aus ganz Europa kommen nach Mannheim, um ein Kulturfest zu feiern. Doch es gibt Randale – das Ganze endet im Chaos.

Foto: dpa/DPA
Ausschreitungen bei Kurdenfest
Polizeibeamte stehen in Mannheim am Eingang zu einem Festgelände. Bei schweren Ausschreitungen am Rande eines kurdischen Kulturfestes in Mannheim sind 80 Polizisten verletzt worden, davon einer schwer

Mannheim. Kurden außer Kontrolle: Bei schweren Ausschreitungen am Rande eines kurdischen Kulturfestes in Mannheim sind am Sonnabend 80 Polizisten verletzt worden. Die Festivalbesucher hatten sie mit Ziegelsteinen und Flaschen beworfen, teilte die Polizei mit. Ein Beamter erlitt Rippenbrüche, als er mit einer Eisenstange geschlagen wurde. 13 Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden demoliert. Die Polizisten setzten Pfefferspray ein.

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Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) verurteilte die Krawalle und kündigte Konsequenzen an etwa für künftige Genehmigungen solcher Festivals. "Das war grundlose Gewalt gegen die Polizei", sagte er am Sonntag. "Es ist völlig unakzeptabel, mit Gewalt politische Auseinandersetzungen auf dem Rücken der Polizei auszutragen."

Die Organisatoren des Festivals mit 40 000 Besuchern seien "heillos überfordert" gewesen und müssten bei künftigen Veranstaltungen mehr Verantwortung übernehmen, sagte der Minister. Der Dachverbands kurdischer Vereine in Deutschland (YEK-KOM) wies dies zurück. "Die Verantwortung für den Ausbruch der Gewalt trägt in erster Linie die Polizei, die in den vergangenen Tagen vor allem kurdische Jugendliche drangsalierte und zu provozieren versuchte", erklärte der Verband am Sonntag.

Die Polizei habe das Sicherheitskonzept der Veranstalter "bewusst sabotiert", als sie kurdische Ordnungskräfte aus dem Eingangsbereich verwies. Zudem habe sie verschwiegen, dass beim Einsatz mit Schlagstöcken und Tränengas etwa 100 Festivalbesucher verletzt worden seien. Die Ankündigung des Innenministers, kurdische Veranstaltungen künftig stärker zu reglementieren, sei der falsche Weg. "Eine weitere Einschränkung demokratischer Rechte der kurdischen Bevölkerung ist nicht hinzunehmen." In Nordrhein-Westfalen seien die Festivals bislang immer friedlich verlaufen.

Nach Polizeischätzung waren am Sonnabend knapp 40 000 Kurden aus ganz Europa nach Mannheim gekommen. An den Auseinandersetzungen hätten sich rund 2500 Kurden beteiligt, denen 600 Polizisten auf dem Maimarktgelände gegenübergestanden. Auslöser der Randale war laut Gall ein 14-jähriger Kurde – die Veranstalter sprachen von einem Zwölfjährigen – der mit der Fahne einer verbotenen Organisation auf das Festivalgelände wollte.

Als die Ordnungskräfte ihn nicht zu fassen bekamen, riefen sie die Polizei zu Hilfe. Die Beamten seien dann von etwa 100 bis 200 Kurden attackiert worden. "Das war der Auslöser für weitere Angriffe auf die Polizei, wobei die Randalierer immer auf den Schutz der anderen Besucher des Festivals vertrauen konnten."

Die gewalttätigen Kurden seien von vielen tausend weiteren Veranstaltungsbesuchern lautstark unterstützt worden. Man habe "keine Chance" gehabt, die Situation zu beruhigen, erklärte die Polizei. Erst nach Ende der Veranstaltung am Abend beruhigte sich die Lage, die Beamten nahmen 31 Menschen fest und stellten vier Messer und einen Schlagring sowie Fahnen und T-Shirts mit Symbolen verbotener Organisationen sicher.

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) sagte: "Es ist für mich empörend, dass Randalierer ein ansonsten friedliches Kulturfest zu derartigen Ausschreitungen nutzen." Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte die Ausschreitungen. Die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass künftig solche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen, hieß es in einer Erklärung. Eine schnelle Verurteilung der Täter forderte der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl. "Die Strafe muss auf dem Fuße folgen."

Bereits vor dem Fest hatte es Auseinandersetzungen gegeben. Am Freitag musste die Polizei nach eigenen Angaben einen mehrtägigen Jugendmarsch von Straßburg Richtung Mannheim beenden, da er drohte, aus dem Ruder zu laufen. Während des Zuges war es laut Polizei immer wieder zu Straftaten wie Körperverletzungen und Beleidigungen gekommen.

(dpa)

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