Interview

"Es werden Türen geöffnet, weil Barack mein Bruder ist"

Sängerin Nena, Auma Obama und Musiker Klaus Meine bei der Verleihung des „Act Now Jugend Awards“.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Sängerin Nena, Auma Obama und Musiker Klaus Meine bei der Verleihung des „Act Now Jugend Awards“.

Auma Obama, die Halbschwester von US-Präsident Barack Obama, zeichnet mit dem "Act Now Jugend Award" engagierte deutsche Kinder aus.

Berlin.  Rita Auma Obama rauscht zum Sofa im Berliner Friedrichstadt-Palast, gerade hat sie eine Pressekonferenz gegeben. Die 55-jährige studierte Germanistin erzählt in fließendem Deutsch von ihrem neuen Projekt, dem "Act Now Jugend Award", der am 2. November erstmals im Friedrichstadt-Palast verliehen wird. Der Preis wird an sozial engagierte Kinder und Jugendliche vergeben. Die große Halbschwester von US-Präsident Barack Obama engagiert sich sonst mit ihrem Verein "Sauti Kuu" ("Starke Stimmen" auf Kiswahili) für Kinder und Jugendliche in ihrer Heimat Kenia. Im Gespräch erzählt sie, warum sie sich für deutsche Kinder stark macht und über das Verhältnis zu ihrem berühmten Bruder.

Tina Molin: Wie eng ist Ihr Kontakt zu Barack Obama?

Auma Obama: Wir sind wie normale Geschwister, wir telefonieren miteinander, wenn wir Zeit haben.

Haben Sie von seinem politischen Erfolg profitiert?

Natürlich werden für mich Türen aufgemacht, weil Barack mein Bruder ist. Ich weiß das sehr zu schätzen und gehe vorsichtig damit um.

Inwiefern?

Ich passe auf, dass ich es nicht missbrauche. Ich habe jetzt eine Stimme, mich zu äußern und daher erhebe ich sie und spreche für Tausend andere – insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Erheben Sie immer Ihre Stimme?

Für meinen Verein "Sauti Kuu" bin ich laut, aber darüber hinaus halte ich mich sehr zurück, weil ich mein Privatleben habe und meine eigene Persönlichkeit bin. Ich möchte nicht nur die Schwester von Barack Obama sein.

Wäre das ein Problem für Sie?

Türen werden zwar für mich geöffnet, aber ich muss hindurchgehen. Und wenn ich wieder herauskomme, dann soll sich die Welt erinnern, dass Auma da war und nicht Barack. Wenn ich das schaffe, dann habe ich etwas erreicht.

War es schwer für Sie, einen Weg aus dem Schatten Ihres Bruders heraus zu finden?

Vielleicht am Anfang, weil ich die Leute immer daran erinnern musste. Außerdem war am Anfang von meiner sozialen Arbeit noch nicht so viel zu sehen. Doch nun spricht meine Arbeit hoffentlich für sich selbst und ich kann damit besser leben, weil ich weiß, dass ich auf eigene Faust sehr viel erreicht habe. Aus der offenen Tür habe ich sehr viel gemacht! Jeden Tag aufs neue.

Musste Ihr Bruder Sie schon einmal ermahnen, weniger laut zu sein?

Nein, denn mit dem Thema bin ich übersensibel. Seine Mitarbeiter sagen sogar manchmal: "Chill! Alles halb so schlimm". Aber ich schütze meine Familie sehr, und er ist einfach mein kleiner Bruder.

Was ist der "Act Now Jugend Award", der am 2. November im Friedrichstadt-Palast verliehen wird?

Es war schon immer ein Wunsch von mir, einen Preis für junge Leute, die sich sozial engagieren, zu haben. Damit wollen wir den jungen Menschen ein Bewusstsein für sich selbst geben. Sie sollen merken, dass sie wichtig sind und eine Stimme haben.

Laudatoren sind etwa Udo Lindenberg und Nena. Wie haben Sie diese beiden deutschen Stars dafür gewonnen?

Ich habe das Glück, dass ich viel auf Events sein darf und da kommt man schnell ins Gespräch. Ich erkläre, was ich mache, sie sagen, wo sie sich engagieren und oft finden sich Synergien.

Sie stammen aus Kenia, einem sehr armen afrikanischen Land. Wieso kümmern Sie sich nun gerade um deutsche Kinder?

Was das humanitäre Engagement angeht, haben die Deutschen eine Kultur der Großzügigkeit. Die meiste Hilfe für meine Stiftung "Sauti Kuu", die afrikanischen Kindern hilft, habe ich aus Deutschland bekommen. Daher will ich diese Tradition der Großzügigkeit jetzt zurückgeben. Damit will ich "Danke, Deutschland" sagen.

Wie empfinden Sie die momentane Deutsche "Refugees Welcome"-Kultur?

Ich bin total überwältigt. Das zeigt doch, dass Deutschland eine bunte, diverse, aber auch sensibilisierte Gesellschaft ist. Als ich in den 80er-Jahren nach Deutschland kam, war das nicht so. Doch inzwischen gibt es so viele Deutsche, die so aussehen wie ich, dass es dieses Spießertum, wie man sich Deutsche vorstellt, nicht mehr gibt.

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