Allensbach-Studie

Jetzt reicht es mit der Gleichberechtigung

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Karriere! Kinder! Familie! Laut Allensbach-Studie sagen 64 Prozent der deutschen Männer: "Es reicht mit der Gleichberechtigung!" 28 Prozent von ihnen klagen: "Was da passiert, ist übertrieben."

Berlin. Während Frauen immer noch in vielen Bereichen um ihre Gleichberechtigung kämpfen müssen, haben Männer von diesem Thema offensichtlich die Nase voll. Diesen Schluss legen die Ergebnisse der Männer-Studie 2013 nahe, die "Bild der Frau" beim Institut für Demoskopie in Allensbach in Auftrag gegeben hat. Danach sagen 64 Prozent der deutschen Männer: "Es reicht mit der Gleichberechtigung!" 28 Prozent von ihnen klagen: "Was da passiert, ist übertrieben." Und sechs Prozent fühlen sich bereits benachteiligt. Die Auftraggeber der Studie ziehen aus den Erhebungen nicht den Schluss, dass die Männer deswegen unverbesserliche Machos oder hoffnungslos rückständig seien. Nein. Die Männer seien verunsichert, weil ihnen die Felle davonschwömmen.

Doch die Realität sieht anders aus. Wenn man Gleichberechtigung an der Ergebnisgleichheit bemisst, hat die Gesellschaft noch einen weiten Weg vor sich: Immer noch verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer, bekleiden seltener Führungspositionen und arbeiten öfter in Branchen, in denen geringe Gehälter gezahlt werden. So liegt etwa der Frauenanteil im Pflegebereich bei 86 Prozent. Vor allem in den sogenannten MINT-Berufen, in denen eine große Arbeitskraftnachfrage besteht, sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Auch im Jahr 2013 werden Familienaufgaben stärker dem weiblichen Geschlecht zugeschrieben: So arbeiten etwa mehr Frauen in Teilzeit, viel mehr Mütter als Väter gehen in Elternzeit. Und auch politisch wird das Modell des männlichen Familienernährers gefördert: Mit den staatlichen Instrumenten des Betreuungsgelds und Ehegattensplittings werden Familien unterstützt, die für eine gewisse Zeit mit nur einem Einkommen – meist dem männlichen – auskommen wollen, um mehr Zeit für die Kindererziehung zu haben

Laut der Studie, die am Vormittag im Berliner Axel-Springer-Haus vorgestellt wurde, wünschen sich 66 Prozent der Frauen, dass Männer viele Aufgaben im Haushalt und in der Familie übernehmen. Auf der anderen Seite ist es aber auch 52 Prozent der Frauen weiterhin sehr wichtig, dass Männer im Beruf erfolgreich sind.

Diese Supermann-Rolle überfordert die deutschen Männer: Jeder dritte Mann, bei den Singles sogar jeder zweite, hat das Gefühl, den an ihn gestellten Erwartungen nicht gewachsen zu sein. Renate Köcher, Geschäftsführerindes Instituts für Demoskopie Allensbach sagte: "Männer sehen sich heute mit hohen Erwartungen konfrontiert. Sie sollen gleichzeitig berufs- und familienorientiert sein, sich intensiv um die Kinder kümmern und vermehrt Aufgaben in Haushalt und Familie übernehmen, selbstbewusst und gleichzeitig einfühlsam sein, eigene Gefühle zeigen und eine selbstbewusste Partnerin schätzen."

Sandra Immoor, Chefredakteurin von "Bild der Frau" sagte, die Gesellschaft müsse Strukturen schaffen, in denen Männer sich auch ändern können: "Noch sind 71 Prozent aller Deutschen sicher, dass ein Arbeitgeber kein Verständnis zeigt, wenn ein Vater zugunsten der Familie kürzertreten will."

Von einer echten Doppelbelastung sind Männer aber oft weit entfernt, wie die Männerstudie belegt: Der Haushalt ist weitgehend männerfreie Zone. Obwohl zwar die Mehrheit der Männer theoretisch für neue Aufgabenverteilungen offen ist – 61 Prozent der Männer sehen diese sogar positiv – klafft eine Lücke zwischen Theorie und Wirklichkeit: 81 Prozent der 18- bis 44-jährigen Männer glauben zum Beispiel, dass Frauen Arbeiten wie Bügeln besser erledigen.

Für die Männerstudie 2013 hat das Institut für Demoskopie Allensbach Männer und Frauen in Deutschland zum Rollenverständnis von Männern, Arbeitsteilung der Geschlechter in Bezug auf Partnerschaft, Beruf und Familie und zur Gleichberechtigung der Frau interviewt. Befragt wurden ein repräsentativer Querschnitt von 947 Männern im Alter von 18 bis 65 Jahren, sowie als Vergleichsgruppe 546 altersgleiche Frauen.