25.02.13

Abendblatt-Interview

Neue TV-Show: Halligalli mit Joko und Klaas

Moderatoren starten mit neuer Show "Circus Halligalli". Ein Gespräch über Trunkenheit im Job und die Rettung des deutschen Fernsehens

Von Antje Hildebrandt
Foto: dpa
Die TV-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Joko Winterscheidt
Die TV-Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Joko Winterscheidt

Berlin. Der eine hat Friseur gelernt, der andere war Redakteur bei einer TV-Produktionsfirma. Bekannt wurden sie im Doppelpack. Klaas Heufer-Umlauf, 29, und Joko Winterscheidt, 34, galten als die letzten Mohikaner des Musikfernsehens. Irgendwie hatten es die beiden Moderatoren geschafft, den anarchischen Geist ihrer ersten Sendung "MTV Home" in die Gegenwart zu retten. Von 2011 bis Januar 2013 gastierten sie damit bei dem Spartenkanal ZDFneo.

Jetzt wechseln sie ganz zum Sender ProSieben, der zusätzlich zu ihrer Sonnabendshow "Joko gegen Klaas - das Duell um die Welt" nun montagabends die Show "Circus Halligalli" zeigt (22.15 Uhr). Ein Gespräch über Trunkenheit im Job, die Rettung des deutschen Fernsehens und ihren Kampf gegen den Pessimismus.

Hamburger Abendblatt: Joko und Klaas, ihr seid das am meisten gehypte Paar im Fernsehen - nach Ernie & Bert. Die Frage ist: Wer ist wer?
Klaas: Der Bert ist doch der, der immer schlecht drauf ist. Dann bin ich das ...
Joko: ... und ich habe die nervige Lache wie Ernie, ch-ch-ch-ch-ch-ch.

Ernie & Bert können nicht miteinander, aber noch weniger ohne einander. Wie ist das bei euch?
Klaas: Die Parallelen sind erschreckend. Zum Glück leben wir nicht zusammen. Bevor ich mit Joko zusammenziehen würde, müsste ein Meteorit auf Berlin fallen.

Warum liebt euch das Publikum gerade dafür, dass Ihr euch ständig in den Haaren liegt?
Klaas: Durch Reibung entsteht Wärme. Und diese Wärme wird offenbar am elektronischen Lagerfeuer namens Fernsehen weitergegeben. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir einen gewissen Voyeurismus bedienen. Die Zuschauer sagen dann: Guck mal, diese Assis. Zum Glück sind wir normal.

Wie schlimm steht es um die TV-Unterhaltung, dass euch das ZDF 2012 beinahe die Moderation von "Wetten, dass ..?" angeboten hätte?
Klaas: Ach, das war ein Gerücht. Jemand will gehört haben, dass unser Name ins Spiel gebracht wurde. Ich weiß nicht, was sich das ZDF davon versprochen hätte.

Guckt ihr denn "Wetten, dass ..?"
Klaas: Ja, ich finde die Sendung immer noch gut. Ohne Ironie: Markus Lanz macht das super. Robbie Williams singt im Intro "Let Me Entertain You" - und Lanz spielt mit. Das war seit Jahren der größte Showmoment im ZDF.

Jetzt, wo ihr zu ProSieben wechselt, kann ZDFneo-Chefin Simone Emmelius wieder ruhig schlafen. Einmal hat sie euch in der Sendung am Handy zusammengefaltet, als sie erfuhr, dass ihr zu einer Besoffenen-Olympiade startet.
Joko: Ich fand's blöd, dass sie unsere Handy-Nummer hatte.
Klaas: Komm, ihr Timing war eine Granate. Wir waren gerade dabei, den neuen Micky-Krause-Hit zu singen: "Da ist doch Alkohol im Spiel."

Immerhin hat ZDFneo die Folge am Ende doch ausgestrahlt.
Klaas: Wir hatten uns mit ZDFneo darauf geeinigt, dass wir relevante, weil doppelbödige Unterhaltung machen. Schlauer Humor mit einer Note schulhöflichen Verhaltens. Was wir auf dem Sportplatz dargestellt haben, war einfach nur eine eindimensionale Betrunkenheit. Zum Glück hat uns Frau Emmelius eine Wildcard gegeben.

Joko: Am Ende haben die feinen Herrschaften vom ZDF sogar einen Trailer mit diesen Bildern von der Besoffenen-Olympiade geschnitten. Also scheint beim Sender verhaftet zu sein, dass wir nicht nur besonders sind ...
Klaas: ... sondern auch viel vertragen.

Ganz davon zu schweigen, dass ihr als Spätpubertierende Spaß daran habt, auszuloten, wie weit ihr gehen dürft.
Klaas: Damit haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Für alle, die es jetzt überrascht: Die Folge mit der Besoffenen-Olympiade war keine Gesellschaftskritik.

Ein Bild zeigte euch beide, wie ihr auf allen Vieren über den Boden krabbelt. Was verrät dieses Bild über euer Erfolgsgeheimnis?
Klaas: In der Politik wird mehr Transparenz gefordert. Wir bieten sie ...

... zwei Vollzeitbekloppte unter sich. Andere sehen in euch die Retter der deutschen TV-Unterhaltung. Wie seht ihr euch selber?
Klaas: Das eine schließt das andere nicht aus. Um das deutsche Fernsehen zu retten, ist ein gewisser Irrsinn hilfreich.

Das Team eurer Sendung "Neo Paradise" bleibt nach dem Wechsel zu ProSieben dasselbe. Was ändert sich jetzt - außer dem Namen der Show?
Klaas: Es bleibt im Wesentlichen ein wöchentliches Best-of unserer Ideen. Es wird aber neue Rubriken geben. Wir wollen uns zum Beispiel dem Pessimismus verschließen. Dieser deutschen Kultur, zu sagen: Nein, nein, nein. Wie bricht man das auf? Zum Beispiel haben wir ein Experiment auf dem Kölner Karneval gemacht. Wir haben zwölf Stunden jede Frage mit Ja beantwortet und unseren Worten Taten folgen lassen. Das führt einen an Orte, an die man sonst niemals gelangt wäre.

Aber ihr meint jetzt nicht die Hundehaufen, in die Joko mal treten musste, weil du ihn ärgern wolltest, Klaas.
Joko: Nein, das eine Mal hat gereicht. Einfach mal einen Tag lang selber ausprobieren. Irgendwann kommt der Punkt, wo es anfängt, unangenehm zu werden.

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