08.02.13

Neuseeland

Katzen im Visier von Tierschützern

Der Neuseeländer Gareth Morgan geißelt die Tiere sogar als Serienmörder bedrohter Arten. Eine US-Studie stützt seine These.

Auckland/Hamburg. Für die einen sind sie die Göttinnen der Tierwelt, für die anderen gnadenlose Killer. Felis cato, die Katze, wurde im alten Ägypten verehrt, im Mittelalter auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und in der Gegenwart wird sie entweder geliebt oder gehasst.

Für einen Aufschrei der Entrüstung unter Tierfreunden sorgt jetzt der Neuseeländer Gareth Morgan, 59, der die Samtpfoten aus seinem Land verbannen will. "Katzen sind geborene Killer", sagt der Mann, der ein Herz für Tiere hat - vor allem für einheimische, bedrohte Arten. Doch Morgan, ein wohlhabender Unternehmer, ist kein fanatischer Katzenhasser. "Sie töten aus Spaß." Er spricht aus, was viele Biologen bestätigen. So nennt Yolanda van Heezik von der Universität Otago Katzen "subventionierte Raubtiere". In der Zeitschrift "Global Change Biology" hauen Forscher in die gleiche Kerbe: "Verwilderte Katzen sind für mindestens 14 Prozent der weltweit ausgestorbenen Vögel, Säugetiere und Reptilien verantwortlich und die Hauptbedrohung für weitere acht Prozent, die kurz vor dem Aussterben sind."

Auch die neuseeländische Umweltschutzbehörde ist gnadenlos. "Wenn wir Katzen in Schutzgebieten finden, behandeln wir sie wie Schädlinge", steht auf der Webseite. "Sie töten so viele wilde Tiere, dass die paar Ratten, die sie jagen, das nicht aufwiegen", sagt Sprecher Herb Christophers. In dem Land, für das die Evolution keine Landraubtiere vorgesehen hat, gibt es in der Tat ein Problem. Dort leben neben vielen bunten und einzigartigen Vögeln auch die flugunfähigen Kiwis - für Katzen eine leichte Beute. "Auch Glattechsen, Eidechsen und Geckos sind in Gefahr auszusterben", sagt Morgan. Ein katzenfreies Neuseeland, wie er es sich wünscht, wird es wohl nicht geben. Schon deshalb nicht, weil die Bewohner - von Ausnahmen abgesehen - zu den Völkern weltweit gehören, die Stubentiger über alles mögen. In der Hälfte der Haushalte lebt mindestens einer.

Auch in den Vereinigten Staaten wird das Thema heiß diskutiert. Eine neue Studie hat ergeben, dass dort jedes Jahr bis zu 1,4 Milliarden Vögel den 114 Millionen Katzen zum Opfer fallen. Die Forscher des Smithonian Conservation Biology Institute fordern deshalb zum Beispiel Hausarrest für Hauskatzen zur Brutzeit.

Und wie ist die Lage in Deutschland, wo mindestens acht Millionen Hauskatzen von ihren Besitzern liebevoll gehegt und gepflegt werden? Nach Auffassung von Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord sind die Ergebnisse der US-Studie "sicher auch auf Deutschland übertragbar". Immerhin stellt er fest, dass sich "Katzen ihre Opfer nicht nach der Roten Liste aussuchen". Der Deutsche Bauernverband fordert das Bundesamt für Naturschutz und die Wissenschaft auf, die "Übertragbarkeit der Ergebnisse der US-Studie auf Deutschland zu überprüfen". Entwarnung gibt in gewisser Weise der Naturschutzbund (Nabu). Im Unterschied zu Neuseeland gab es hier "schon immer Landraubtiere, zum Beispiel Wildkatzen, und an sie haben sich die anderen Tiere gewöhnt", sagt Lars Lachmann. Katzen, auf deren Speiseplan bevorzugt Amseln, Spatzen, Rotkehlchen und Kohlmeisen stehen, könnten zwar Populationen verkleinern, die Arten aber niemals ganz ausrotten. In Neu Wulmstorf ist man einen Sonderweg gegangen, um dem bedrohten Wachtelkönig eine Chance zu geben, berichtet der "Spiegel". Die Bewohner des Ortes in der Nähe von Hamburg "schießen" mit Ultraschallkanonen nicht auf Spatzen, sondern auf Katzen. Das schreckt die empfindsamen Tiere ab, wenn sie sich im Naturschutzgebiet auf die Lauer legen.

Zurück zu Neuseeland und Herrn Morgan. Er scheut mit seiner Kampagne "Cats to Go" keine Kontroversen. So stellt er auf seiner Webseite rhetorisch die Frage: "Soll ich meine Katze etwa einschläfern lassen?" Und antwortet selbst: "Das muss nicht sein, ist aber eine Möglichkeit." Seine ernster gemeinte Botschaft: "Liebe Katzenbesitzer, schafft euch keine neuen Katzen mehr an." Mit sanften Methoden sei der Plage nicht Herr zu werden. "Schutzgebiete mit Zäunen gegen Katzen, das sind am Ende auch nur Katzenfutterfabriken."

Katze hin, Katze her. Die wohl größte Gefahr für bedrohte Tiere geht vom Menschen aus - mit der Vernichtung des natürlichen Lebensraumes.

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