29.01.13

Sturm "Oswald"

Land unter in Australien - Und der Sturm tobt weiter

Der Nordosten Australiens steht unter Wasser. Tausende harren in Notunterkünften aus oder sind auf der Flucht. Metropole Brisbane zittert.

Von Sid Astbury
Foto: dpa

Der Nordosten Australiens steht unter Wasser

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Sydney. Mit Orkanwinden und Sturzregen hat Monstersturm "Oswald" im Nordosten Australiens weitreichende Verwüstung angerichtet. Das Tief zog am Dienstag an der Küste entlang weiter Richtung Süden. Vier Menschen kamen in den vergangenen Tagen ums Leben, zuletzt ein dreijähriger Junge, der am Montag von einem umstürzenden Baum erschlagen worden war. Nach den verheerenden Überschwemmungen im Bundesstaat Queensland richteten sich Ortschaften weiter südlich auf die Katastrophe ein. Zehntausende Haushalte waren ohne Strom. Tausende Menschen harrten in Notunterkünften aus.

"Hören Sie das Getöse? Das ist kein Hubschrauber, das ist das reißende Wasser", sagte Queenslands Premierminister Campbell Newman bei einem Kurzbesuch in der von der Außenwelt fast abgeschnittenen Stadt Bundaberg. Nur noch per Flugzeug ist die Stadt zu erreichen. Vor allem die Fließgeschwindigkeit des Wasser erschreckt die Einwohner. "Es sieht vielerorts aus, als stünde man an Stromschnellen - sehr gefährlich", sagte Newman ungläubig.

Der Mann mit der langen Militärkarriere orderte mehr als ein Dutzend Black-Hawk-Hubschrauber zum Einsatz, um Menschen von Dächern zu retten. Er dirigierte einen Militärtransporter vom Typ Hercules C130 nach Bundaberg, um Patienten, die aus Krankenhäusern geholt worden waren, auszufliegen. Hunderte Soldaten seien im Anmarsch, um den Einwohnern zu helfen, versicherte er.

In der Notunterkunft im Civic Centre saß Keith Sorrensen (79). Er verließ sein Haus erst, als ihm das Wasser schon bis zum Knöchel stand. "Nicht in einer Million Jahren hätte ich gedacht, dass das Wasser so hoch steigen kann", sagte er im Fernsehen. Er erinnert sich an das Hochwasser 1942 – doch das sei nichts im Vergleich zu diesem gewesen, sagte er. Rentnerin Ruby Rozenkrantz hat in ihrem Altenheim alles zurückgelassen, was sie besitzt, wie sie erzählt. "Das ist mir alles lieb und teuer, und ich kann es mir nicht leisten, nochmal von vorn anzufangen", sagte sie Reportern.

Sorge machen Newman junge Leute, die Familien ernähren müssen, wie er sagte. Nach den Überschwemmungen vor zwei Jahren haben viele Versicherer die Prämien so hoch gesetzt, dass Familien sich Versicherungen nicht mehr leisten konnten. Sie vertrauten darauf, dass das "Jahrhunderthochwasser", wie Meteorologen die größte Naturkatastrophe Australiens damals bezeichneten, so schnell nicht wiederkomme. "Es gibt eine ganze Reihe wenig Betuchter, die ohnehin schon Probleme haben, ihre Rechnungen zu zahlen", sagte Newman. "Ich fürchte, manche von ihnen haben alles verloren."

Kerry Preston sah ihre Habseligkeiten in einem Strom davonschwimmen. "Wir hatten plötzlich einen Ozean im Haus", berichtete sie dem Sender ABC. "Das Wasser riss alles mit und stieg und stieg. Wir konnten nur noch über den Gartenzaun springen und sind im Boot davon." Mindestens 2500 Häuser waren in der Stadt überflutet. "Es ist, als sei ihnen das Herz herausgerissen worden, viele haben alles verloren", sagte der Chef der Rettungsdienste im Bundesstaat Queensland, Jack Dempsey. "Sie können sich nur noch gegenseitig trösten."

Auch die Zwei-Millionen-Stadt Brisbane und Ortschaften weiter südlich waren in Alarmbereitschaft. Eine Wasseraufbereitungsanlage fiel aus. Die Erinnerungen an die Überschwemmungen vor zwei Jahren sind noch frisch. Der Fluss in der Innenstadt trat zwar über die Ufer. Aber das Wasser stieg zunächst nicht so rasant wie befürchtet, sagte Bürgermeister Graham Quirk. Damals standen 20.000 Häuser unter Wasser.

Und die Überschwemmungen störten auch den Flugverkehr. Virgin Australia strich 20 Flüge entlang der Ostküste. Qantas hatte Montag den Flugplan ändern müssen. Auch wurden mehrere Kohlefelder im Osten des Landes überschwemmt. Dort sind Bergbauriesen wie BHP Billiton und Anglo American tätig. Die Auswirkungen auf diese Branche sind derzeit noch nicht abzuschätzen. Die Zuckerernte dürfte die Regenfälle aber ohne Schaden überstanden haben.

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