17.01.13

Marionetten für Millionen

Die Augsburger Puppenkiste mit Kater Mikesch, Jim Knopf und Co. unterhielt Generationen von Kindern. Jetzt wird sie 60

Von Christine Cornelius

Augsburg. Sie haben Fernsehgeschichte geschrieben. Ob Lukas der Lokomotivführer, Jim Knopf, Urmel aus dem Eis oder Kater Mikesch - die Figuren der Augsburger Puppenkiste wurden für Millionen Kinder zu Begleitern ihrer Kindheit.

Vor 60 Jahren waren die Marionetten erstmals zu sehen - am 21. Januar 1953 wurde das Stück "Peter und der Wolf" live aus dem Studio des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in Hamburg gesendet, aus dem später NDR und WDR hervorgingen. Die Kamera stand direkt vor der Bühne, Schnitte und Tricks waren damals noch kein Thema. Kurze Zeit später wechselte die Puppenkiste zum Hessischen Rundfunk (HR) - die erste Sendung aus Frankfurt war "Bällchen Schnellchen".

Mitte der 1950er-Jahre wechselten die Augsburger für einige Jahre zum Bayerischen Rundfunk. Dann holte der HR die Marionetten zurück. Der Durchbruch im Fernsehen kam nach Puppenkisten-Angaben Ende der 50er mit der mehrteiligen Serie "Die Muminfamilie". Dieses Format sollte ausgebaut werden. Die Stücke wurden immer professioneller - sie sollten nicht mehr einfach nur im Studio abgefilmt, sondern von einem Regisseur inszeniert werden. Es entstanden Produktionen wie "Kater Mikesch", "Urmel aus dem Eis" und "Kleiner König Kalle Wirsch".

Ob die Figuren heute noch zeitgemäß sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. "Im Fernsehen hat sich die Ästhetik des Puppenspiels etwas überholt", sagt Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen. "Die Puppen sind ein bisschen zu steif. Auch die Farben sind nicht die, die Kinder heute etwa aus Zeichentrickserien gewohnt sind."

Ganz anderer Meinung ist dagegen Klaus Marschall, seit 1992 Chef der Augsburger Puppenkiste: "Unsere Stärke ist nach wie vor, dass wir gute Geschichten erzählen. Das ist immer noch etwas Nachhaltigeres als Zeichentrickserien, auch wenn sie heute in der Überzahl sind", sagt er. "Wir müssen uns fragen, was wir unseren Kindern heute anbieten wollen. Sonst könnten wir auch sagen, Bücher sind nicht mehr zeitgemäß."

Die Fernsehpräsenz der Puppenkiste ist inzwischen verschwindend gering. Figuren wie TV-Serienheldin Hannah Montana und Comic-Held Yakari haben den Mattscheiben-Kampf gegen Schlupp vom grünen Stern und Katze mit Hut gewonnen. Der Kinderkanal nahm im Herbst 2011 die Sendungen aus dem Programm. Auf BR-alpha laufen Wiederholungen von "Ralphi", einem kleinen Bären. Seit Januar sind die Marionetten in der Fernsehsendung "Freitag auf d'Nacht" (Bayerischer Rundfunk) zu sehen. Satirisch-ironisch geben sie dort in kurzen Einspielungen ihre eigene Sicht der Dinge zum Besten - allerdings nur für Erwachsene.

Egal ob zeitgemäß oder nicht, viele Prominente geraten auch heute noch ins Schwärmen, wenn sie sich an den TV-Klassiker erinnern. Sigmar Solbach, 66 ("Dr. Stefan Frank"), mochte "Lukas den Lokomotivführer" besonders. "Auch ,Urmel aus dem Eis' fand ich ganz süß." Seine Kollegin Jutta Speidel, 58, ("Um Himmels Willen"): "Ich habe alles von ihnen geliebt - ob ,Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer' oder ,Die kleine Hexe'. Aber mein absoluter Liebling war ,Schlupp vom grünen Stern'. Den kleinen Roboter habe ich wahnsinnig lieb gewonnen." Schauspieler Miroslav Nemec, 58 ("Tatort"), mochte die TV-Produktionen als Junge, "weil es gute Geschichten waren, die für die damalige Zeit nicht so verstaubt, sondern sehr aufgeschlossen und mutig waren". Schauspieler und Synchronsprecher Arthur Brauss, 76 ("Großstadtrevier"), hat die Puppenkiste zur Schauspielerei verholfen. "Ich hatte einen Freund, der dort gearbeitet hat und mir viel erzählt hat." Er könne sich gut vorstellen, einmal als Synchronstimme in der Puppenkiste aufzutreten.

Für alle Fans der Puppenkiste bietet das Augsburger Puppentheatermuseum noch bis zum 5. Mai einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehproduktionen.

Die Klassiker: Peter und der Wolf (1953), Die Muminfamilie (1959), Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1961), Jim Knopf und die Wilde 13 (1962), Kater Mikesch (1964), Urmel aus dem Eis (1969), Kleiner König Kalle Wirsch (1970), Katze mit Hut (1982), Schlupp vom grünen Stern (1986), Der Prinz von Pumpelonien (1990)

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