13.01.13

Nach Anschlagsversuch

Bonner Bombe: Fahndung auch in rechter Szene

Medien berichten, die Bundesanwaltschaft habe auch das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet.

Foto: dapd
Bundesanwaltschaft: Bombenfund hatte terroristischen Hintergrund
Ein Fahndungsplakat vor dem Bonner Hauptbahnhof. Die Ermittler schließen auch einen Täter aus der rechten Szene nicht mehr aus

Hamburg. Nach dem versuchten Bombenschlag von Bonn suchen die Ermittler einem Medienbericht zufolge jetzt auch nach Spuren in die rechtsextreme Szene. Die Bundesanwaltschaft habe deshalb das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, berichtet der "Spiegel". Die Ermittler gehen bislang offiziell von einem versuchten Anschlag einer terroristischen Vereinigung radikal- islamistischer Prägung aus.

Denkbar sei aber auch ein unpolitisches Motiv, etwa eines Erpressers oder einer "psychisch erkrankten Person", zitiert das Nachrichtenmagazin aus einem vertraulichen Lagebericht. Deshalb seien die Ermittlungen in alle Richtungen ausgeweitet worden. Die Bombe war am 10. Dezember in einer blauen Sporttasche auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt worden. Der Sprengsatz explodierte aber nicht.

Nach einem Zeitungsbericht vom Wochenende hatte der verwendete Sprengsatz - entgegen bisheriger Annahmen - keinen Zünder. "Die Bombe war nicht sprengfähig, weil ein Zünder fehlte", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") einen hohen Sicherheitsbeamten. Bisher hatte es geheißen, der Zünder sei wahrscheinlich ausgelöst worden, aber wegen eines Baufehlers nicht explodiert. Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" (Samstag) haben die Ermittler auch eine Spur: In der Reisetasche mit dem Sprengsatz sei ein Haar – mutmaßlich vom Bombenleger – gefunden worden. Es stamme von einem hellhäutigen Europäer oder Nordamerikaner. Ob eine DNA-Analyse möglich ist, ist demnach unklar.

Die Bombe war am 10. Dezember in einer blauen Sporttasche auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt worden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung aus. Sie hatte deshalb die Ermittlungen übernommen. Die Bundesanwaltschaft sucht unter anderem nach einem bärtigen Mann, der auf der Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Hauptbahnhof mit einer solchen Tasche zu sehen ist. Auf einem Fahndungsplakat wird der Mann als Europäer beschrieben. Außerdem wird nach einem dunkelhäutigen Mann gesucht, der zuletzt im Besitz der Tasche gewesen sein soll.

Bei der Suche nach den Tatverdächtigen gibt es der "FAS" zufolge keine Fortschritte. Die Spuren in die Bonner Islamistenszene hätten nicht weitergeführt. Man gehe davon aus, dass die Bundesanwaltschaft den Fall in den kommenden Wochen wieder abgeben werde, schreibt das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise. Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt wollten sich zu den Berichten nicht äußern. "Zu Einzelheiten der Ermittlungen geben wir keine Auskunft", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Beim Bundeskriminalamt hieß es, mittlerweile gebe es 586 Hinweise zu dem versuchten Anschlag.

(abendblatt.de/dpa)
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