07.12.12

Region Miyagi

Nach Erdbeben: Flutwelle erreicht Küste im Nordosten Japans

Nach einem schweren Erdbeben der Stärke 7,3 traf ein Tsunami von einem Meter in der Stadt Ishinomaki auf die Küste.

Foto: REUTERS
A woman reacts as she looks at her house destroyed by the earthquake and tsunami in Kessenuma town, in Miyagi prefecture
Eine Frau vor ihrem zerstörten Haus in der Provinz Miyagi. Nach einem Erdbeben wird nun mit einem Tsunami gerechnet

Tokio. Mehr als eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Erdbeben im Nordosten Japans ist die Region am Freitag wieder von einem heftigen Erdstoß erschüttert worden. Eine Tsunami-Warnung für die Küstenregion wurde am Abend wieder aufgehoben. Die von dem Beben ausgelöste Flutwelle soll rund einen Meter hoch gewesen sein, wie aus der Küstenstadt Ishinomaki berichtet wurde. Probleme bei Atomkraftwerken gab es offenbar nicht, wie die Betreiberfirma Tokyo Electric Power Co (TEPCO) mitteilte.

Nach vorläufigen Angaben sind mindestens zehn Menschen leicht verletzt worden. Das meldete der japanische Fernsehsender NHK. In manchen Orten brachten sich mehrere Hundert Menschen in Sicherheit. Der Bahnbetrieb in Teilen der Erdbebenregion wurde unterbrochen.

Das katastrophale Beben im März 2011 forderte 19.000 Tote und Verletzte. Das Desaster löste mehrere Kernschmelzen in dem Kraftwerk Fukushima Dai-Ichi aus, bei denen die Blöcke 1 bis 4 zerstört und große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden. Zehntausende Menschen in der Umgebung mussten fliehen. Es war die schlimmste Nuklearkatastrophe seit dem Atomunfall in Tschernobyl 1986.

Das Beben am Freitag hatte eine Stärke von 7,3. In Tokio wankten während des Bebens Häuser. Das Zentrum des Bebens lag rund zehn Kilometer unter dem Meeresboden vor der Küste der Präfektur Miyagi, wie der Wetterdienst mitteilte.

Tsunami-Warnung in JapanStepMap Tsunami-Warnung in Japan


Tsunami – zerstörerische Welle

Tsunamis sind Riesenwellen, die durch Erdbeben oder Vulkanausbrüche entstehen können. Im Gegensatz zu normalen Wellen, bei denen nur das Wasser an der Meeresoberfläche wogt, geraten bei einem Tsunami (japanisch: große Welle) auch die tiefen Wasserschichten in Bewegung. Die Wellen können tausende Kilometer über die Tiefsee zurücklegen, bis zu 900 Kilometer in der Stunde.

Auf hoher See ist dies Welle gewöhnlich nicht höher als zwei oder drei Meter und wird von Schiffen oft gar nicht bemerkt. In flachen Küstengewässern und engen Buchten kann sie aber zu enormen Höhen von bis zu 40 Metern auflaufen. Die gewaltige Energie einer solchen Welle reißt Häuser und Schiffe mit sich fort und kann Landstriche verwüsten.

Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik. Frühwarndienste versuchen mit Sensorbojen, Computern und Satelliten, Gebiete rechtzeitig vor möglichen Riesenwellen zu warnen.

(dapd)
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