02.12.12

Bayern

Polizist ordnet Leibesvisitationen bei ganzer Schulklasse an

Beamte sollen eine Münchner Schulklasse deutlich zu gründlich durchsucht haben. Ein Schüler habe sich vollkommen ausziehen müssen.

Foto: dpa
Schule in Niedersachsen
Schüler im Unterricht (Symbolbild)

München. Weil angeblich ein Fünf-Euro-Schein verschwunden war, soll ein Polizist in München eine komplette Schulklasse zu Leibesvisitationen gezwungen haben. Mindestens ein Schüler habe sich dabei ganz ausziehen müssen, berichteten mehrere Medien am Wochenende. Schülerinnen hätten ihre BHs öffnen müssen, ein weiterer Schüler habe seine Unterhose runterziehen müssen. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass gegen den Polizisten ein Verfahren wegen Nötigung laufe. "Wenn Strafanträge seitens der Eltern kommen, müssen wir überprüfen, ob der Tatbestand Beleidigung auf sexueller Basis zutrifft."

Polizeivizepräsident Robert Koch und Polizeisprecher Wolfgang Wenger räumten gegenüber der Zeitung ein, dass das Vorgehen nicht in Ordnung gewesen sei. Beide betonten, dass kein Schüler nackt dagestanden habe. Die Staatsanwaltschaft sowie der zuständige Polizeisprecher waren am Wochenende nicht zu erreichen.

Der Münchner SPD-Abgeordnete Florian Ritter forderte von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine umfassende Aufklärung des Vorfalls und Maßnahmen, die ähnliche Übergriffe in Zukunft verhindern. "Wenn die Vorwürfe und Berichterstattungen zutreffen, dass Polizeibeamte eine ganze Schulklasse wegen des möglichen Diebstahls von fünf Euro "gefilzt" und die 13- bis 14-Jährigen teilweise sogar im Genitalbereich untersucht haben, ist das in mehrfacher Hinsicht skandalös", sagte Ritter, der auch im Verfassungsausschuss des Bayerischen Landtags sitzt. "Die gesamten Mitglieder der Schulklasse wurden demnach unter Generalverdacht gestellt, die Art der Untersuchung erinnert an den Umgang mit Drogenschmugglern oder Terroristen."

Ausgangspunkt für die Aktion an einer Münchner Wirtschaftsschule war ein Vortrag zum Thema Zivilcourage, den ein 44 Jahre alter Polizist in der vergangenen Woche in einer achten Klasse gehalten hatte. Eine 16-jährige Schülerin behauptete dabei, ihr sei ein Fünf-Euro-Schein gestohlen worden. Da habe der Polizist den Täter aufgefordert, sich zu stellen. Weil sich jedoch niemand meldete, habe er Verstärkung angefordert und mit drei weiteren Beamten die Schüler durchsucht. Einem Schüler, der sich weigerte, seine Unterhose auszuziehen, soll mit einer Anzeige gedroht worden sein. Ein Fünf-Euro-Schein tauchte jedoch nicht auf.

Laut "Süddeutscher Zeitung" sind alle vier Beamten weiterhin im Dienst. Der 44-Jährige sei jedoch von seinen Aufgaben als sogenannter Jugendbeamter entbunden worden. Diese sollen Kontakt zu Jugendlichen suchen, um sie von der Begehung von Straftaten abzuhalten oder einfach, um als polizeilicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ein Polizeisprecher rechnete frühestens am Montag mit neuen Ermittlungsergebnissen.

dpa
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