14.11.12

Uno-Bericht

Bessere Familienplanung in armen Ländern gefordert

Millionen Frauen in den Entwicklungsländern fehlt es an Aufklärung, Verhütungsmitteln und sonstigen Informationen zur Familienplanung.

Von Sebastian Engel
Foto: dpa
Afrikaner mit Kondom-Packung
Mit einem flammenden Appell für mehr Geburtenkontrolle hat sich der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen an die Regierungen in aller Welt gewandt

Berlin. Im Ringen um eine Steigerung der Entwicklungschancen armer Länder appellieren die Vereinten Nationen an die reicheren Staaten, stärker auf Aufklärung und Verhütung zu setzen. "Familienplanung ist die wirksamste und kosteneffektivste Maßnahme zur Armutslinderung", sagte Werner Haug, Mitglied des Exekutiv-Komitees der Uno-Bevölkerungsfonds (UNFPA), am Mittwoch anlässlich der Vorstellung des Weltbevölkerungsberichts 2012. Weltweit setzt sich demnach zwar ein langsamer Rückgang der Geburtenraten fort. Zwischen den weiter und den weniger entwickelten Regionen bestehen jedoch große Unterschiede. Dies gilt insbesondere für Länder in Afrika, die südlich der Sahara liegen.

Zu den wichtigsten Ursachen für die dort anhaltend hohen Geburtenraten zählen Armut, fehlende Gleichstellung sowie soziale und kulturelle Zwänge. In beinahe allen der am wenigsten entwickelten Länder trägt dem Bericht zufolge aber auch der fehlende Zugang zu Familienplanung stark dazu bei. Damit ist die Fähigkeit gemeint, selbst über die Anzahl seiner Kinder und den Zeitpunkt ihrer Geburt zu entscheiden. Der Bedarf sei "bemerkenswert hoch", sagte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP).

Dem Uno-Bericht zufolge benötigen von den 1,52 Milliarden Frauen im gebärfähigen Alter in Entwicklungsländern schätzungsweise 867 Millionen Frauen Verhütungsmittel. Jeder Vierten von ihnen, also etwa 222 Millionen Frauen, fehlt es jedoch an Aufklärung, Verhütungsmitteln und sonstigen Informationen zur Familienplanung.

Die Folge sind nach UNFPA-Angaben unter anderem schätzungsweise 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften in diesem Jahr – entweder aufgrund misslungener Verhütung oder weil Frauen auf Verhütung verzichten, obwohl sie nicht schwanger werden wollen. Mehr als drei Viertel der ungewollten Schwangerschaften gehen auf die 222 Millionen Frauen zurück, denen es an modernen Verhütungsmethoden mangelt. Etwa die Hälfte der ungewollten Schwangerschaften enden dem Bericht zufolge mit einem Abbruch – und von denen wird weltweit wiederum etwa die Hälfte unsachgemäß durchgeführt.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) stieg die Verhütungsrate verheirateter Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren in Industrie- und Entwicklungsländern von fast null Anfang der 1960er Jahre auf 55 Prozent im Jahr 2000 an. Seitdem gab es jedoch eine weitgehende Stagnation. "Das ist dramatisch für die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt, wo etwa ein Drittel des rasanten Bevölkerungswachstums auf ungewollte Schwangerschaften zurückgeht", sagte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr. "Denn das starke Bevölkerungswachstum übt zusätzlichen Druck auf Bildungs- und Gesundheitssysteme sowie auf die ohnehin knappen Ressourcen aus."

Dem Bericht zufolge könnte die Zahl der ungewollten Schwangerschaften um zwei Drittel gesenkt werden, wenn alle Menschen Zugang zu modernen Verhütungsmethoden hätten. Zudem gäbe es etwa 26 Millionen weniger Abtreibungen und die Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern würde deutlich sinken. UN und DSW fordern daher eine Verdoppelung der bislang für Familienplanung bereitgestellten Mittel auf rund 6,4 Milliarden Euro – für Verhütungsmittel, Personal und Gesundheitssysteme.

Die Zahl der Menschen auf der Erde steigt dem Bericht zufolge in diesem Jahr auf 7,052 Milliarden. Davon leben 870 Millionen in den am wenigsten entwickelten Ländern, 5,807 Milliarden in den weniger entwickelten Regionen und 1,225 Milliarden in den stärker entwickelten Regionen.

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