02.11.12

Tierisch!

Elefantenbulle spricht Koreanisch - Wissenschaftler erstaunt

Hallo, setz dich, leg dich, nein und gut: Elefanten-Bulle Koshik kann fünf koreanische Wörter verständlich mit Maul und Rüssel imitieren.

Von Nadja Podbregar
Foto: DAPD
Kinderdienst: Asiatischer Elefantenbulle spricht Koreanisch
Der koreanische Benjamin Blümchen?

London. Ein Elefantenbulle verblüfft die Wissenschaft. Er kann fünf Wörter verständlich äußern - auf Koreanisch. Wenn sich Koshik im Everland Zoo in Südkorea den Rüssel ins Maul steckt, bringt er Laute hervor, die der menschlichen Sprache so gut entsprechen, dass sie ohne Probleme verstanden werden. Damit nutzt der Elefantenbulle eine sowohl für Elefanten als auch insgesamt für Tiere völlig neue Technik der Tonerzeugung, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Current Biology".

Das Vokabular des 20 Jahre alten Rüsseltieres besteht bisher aus fünf Wörtern: den koreanischen Begriffen für hallo (annyong), setz dich (anja), nein (aniya), leg dich hin (nuo) und gut (choah). Soweit die Wissenschaftler feststellen konnten, versteht Koshik dabei allerdings nicht, was er sagt. Sie vermuten, dass der asiatische Bulle als Jungtier die menschlichen Laute von seinen Pflegern lernte. "Obwohl in Gefangenschaft lebende Elefanten von Geburt an ständig mit der menschlichen Sprache in Kontakt kommen, imitieren sie diese normalerweise nicht", schreiben Angela Stoeger von der Uni Wien und Kollegen. Das liege vermutlich daran, dass sie von Artgenossen umgeben und daher nicht auf die menschliche Beziehung angewiesen sind.

Koshik lebte allerdings in seiner Jugend fünf Jahre lang ohne Kontakt zu seinen Artgenossen in dem Erlebnispark in Yongin südlich der Hauptstadt Seoul. "Wir vermuten, dass Koshik mit dem Imitieren begann, um die soziale Bindung zu seinen Pflegern zu stärken", sagt Studienleiterin und Bioakustikerin Stoeger. Bei vielen Tierarten hätten erlernte Laute diese soziale Funktion - und in sehr seltenen Fällen geschehe dies auch über Artgrenzen hinweg.

Elefanten galten bisher nicht als besonders begabte Sprachimitatoren. Allerdings gibt es Berichte von afrikanischen Elefanten, die Motorengeräusche eines Lkw nachahmen können. In einem Zoo in Kasachstan soll zudem ein Elefantenbulle gelebt haben, der russische und kasachische Laute von sich gab. Dieser Fall ist aber nie wissenschaftlich belegt worden. Erforscht ist jedoch, dass sich in einem Zoo in Rom der einzige afrikanische Elefant dem Dialekt seiner asiatischen Artgenossen angeschlossen hat.

Zurück zu Koshik: Der koreanische Elefant lieferte den Wissenschaftlern, die durch ein Video auf ihn aufmerksam wurden, nun die Gelegenheit, das Sprachtalent der Rüsseltiere genauer unter die Lupe zu nehmen. Um zu prüfen, ob die vom Elefantenbullen produzierte Sprache tatsächlich von Menschen verstanden werden kann, zeichneten die Forscher seine Laute auf. 47 dieser Tonaufnahmen spielten sie anschließend 16 Koreanern, die in Deutschland leben, vor und baten sie, das Gehörte aufzuschreiben. "Wir haben eine hohe Übereinstimmung in Bezug auf die Bedeutung der gehörten Worte und selbst in deren Schreibweise gefunden", sagt Stoeger. Die meisten Testhörer hätten die fünf Wörter, die der Elefant äußerte, auch verstanden.

Koshik ahmte dabei sowohl Klangfarbe als auch Tonhöhe der menschlichen Sprache akkurat nach. Die mit Maul und Rüssel erzeugten Töne unterschieden sich dabei deutlich von denen der normalen Elefantenrufe. Stattdessen imitiere er sowohl den Klang der Tonsilben als auch die Stimmlage seiner Pfleger und Tierärzte. "Das ist bemerkenswert, wenn man die anatomischen Unterschiede des Stimmtrakts berücksichtigt", sagt Stoeger. Bei Elefanten verschmelzen die Oberlippe mit der Nase, um den Rüssel zu bilden. Das schränkt die Beweglichkeit ihrer Lippen ein. "Die Lippen zu spitzen, um ein U zu formen, ist ihnen unmöglich", schreiben die Forscher. Koshik umgeht diese Beschränkung, indem er den Rüssel zu Hilfe nimmt. Er nutze die ins Maul gesteckte Rüsselspitze, um die verschiedenen Vokale zu bilden. Ein solches Verhalten hatte man bei einem Elefanten bisher noch nie beobachtet. Nun soll untersucht werden, ob er noch weitere Ausdrücke lernen kann.

Übrigens muss Koshik jetzt nicht mehr ohne tierische Gesellschaft auskommen. Er hat eine Elefantenkuh an seiner Seite. Ob er da wohl noch zu Wort kommt ...?

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