Kritik am Sicherheitskonzept der Bahn wurde laut. Vogelsänger fordert ein Konzept für besseren Schutz. Der wirtschaftliche Schaden sei noch nicht absehbar.

Potsdam/Berlin. Nach einem offenbar gezielten Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn kommt eine Sicherheitsdebatte in der Hauptstadtregion hoch. Wegen des Anschlags beriefen Bundes- und Landesbehörden am Dienstag kurzfristig ein Sicherheitstreffen ein. Der Kabelbrand sorgte nicht nur für Chaos im S-Bahn- und Zugverkehr, sondern legte zeitweilig auch Telefonnetze lahm.

Nach einem im Internet veröffentlichten linksautonomen Bekennerschreiben, das die Polizei für echt hält, gehen die Sicherheitsbehörden von einem gezielten Brandanschlag aus. Die Gewerkschaft der Polizei bezeichnete die Tat als „linksextremistischen Terror“. In dem Bekennerschreiben stellen die bislang unbekannten Verfasser die Tat in Zusammenhang mit den Themen „Anti-Atom“, „Antimilitarismus“ und „Antirassismus/Flüchtlingsproblematik“.

Die Täter sind noch nicht gefasst. Erfolgversprechenden Erkenntnisse zu dem politisch motivierten Anschlag gebe es noch nicht, hieß es bei der Polizei am Dienstag.

Bahnchef Rüdiger Grube sagte der „Berliner Zeitung“ (Mittwoch), die Bahn sei wie ihre Kunden Opfer. „Gegen solch einen hinterhältigen Anschlag kann man sich leider nicht zu hundert Prozent schützen.“ Trotzdem sei die Bahn das sicherste Verkehrsmittel.

Wowereit, der in Moskau ist, ließ mitteilen, er hoffe, „dass diese Tat schnell aufgeklärt wird und die Täter bestraft werden“. Zunächst müssten die Ermittlungen des Staatsschutzes abgewartet werden. Falls sich der „sogenannte Bekennerbrief“ als echt erweise, „würde es sich jedenfalls um Täter mit einem wirren Gedankenhintergrund handeln, die versuchen, angebliche politische Gründe für ihr kriminelles Handeln vorzuschieben“, kritisierte der SPD-Politiker.

Im Internet veröffentlichten Linksextreme ein Schreiben, in dem sie den Anschlag mit ihrem Protest gegen Atomkraft, Waffenexporte und den deutschen Staat insgesamt begründeten. Bislang konnten Brandstifter, die nachts wiederholt Autos anzündeten, nur schwer gefasst werden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte, die Gewalt radikaler Gruppen dürfe nicht geduldet werden. „Der Anschlag auf die Bahn ist auch ein Anschlag auf den Staat“, sagte Ramsauer der Zeitung „Die Welt“ (Mittwoch). Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte: „Das waren keine AKW-Gegner, das waren einfach Idioten.“

An dem Sicherheitstreffen in der Berliner Senatsinnenverwaltung nahmen Berlins Innenstaatssekretär Ulrich Freise, Polizeipräsident Dieter Glietsch, Vertreter der Bahn, des Verfassungsschutzes, des Landeskriminalamtes und des Bundesinnenministeriums teil. Es seien „die Kommunikationswege für einen schnellen Informationsaustausch festgelegt und über das weitere Vorgehen beraten“ worden, sagte die Sprecherin der Innenverwaltung. Details nannte sie nicht.

Neben dem Berliner SPD-Politiker Thomas Kleineidam kritisierte auch Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) die Sicherheitsvorkehrungen der Bahn. Ein Anschlag auf eine derart wichtige Kabelverbindung dürfe nicht so leicht sein. „Die Bahn braucht ein Konzept, um ihre Anlagen besser zu schützen“, forderte er. Es könne nicht sein, dass „ein paar Politkrawallmacher“ die Hauptstadtregion in ein Verkehrschaos stürzen könnten, fügte Vogelsänger hinzu.

Der Kabelbrand am S-Bahnhof Ostkreuz hatte am Montag Bahn- und Telefonverbindungen gekappt und in der Hauptstadtregion ein Verkehrschaos ausgelöst. Es handelt sich nach DB-Angaben um den größten Nahverkehrsknoten Berlins. Seit 2006 wird dort gebaut. Die Arbeiten sollen 2016 abgeschlossen sein.

Noch am Dienstagnachmittag mussten Bahnkunden mit Einschränkungen rechnen. So fuhren die Regionalzüge der Linien RE1, RE2 und RE7 laut DB mit Verspätungen und mussten teilweise umgeleitet werden. Auch innerhalb Berlins wurde teilweise S-Bahn-Pendelverkehr eingerichtet. Eine genaue Prognose zum Ende der Reparaturarbeiten wollte Bahnsprecher Ahlert nicht geben, die Beeinträchtigungen sollten „noch die nächsten Tage“ andauern.

Der wirtschaftliche Schaden des Anschlags sei derzeit noch nicht absehbar, sagte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Laut Bahnchef Rüdiger Grube, der den Anschlag wie zahlreiche Politiker verurteilte, hat die Bahn dadurch „ihr Leistungsversprechen“ gegenüber „Zehntausenden Kunden“ nicht einhalten können. (dapd/dpa/abendblatt.de)