Algerien steht als zweite afrikanische Mannschaft im Achtelfinale. Jürgen Klinsmann trifft mit den USA auf Belgien, die mit einer weißen Weste in die nächste Runde marschieren.

Algerien ist Gegner von Deutschland im Achtelfinale der WM in Brasilien. Die Nordafrikaner zogen durch ein 1:1 (0:1) gegen Russland bei ihrer vierten Teilnahme erstmals in die K.o.-Runde einer WM ein. Bei ihrem ersten Anlauf 1982 war ihnen das nach dem überraschenden Auftakt-Sieg gegen Deutschland (2:1) nicht vergönnt gewesen, weil es am letzten Gruppenspieltag zwischen Deutschland und Österreich (1:0) zur „Schande von Gijon“ kam.

Die Algerier waren nach dem Spielende kaum zu halten vor Freude. „Wir haben Geschichte geschrieben, ich bin so glücklich“, sagte Sofiane Fegouli, Star der Mannschaft, völlig augekratzt. Dieser Achtelfinaleinzug, ergänzte er mit strahlenden Augen, „ist für die Menschen in Algerien.“ Nabil Bentalib von Tottenham Hotspur ergänzte im ZDF: „Gegen Deutschland, das wird hart. Aber jetzt feiern wir erst mal.“

Islam Slimani von Sporting Lissabon schoss die Wüstenfüchse mit seinem Treffer in der 60. Minute ins Glück. Bis dahin waren die Russen durch den frühen Treffer von Alexander Kokorin (6.) auf einem guten Weg, am Montag (22 Uhr ) in Porto Alegre auf die deutsche Mannschaft zu treffen. Slimani traf nach einem Freistoß per Kopf, Russlands Torhüter Igor Akinfejew sah dabei nicht gut aus.

Für Russland war vor dem Spiel vor 39.311 Zuschauern in Curitiba ganz klar: ein Sieg war Grundvoraussetzung fürs Weiterkommen. Und in einem insgesamt flotten Spiel in Curitiba gelang den Russen auch ein Start nach Maß. Aus der ersten Torchance enstand gleich das 1:0, nach einem Flankenlauf von Dimitri Kombarow verwandelte Kokorin die Hereingabe mit dem Kopf.

Algerien kam behäbig ins Spiel


Es blieb dies lange die einzig gute Chance des Spiels, obwohl gerade die Russen nach den Spielen gegen Südkorea (1:1) und Belgien (0:1) zunächst richtig Betrieb machten. Die Sbornaja führte völlig verdient, die Angriffe versandeten aber auch meist an der Strafraumgrenze. Algerien hielt dagegen, hatte aber Mühe, auf dem arg ramponierten Rasen wie gewohnt sein gutes Passspiel aufziehen.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, ehe die Algerier, die nach der Niederlage gegen Belgien (1:2) gegen Südkorea (4:2) den torreichsten WM-Sieg einer afrikanischen Mannschaft gefeiert hatten, eine gute Gelegenheit besaßen. Den Schuss von Slimani lenkte Akinfejew mit einer starken Parade aber über die Latte (29.). Zuvor hatte Oleg Schatow knapp über das Tor der Wüstenfüchse gezielt (26.).

Algerien hatte zunächst kaum einmal eine Lücke in der gut organisierten russischen Abwehr gefunden – war nun aber besser im Spiel. Das lag auch daran, dass die Sbornaja erst einmal den geordneten Rückzug antrat und die Nordafrikaner kommen ließ. das wäre beinahe schief gegangen, kurz vor Pause aber köpfte erneut Slimani nur in die Arme von Akinfejew (43.).

Russland schien dadurch etwas aufgeschreckt, kam mit mehr Schwung aus der Pause, Algerien gelangen zunächst kaum noch Entlastungsangriffe – ehe dem starken Slimani der Ausgleich gelang in einer Phase, in der die Nordafrikaner etwas stärker wurden. Russland setzte nun alles auf eine Karte, spielte noch offensiver, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Mit dem glücklicheren Ende für Algerien.

Belgiens B-Elf bewahrt weiße Weste


Belgien hat sich nach einem Kraftakt in Unterzahl zum Gruppensieg und ins WM-Achtelfinale gegen die USA gekämpft. Eine B-Elf der Roten Teufel siegte mit zehn Mann 1:0 (0:0) gegen biedere Südkoreaner, die damit das K.o.-Duell mit der deutschen Mannschaft verpassten und die Heimreise antreten müssen. Die Belgier von Trainer Marc Wilmots fordern nach drei Arbeitssiegen in der Vorrunde am Dienstag in Salvador Team USA mit Coach Jürgen Klinsmann.

Den Siegtreffer erzielte Kapitän Jan Verthongen in der 77. Minute nach einem Konter. Es war das erste WM-Tor in Unterzahl. Steven Defour hatte wegen groben Foulspiels (45.) die Rote Karte gesehen, doch der berechtigte Platzverweis zog für die Roten Teufel keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich.

Auch die Südkoreaner brauchen sich nicht über die Maßen zu ärgern. Weil Algerien beim 1:1 gegen Russland im Parallelspiel seine Pflicht erfüllte, wäre ein Sieg mit vier Toren Unterschied gegen die Belgier vonnöten gewesen, um zum zweiten Mal nacheinander ins WM-Achtelfinale einzuziehen.

Nach einer Abtastphase mit leichten Vorteilen für die Belgier bekamen die Koreaner aber zunächst mehr Mut, als sie aus Curitiba die Kunde von der Führung der Russen erhielten. Das Team von Trainer Myungbio Hong spielte bissig und engagiert und baute nach einer guten halben Stunde sogar ordentlich Druck auf. Nur beim Abschluss haperte es.

Die Belgier, die schon bei ihren knappen Siegen gegen Algerien (2:1) und Russland (1:0) Probleme hatten, konnten auch mit ihrer Zweitvertretung nicht überzeugen. Negativer Höhepunkt war die Aktion vor der Roten Karte, bei der Defour mit beiden Beinen Shin-Wook Kim in die Parade fuhr.

Wilmots rotierte auf sieben Positionen


Trainer Marc Wilmots hatte im Vergleich zum Sieg gegen Russland und dem damit verbundenen vorzeitigen K.o.-Runden-Einzug kräftig rotiert. Nur noch vier Spieler starteten gegen Südkorea erneut von Beginn an, unter anderem schonte der ehemalige Schalker seine Stars Kevin de Bruyne, Eden Hazard und Romelu Lukaku. Einziger Bundesliga-Legionär in der Startelf war Daniel van Buyten von Bayern München.

Verletzt fehlten Thomas Vermaelen und Vincent Kompany, der von einer Gelbsperre gefährdete Verthongen musste deshalb von Beginn an spielen. Insgesamt feierten vier Belgier in der Startelf ihr WM-Debüt. Das merkte man: Weniges wirkte einstudiert, vieles blieb Stückwerk. Bei den Asiaten standen der Augsburger Jeong-Jo Hong, der Leverkusener Heung-Min Son und der Mainzer Ja-Cheol Koo beim Anpfiff auf dem Platz.

Zur zweiten Halbzeit brachte Coach Hong einen zweiten Stürmer, doch die folgende Offensive flößte den Belgiern kaum Angst ein. Ein wenig Glück hatten die Europäer, als eine verunglückte Flanke von Son auf die Latte fiel (59.), zwei Minuten später war Torwart Thibaut Courtois bei einem Kopfball von Sung-Yeung Ki zur Stelle. Dann traf Verthongen.