Auf das Nordderby folgen die Montagsspiele in Düsseldorf und gegen Augsburg. Wochen der Wahrheit, die sich bislang stets negativ auswirkten.

Hamburg. Holger Stanislawski grinste. "Ich möchte euch bitten, den Fokus nicht so sehr auf die kommenden Spiele zu legen", bat der Trainer des FC St. Pauli die versammelten Medienvertreter vor dem Heimspiel gegen Hansa Rostock (Sonntag, 13.30 Uhr, Millerntor-Stadion/Sky und Liveticker auf abendblatt.de). Ein frommer Wunsch, gesagt im Spaß. Mit dem Sicherheitsspiel gegen den Nordrivalen sowie den folgenden zwei Montagsspielen gegen die voraussichtlich einzig verbliebenen Konkurrenten um die Aufstiegsplätze zwei und drei, Fortuna Düsseldorf und FC Augsburg, rückt Stanislawskis Mannschaft unweigerlich in den Fokus der Öffentlichkeit. Gegen Hansa nähren mögliche Auseinandersetzungen mit Polizei oder generischen Anhängern sowie Proteste gegen die Reduzierung des Ticketkontingents (siehe Bericht unten) das Interesse, die folgenden Spitzenspiele werden live im DSF übertragen. Großes Kino. Alle Augen auf St. Pauli.

Resonanz, die auch intern erhöhte Aufmerksamkeit nach sich zieht. Denn bislang verhielt sich die Leistungskurve stets spiegelverkehrt zum öffentlichen Interesse. Auf den großen Bühnen versagten den Akteuren regelmäßig die Nerven. So ging die als "Top-Spiel-Woche" deklarierte Phase Ende September, als St. Pauli binnen einer Woche gegen Kaiserslautern, bei Werder Bremen (DFB-Pokal) und in Bielefeld antrat, ebenso erfolglos vorüber wie die zu "Bonus-Spielen" ernannten Partien in Kaiserslautern und gegen Bielefeld Ende Februar. Fünf Spiele, fünf Niederlagen. Stanislawski kennt diese Statistik und hat sich seine Gedanken gemacht.

"Die eine oder andere Änderung haben wir ja seitdem schon vorgenommen. Und ich habe die eine oder andere Idee im Kopf", deutet er Veränderungen in der Spielvorbereitung an, "aber diese Maßnahmen werden erst ab der kommenden Woche durchgeführt". Vor allem nach den beiden jüngsten Pleiten beim FCK und gegen Bielefeld hatte der Trainer seinen Spielern ein Kopfproblem attestiert. St. Pauli waren Leichtigkeit und Lockerheit abhanden gekommen, die Mannschaft verkrampfte im Kollektiv. "Eine gewisse Anspannung muss da sein, sonst kannst du deine Leistung nicht abrufen", sagt der Trainer, "aber wichtig ist, dass dich diese besonderen Situationen nicht lähmen."

Und das gelte auch für das Duell gegen den Tabellen-15. aus Rostock. "Für solche Spiele zählt der Tabellenplatz nicht. Da herrscht immer ein ganz eigenes Flair." Zumal der Blick auf das Ranking der Zweiten Liga ohnehin trügerisch ist. In der vor zweieinhalb Wochen von Stanislawski ausgerufenen "Neun-Spiele-Saison" liegen die Rostocker nach den ersten beiden Partien ungeschlagen auf dem fünften Rang (St. Pauli Zweiter hinter Koblenz). Der Wechsel zum neuen Trainergespann Marco Kostmann/Thomas Finck hat an der Ostsee einen Aufwärtstrend bewirkt. "Sie wirken gefestigter und glauben an ihre Chance", hat auch Stanislawski erkannt.

Gleiches gilt für seine eigene Mannschaft, die nun beweisen muss, dass sie ihr zweifelsfrei vorhandenes Leistungspotenzial auch in den entscheidenden Momenten abrufen kann. "Ich hoffe, dass sich die Jungs belohnen und wir bis zum Ende da bleiben, wo wir eigentlich die ganze Saison schon stehen: unter den ersten drei Teams der Tabelle. Es geht für uns jetzt nur noch um dieses Ziel. Nichts anderes zählt", sagt der Ex-Profi und legt wieder sein breites Grinsen auf.

Bei der Wahl in die Jahrhundertelf, die erstmals auf vier Meter hohen Bannern vor der Haupttribüne abgebildet wird, wurde er anders als Co-Trainer Andre Trulsen knapp geschlagen. Für Stanislawski die Gelegenheit, erste Maßnahmen für die brisanten Spiele einzuleiten: "Wer den Ball ins Seitenaus klärt und dabei Trulsens Kopf trifft, bekommt eine Extra-Prämie."