12.01.13

Hamburg

Das sind die 14 Kandidaten für den HSV-Aufsichtsrat

Am Sonntag werden vier neue Mitglieder des Kontrollgremiums gewählt. Was qualifiziert die Bewerber? Die Kandidaten stellen sich vor.

Foto: WITTERS SPORT PRESSE FOTOS

Das sind die 14 Kandidaten für den HSV-Aufsichtsrat

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Hamburg. An diesem Sonntag (11 Uhr, CCH) stellen die HSV-Mitglieder wieder Weichen für die Vereinszukunft. Vier Plätze im Aufsichtsrat sind neu zu besetzen, der künftig aus elf Personen bestehen wird, da der Delegierte des HSV Ochsenzoll nach der Auflösung des Vereins wegfällt. Da mit Alexander Otto der bisherige Vorsitzende des Kontrollgremiums nicht mehr antritt, wird auch ein neuer Chef gesucht, den der neue Rat in seiner konstituierenden Sitzung wählen wird.

Das Abendblatt sprach vorab mit den 14 Kandidaten und druckt hier die Antworten (in alphabethischer Reihenfolge) auf zwei entscheidende Fragen:

1. Was qualifiziert Sie für den Aufsichtsrat?

2. Was würden Sie ändern?

1. Ralf Bednarek, 38, Anwalt:

1. Ich möchte meine Fähigkeiten als Jurist in den Aufsichtsrat einbringen. Außerdem habe ich in den vergangen vier Jahren als Abteilungsleiter der größten Abteilung des Vereins alle Gremien, Mitarbeiter und Abläufe im Verein kennengelernt, so dass ich mit der Arbeit als Aufsichtsrat sofort starten könnte.

2. Die Zeiten, in denen der Verein gespalten war, sind vorbei. Insofern geht es auch nicht darum, gegen jemanden oder gegen bestimmte Themen anzutreten. Ich bewerbe mich um einen freien Platz im Aufsichtsrat. Immerhin tritt kein Amtsinhaber mehr an, so dass die Mitglieder vier neue Aufsichtsräte wählen werden.

2. Holger Criwitz, 52, kaufmännischer Angestellter:

1. Ich habe nach meinen 30 Jahren beim HSV in verschiedenen Tätigkeiten wie im Vorstand des HSV Ochsenzoll oder im Aufsichtsrat große Erfahrung. Ich stehe zu einhundert Prozent hinter dem HSV und seiner Mitgliedschaft, und über einen vernünftigen Menschenverstand verfüge ich auch.

2. Der HSV steht vor großen strukturellen Herausforderungen, zum Beispiel im Amateurbereich. Diese müssen vernünftig begleitet werden. Was mir fehlt, sind ein langfristiges Konzept im Jugend- und Internatsbereich sowie der Wille, es durchzusetzen. Bisher gab es mit jedem neuen Trainer und Manager eine neue Richtung.

3. Ali Eghbal, 50, Unternehmensberater:

1. Man nennt mich auch "Mr. haji cola". Unsere Marke "haji" wurde in über 100 Ländern gesichert. Und wir betreuen Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen in steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen. Meine berufliche Qualifikation deckt sich mit den Anforderungen an einen Aufsichtsrat. Zudem stehe ich am liebsten in der Nordtribüne, reise gern im Fan-Zug oder Fan-Bus an. Ich kann also als Bindeglied fungieren.

2. Die Spaltung im Verein - Wirtschaftsfraktion gegen Traditionalisten - muss überwunden werden. Von Senioren, Amateurabteilungen, den Supporters bis zu den Fanklubs: Reicht euch die Hände, hört einander zu, und lernt voneinander. Nur gemeinsam sind wir stark. Ich stehe ein für bezahlbare Eintrittspreise und ganz wichtig: Stehplätze müssen erhalten bleiben!

4. Jan Harden, 36, Rechtsanwalt:

1. Seit ich denken kann, bin ich HSV-Fan und seit mehr als 15 Jahren Mitglied. Ich habe deshalb die nötige Sensibilität, um zu erkennen, was gut für den Verein ist und was nicht. Als Rechtsanwalt bringe ich juristische Fachkompetenz und Berufserfahrung ein, gepaart mit sozialer Kompetenz, Menschenkenntnis und Bodenständigkeit.

2. Wir brauchen eine konstant gute Einkaufspolitik, denn sie ist der Schlüssel zu sportlichem Erfolg. Nach vielen exzellenten Ein- und Verkäufen von 2004 bis 2008 folgte die Zeit verlustreicher Fehleinkäufe (Silva, Gravgaard, Rozehnal, Berg, Kacar, Rajkovic). Es ist insbesondere diese verfehlte Einkaufspolitik, die uns fast hat absteigen lassen. Als Aufsichtsrat werde ich darauf achten, dass wir einen Vorstand haben, der in der Lage ist, Transfers mit Auge und Gespür zu tätigen.

5. Ralph Hartmann, 48, Geschäftsführer eines Personaldienstleisters:

1. Ich bin eingefleischter HSVer, verfüge über ein stabiles kaufmännisches Fundament und ausgeprägtes Verständnis für sportliche Themen. Aus meiner 20-jährigen Tätigkeit in verschiedenen Führungsfunktionen, unter anderem als Geschäftsführer "Sport" im Karstadt-Konzern, weiß ich mit Krisen umzugehen, bin "gremienbewandert" und "netzwerkversiert".

2. Erstens: zügige Erarbeitung und Umsetzung eines wirtschaftlichen Konsolidierungskonzeptes. Nur so ist der HSV sportlich dahin zu führen, wo er hingehört: in internationale Wettbewerbe! Zweitens: noch transparentere Kommunikation gegenüber den Mitgliedern: Wo steht der Verein, welche wirtschaftlichen und sportlichen Möglichkeiten hat er? Drittens: stärkere Nutzung des Netzwerks und der Kompetenzen innerhalb des HSV und in der Hamburger Wirtschaft. Gemeinsam statt gegeneinander!

6. Jens Meier, 46, Vorsitzender der Hamburg Port Authority:

1. Seit 1995 bekleide ich Management-Positionen in verschiedenen Unternehmen - kleinen, mittleren und großen - und bringe Aufsichtsratserfahrung aus eigenen Mandaten mit. Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Port Authority arbeite ich mit unserem Aufsichtsrat (neun Personen) sehr vertrauensvoll zusammen, so dass ich beide Rollen sehr gut kenne.

2. Zunächst einmal wäre ich im Falle meiner Wahl ein neues Mitglied, und da gebietet es der Respekt, dass ich zunächst mit allen Mitgliedern spreche, mir alles ganz genau anhöre. Und zweitens habe ich das Gefühl, dass sich der Aufsichtsrat unter der Führung von Alexander Otto in den vergangenen sechs Monaten genau in die Richtung bewegt hat, die sich alle Mitglieder wünschen. Den von Otto eingeschlagenen Weg möchte ich fortführen.

7. Carmen Pippig, 52, Kauffrau und Mitinitiatorin des "Walk of Fame":

1. Durch meine langjährige Selbstständigkeit im Immobilienbereich habe ich mir neben kaufmännischen Fähigkeiten Durchsetzungsvermögen, Überzeugungskraft, Kommunikationsstärke und Loyalität zu Eigen gemacht. Die Struktur des HSV ist mir vertraut. Problemlösungen finde ich vor allem durch das Hinterfragen der Routine und meinem Andersdenken.

2. Ich würde tatkräftig mitarbeiten, um die Atmosphäre und Kommunikation innerhalb des Aufsichtsrates zu verbessern. Für die Verkleinerung des Aufsichtsrates würde ich mich einsetzen, da sechs bis sieben Mitglieder ausreichend sind. Der Fokus muss auf der Beständigkeit der sportlichen Erfolge, der Optimierung des Scoutings und der Qualität der Nachwuchsarbeit liegen.

8. Stephan Rebbe, 52, Geschäftsführer einer Werbeagentur:

1. Mein Idealismus treibt mich an. Ich arbeite seit 18 Jahren wirtschaftlich erfolgreich im Vermarktungsgeschäft (www.kolle-rebbe.de). Ich kann Menschen führen und auf ein gemeinsames Ziel einstimmen. Ich bin integer, diskussionsfreudig und halte mich an Absprachen. Außerdem habe ich durch meine Firma gute Kontakte zur Markenartikelindustrie. Der HSV ist meine Herzensangelegenheit.

2. Als eine von elf Stimmen kann ich nichts im Alleingang ändern. Ich kann aber zwei wichtige Punkte weiter auf der Agenda halten: Verkleinerung des Aufsichtsrats und das Thema Fernwahlen. Ich würde alles daran setzen, den Aufsichtsrat für Personen mit sportlicher Kompetenz attraktiv zu machen. Wirtschaftliche Expertise oder Erfahrung aus politischen Ämtern reichen nicht aus, die operative Arbeit unseres Vorstandes beurteilen und kontrollieren zu können.

9. Jens Ritter, 53, Diplombetriebswirt:

1. Ich habe über viele Jahre Führungserfahrungen sowie betriebswirtschaftliche Kompetenz in leitenden Funktionen im Gesundheitswesen gesammelt. Ich leite das RehaCentrum Hamburg sowie das Klinikum Bad Bramstedt als Geschäftsführer mit 1000 Mitarbeitern. Mein Anliegen ist, Betroffene zu beteiligen. Und gerade hierzu kann ich umfassende Erfahrungen aus Gremien-, Aufsichtsrats- und Projektarbeit sowie Sozialkompetenz einbringen.

2. Ich bringe mich ein, um den Vorstand zu überwachen, wie die Wirtschaftlichkeit verbessert, eine konstante Personalpolitik im sportlichen und kaufmännischen Bereich umgesetzt und entsprechende Konzepte dargelegt und verfolgt werden. Ich setze mich für die Erhaltung der Selbstbestimmung des Vereins und für eine Transparenz gegenüber den Mitgliedern bei Grundsatzentscheidungen ein.

10. Katrin Sattelmair, 45, Anwältin:

1. Ich kann Recht: Ich verdiene seit 17 Jahren meinen Lebensunterhalt damit. Ich kann Wirtschaft: Als selbständige Anwältin und Notarin bin ich auch Unternehmerin mit Verantwortung für Personal und Budgets. Als Insolvenzverwalterin kenne ich mich in wirtschaftlichen Fragen aus.

Ich kann Sport: Ich habe 35 Jahre Hockey gespielt, davon mehr als 10 Jahre in der Bundesliga und Regionalliga. Ich kann Verein: Ich kann und kenne Verein und seine Gremien. Ich war drei Jahre Vorstand und Vorsitzende des HTHC, der mit seinen Leistungsmannschaften in der Bundesliga spielt. Ich bin Vorsitzende des Zuständigen Ausschusses Jugend des Hamburger Hockeyverbandes und Beisitzerin im Verbandschiedsgericht.

Ich kann HSV: Ich trete zum dritten Mal zur Wahl an und habe mich intensiv mit dem Verein beschäftigt. Ich kenne den HSV, seine Gremien und viele seiner Mitglieder mittlerweile gut. Ich kann also sofort einsteigen.

2. Ich muss nichts ändern, denn mit mir würde sich etwas ändern. Eine weibliche Sichtweise eröffnet neue Blickwinkel und hat schon häufig zu einer Verbesserung der Kommunikation geführt.

11. Christian Strauß, 47, Direktor der Asklepios Klinik Wandsbek:

1. Ich habe 700 Bundesliga-, Pokal- und Europacup-Spiele des HSV live erlebt. Als Aufsichtsrat würde ich den ganz engen Draht zu den Mitgliedern und Fanklubs halten. Ich bin ausgebildeter Industriekaufmann und Diplomkaufmann und seit 15 Jahren bundesweit als Geschäftsführer von Kliniken tätig. Meine Managementerfahrung in einem großen Konzern qualifiziert mich, eine Kontrollfunktion wahrzunehmen.

2. Zufriedenheit auf mittlerem Niveau ist Gift für die weitere Entwicklung. In dieser starken Wirtschaftsregion muss der Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bundesligisten klar ausgespielt werden. Der HSV gehört dauerhaft in die Champions League. Die Stärkung der Bundesligamannschaft erfordert daher auch den Mut, finanzielle Risiken einzugehen. Durch die wieder eigene Vermarktung ohne Fremdfirmen sehe ich eine Chance zur Erlössteigerung.

12. Jürgen Uhlemann, 65, Kaufmann:

1. Ich habe in der Vergangenheit zwei besondere Erfahrungen gemacht: Als Tarifverhandlungsführer mit sieben DGB-Gewerkschaften und als Aufsichtsratsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens. Das hat mich zwei Dinge gelehrt: Demut und dass am Ende ein Ergebnis stehen muss, das mehrheitsfähig und kommunizierbar ist. Zudem habe ich mich in der Liga sehr gut vernetzen können.

2. Auch hierzu fällt mir wieder das Wort Demut ein - vor dem Amt und vor dem, was von den Aufsichtsräten erwartet wird. Wir sollten dem HSV etwas von dem zurückgeben, was uns als Fan jedes Wochenende begeistert: Emotion und Liebe für den Verein. Dabei gerne auch so lebhaft sein wie die Nordkurve - aber nach innen und allein den Vorstand den Lautsprecher nach außen sein lassen.

13. Peter von le Fort, 68, Wirtschaftsprüfer:

1. Fußballleidenschaft, Unabhängigkeit, Erfahrung als Moderator, verfügbare Zeit, wirtschaftliche Kompetenz. Die Mischung dieser Qualifikationen ist optimal für dieses schwierige Ehrenamt.

2. Im Aufsichtsrat um Konsens kämpfen, die Unterstützung des Vorstands durch überzeugende Aufsichtsratsentscheidungen erarbeiten und mit Sachverstand und Beharrlichkeit die Freude am HSV wiedergewinnen.

14. Cord Wöhlke, 63, Eigentümer und Geschäftsführer Budnikowsky:

1. Ich bringe 40 Jahre Erfahrung als Geschäftsführer eines typischen Hamburger Unternehmens, wirtschaftlichen Sachverstand und gute Kontakte innerhalb der Wirtschaft, der Verwaltung und der Politik mit. Ich bin Mitglied des Plenums der Handelskammer und im Aufsichtsrat der Haspa - und seit 40 Jahren leidenschaftlicher HSV-Fan, seit zwei Jahren auch Mitglied.

2. Ich möchte die Menschen dazu bringen, sich mit dem HSV zu identifizieren. Dabei helfen, die Kommunikation zu verbessern, die Strukturen zu erneuern, für Kontinuität im Aufsichtsrat, im Vorstand und im Trainerstab zu sorgen und die Finanzen des HSV auf gesunde Füße zu stellen. Fußball soll sich jeder leisten können. Wenn die Nachwuchsförderung gestärkt wird, kann Hamburg endlich Talentstadt des Nordens werden.

Berichte am Sonntag ab 11 Uhr auf abendblatt.de

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