10.01.13

Kommentar

Jetzt muss Arnesen liefern

Der HSV braucht dringend Geld aus Spielerverkäufen

Von Kai Schiller

Wahrscheinlich war der HSV in seiner Vereinsgeschichte noch nie so kreativ wie in den vergangenen Monaten, wenn es darum ging, neue Einnahmequellen zu erschließen und Kosten zu reduzieren. Die Profifußballer flogen zu einem Turnier nach Südkorea, mitten in der Saison für ein Spiel nach Brasilien und dank ihres Sponsors günstig zum Trainingslager in der Wüste. Doch wie so viele Dinge im Leben hat auch diese Geschichte ein "Aber": Aber leider war der HSV auch selten in seiner Vereinsgeschichte so sehr auf weitere Einnahmequellen angewiesen wie derzeit.

Wenn HSV-Vorstand Carl Jarchow am Sonntag die interessierten Mitglieder zur ordentlichen Jahreshauptversammlung begrüßt, dann wird er nicht vermeiden können, den Treuesten der Treuen ein paar unbequeme Wahrheiten über die Finanzlage des Vereins zu offenbaren.

Um nicht noch mal eine Bundesligasaison wie im vergangenen Jahr zu erleben, ist der Verein im Sommer ein, wie Jarchow es gerne formuliert, "kalkuliertes finanzielles Risiko" eingegangen. Der HSV hat einen Kredit bei einem Bankenkonsortium aufgenommen (acht Millionen Euro), hat sich Geld bei Milliardär und Van-der-Vaart-Fan Klaus-Michael Kühne geliehen (ebenfalls acht Millionen Euro) und sammelte bei den Anhängern 17,5 Millionen Euro über die sogenannte Jubiläumsanleihe ein. All das hat gute Gründe, und all das mag auch sinnvoll sein. Allerdings wird hier und da gerne vergessen, dass diese Darlehen früher oder später zurückgezahlt werden müssen.

Dem HSV wird gar nichts anderes übrig bleiben, als nun auch auf dem Transfermarkt kreativ zu werden. Dabei ist vor allem das Verkaufsgeschick von Sportchef Frank Arnesen gefragt. 6,4 Millionen Euro Einsparungen bei Gehältern und Einnahmen aus Ablösesummen hat sich der Däne als ehrgeiziges Ziel für die laufende Transferperiode gesetzt. Dabei ist es fast schon egal, ob der Verein teure Spieler verkauft, verschenkt oder verleiht. Sollte dieses Ziel aber bis zum 31. Januar nicht erreicht werden, dann hat der HSV ein ernsthaftes Problem. Dann könnte aus einem kalkulierten ein unkalkuliertes Risiko werden.

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