Im Abendblatt-Interview spricht Ilkay Gündogan über seinen Kreuzbandriss, Guardiola, die englische Liga und Mario Götze.

Monte Carlo. Ganz vorsichtig steigt Ilkay Gündogan ins Taxi ein. Schützend hält er seine Hand über das rechte Knie. Im Dezember erlitt der deutsche Nationalspieler und frühere Profi von Borussia Dortmund einen Kreuzbandriss. Seinem Club Manchester City kann er auf dem Platz derzeit nicht helfen – auch nicht am Mittwoch gegen den AS Monaco im Achtelfinale der Champions League (20.45 Uhr/Sky). Die Zeit zwischen den Reha-Einheiten nutzte der 26-Jährige unter anderem für einen Besuch der Verleihung der Laureus World Sports Awards in Monaco. Dort trafen wir ihn.

Hamburger Abendblatt: Ilkay Gündogan, wie geht es Ihnen nach Ihrem Kreuzbandriss im Dezember?

Ilkay Gündogan: Mir geht es ganz gut. Ich fange jetzt langsam wieder an, mich normal zu bewegen und einen normalen Alltag zu gestalten, was bis vor ein, zwei Wochen noch nicht so möglich war. Das große Ziel ist es, für die neue Saison fit zu werden. Bis zum Beginn der Vorbereitung im Juli will ich die Zeit optimal nutzen, um dann wieder dabei zu sein.

Dafür, dass es schon Ihre dritte schwere Verletzung war, machen Sie einen ausgesprochen abgeklärten Eindruck…

Gündogan: Vielleicht, weil ich das jetzt schon zum x-ten Mal durchmache. Und ich glaube auch, dass die vorherigen Verletzungen alle in mir etwas bewirkt haben und mich vielleicht reifer gemacht haben. Dadurch kann ich jetzt vielleicht besser mit der Verletzung umgehen.

Und wie groß war der Frust unmittelbar danach?

Gündogan: Das war natürlich extrem bitter, auch weil ich prima drauf war in den Wochen vor der Verletzung und sportlich auf einem sehr guten Weg. Aber Verletzungen gehören nun mal leider zum Fußball dazu. Für mich war es jetzt in den letzten drei Jahren extrem, aber ich werde auch wieder gestärkt zurückkommen und dann alles daran setzen, möglichst verletzungsfrei zu bleiben.

In dieser Szene war es passiert: Gündogan prallte mit Watford-Profi Nordin Amrabat zusammen und riss sich das Kreuzband
In dieser Szene war es passiert: Gündogan prallte mit Watford-Profi Nordin Amrabat zusammen und riss sich das Kreuzband © Michael Steele/Getty Images

Nach Ihrem Aus hatte Manchester City große Probleme, jetzt liegt das Team wieder auf Platz zwei mit acht Punkten hinter dem FC Chelsea. Was ist noch drin in dieser Saison?

Gündogan: Wir stehen eigentlich wieder ganz gut da, wobei man in England in den letzten Wochen das Gefühl gehabt hat, an einem Spieltag kann sich alles ändern. Chelsea ist gerade einsamer Spitzenreiter, aber wir wollen natürlich zumindest die direkte Champions-League-Quali schaffen. Das ist unser Anspruch und auch der Anspruch von Pep Guardiola. Jetzt liegt es wieder in unserer eigenen Hand.

Ist die Meisterschaft schon entschieden?

Gündogan: Für den ganz großen Wurf müsste Chelsea einige Fehler machen. Ich weiß nicht, ob das noch möglich ist, sie wirken sehr gefestigt auf mich. Aber falls die Chance besteht, sollten wir auf jeden Fall bereit sein.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Trainer Pep Guardiola?

Gündogan: Sehr gut. Wir haben uns gegenseitig schon vorher sehr wertgeschätzt, als ich noch in Dortmund war und er bei Bayern. Ich wollte immer mal mit ihm zusammenarbeiten und jetzt habe ich das Glück, das direkt zu erleben und nicht nur vom Hören und Sagen. Mir gefällt es super. Ich fühle mich auch in Manchester und in der englischen Liga sehr wohl. Und ich glaube auch, dass ich das in den ersten Wochen, die ich dann Fußball gespielt habe, gezeigt habe. So kann es weitergehen, wenn ich wieder fit bin.

Sie waren letzte Woche in Monaco. Haben Sie da für Pep Guardiola den Gegner in der Champions League ausspioniert?

Gündogan: Nein, ich war zum ersten Mal bei den Laureus Awards. Das hat dieses Jahr wegen meiner Verletzung ganz gut in den Zeitplan gepasst und die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht wird es mal ein Thema, dass ich Laureus Botschafter werde.

Was wissen Sie denn vom AS Monaco?

Gündogan: Ein Blick auf die Tabelle in Frankreich genügt. Sie sind aktuell sogar noch vor Paris und wie stark die sind, haben wir erst gegen Barcelona gesehen. Vor allem in der Offensive läuft es bei ihnen diese Saison sehr gut. Von Falcao liest man sogar in den deutschen Medien derzeit sehr viel. Er scheint nahezu wieder der Alte zu sein! Wir sind sicherlich der Favorit, aber Monaco ist alles andere als eine Underdog-Mannschaft.

Letzte Woche hat ein anderer deutscher Nationalspieler im Ausland geglänzt, nämlich Julian Draxler beim 4:0 von Paris gegen Barcelona. Wie sagen Sie zu seiner Entwicklung?

Gündogan: Wenn man ihn in Wolfsburg in der letzten Zeit gesehen hat, ist es natürlich klasse, ihn nun wieder in so einer starken Form zu sehen. Ich glaube, dass es gut für den VfL Wolfsburg und auch für Julian war, dass beide Seiten am Ende eine vernünftige Lösung gefunden haben. Julian profitiert jetzt extrem davon, kann wieder frei aufspielen, hat kaum Druck und macht das echt gut in den letzten Wochen. Das freut mich natürlich. Ich drücke ihm die Daumen, dass es so weitergeht.

Sie sind gebürtiger Gelsenkirchener, haben lange in Dortmund gespielt. Wie eng ist Ihre Verbindung in die Heimat noch?

Gündogan: Ich halte den Kontakt, aber im Moment bin ich kaum noch in Deutschland, um ehrlich zu sein. Und wenn ich mal einen Tag da bin, dann sehe ich kurz die Familie und dann muss ich auch schon wieder weg. In der Premier League gibt es ja ein paar Spiele mehr als in Deutschland ohne Winterpause. Auch jetzt habe ich immer ein volles Reha–Programm, das ich größtenteils in Manchester absolviere.

Und die Kontakte zu Borussia Dortmund – sind die noch da?

Gündogan: Ich verfolge es natürlich und habe Kontakt zu einzelnen Spielern. Zu Mario Götze habe ich eigentlich noch einen ganz guten Draht, wir schreiben uns regelmäßig. Ansonsten ist das natürlich nicht mehr so, als wenn man da noch spielt. Das verläuft sich dann alles ein bisschen.

Wie sehen Sie aktuell die Situation von Mario Götze beim BVB?

Gündogan: Mario arbeitet sehr viel. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er bald wieder erfolgreich ist und glaube auch daran, dass er diese Saison noch eine wichtige Rolle spielen wird.