Markus Rehm wird nun doch keine rechtlichen Schritte gegen die Entscheidung des DLV unternehmen. Der Leichtathletik Verband hatte den Weitspringer, der mit einer Prothese springt, trotz Erfüllung der Norm, nicht nominiert.

Frankfurt/Main. Weitspringer Markus Rehm wird wegen seiner Nichtnominierung für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich (12. bis 17. August) keine rechtlichen Schritte einleiten. „Das Thema ist für mich durch“, sagte der 25-Jährige im ARD-Morgenmagazin: „Ich werde nicht weiter für Verwirrung sorgen und fair bleiben. Ich habe Respekt vor den anderen Sportlern.“

Kritik übte Rehm an der Tatsache, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) das Thema nicht schon vor den deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Ulm abschließend geklärt habe. „Da wurde es vielleicht nicht ganz so ernst genommen“, sagte Rehm im Morgenmagazin.

Rehm hatte enttäuscht auf die Nichtnominierung reagiert: „Ich finde es schade und enttäuschend“, sagte der 25-jährige Weitspringer aus Leverkusen am Mittwoch. Zudem steht noch nicht fest, ob Markus Rehm seinen Titel als deutscher Weitsprung-Meister behalten darf. Dies ist nach Angaben von Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), eine Entscheidung des Bundesausschusses für Wettkampf-Organisation.

Tröstende Worte gabe es dagegen vom ehemaligen Europameister Christian Reif (29): „An der Weitsprunggrube konnte Dich niemand schlagen und trotzdem wirst Du nicht für die EM nominiert; weil eilig - aber viel zu spät - ausgewertete Analysen zu dem Ergebnis kommen, dass Du einen Vorteil haben sollst“, schrieb Reif bei Twitter: „Vorteil hin oder her. Für mich bist Du dennoch ein Gewinner, denn du hast allen gezeigt, wozu Sportler mit Behinderung fähig sind.“

Grundlage für die DLV-Entscheidung waren biomechanische Messungen bei den nationalen Titelkämpfen. Die Analyse hatte ergeben, dass Rehm durch die Beinprothese einen Vorteil im Wettstreit mit gesunden Sportlern haben könnte. „Wenn die Entscheidung darauf basiert, dann halte ich das für schwierig und unseriös“, sagte Rehm.

Rehm, Paralympics-Sieger von 2012, hatte am vergangenen Wochenende in Ulm Geschichte geschrieben und als erster Springer mit Handicap den deutschen Meistertitel bei den Nicht-Behinderten gewonnen. Im Vorfeld der Nominierung hatte es um eine Teilnahme Rehms kontroverse Diskussionen gegeben.

Professor Eckhard Meinberg, Sportethik-Experte der Deutschen Sporthochschule Köln, hält die Nicht-Nominierung für richtig. „Für den Sport ist die Entscheidung nur zu begrüßen, weil das Fairnessprinzip im Wettkampfsport höher zu bewerten ist als das Inklusionsprinzip“, sagte Meinberg.

Durch den Einsatz technischer Hilfsmittel werde der Fairnessgedanke verfälscht. „Rehm hat dank technischer Hilfsmittel sein Naturleid um ein technisches Kunstprodukt ergänzt. So besteht keine Chancengleichheit“, sagte Meinberg. Auch für die Zukunft des Wettkampfsports hält der renommierte Wissenschaftler eine Trennung von behinderten und nicht-behinderten Sportlern für angebracht. Die kontrovers geführte Debatte der vergangenen Tage habe das Bewusstsein für die Inklusionsproblematik im Sport aber eindeutig geschärft.

Rehm springt mit seiner Karbon-Prothese am rechten Bein ab. Das hat in der Leichtathletik-Szene für eine hitzige Debatte darüber gesorgt, ob er dadurch einen unerlaubten Vorteil gegenüber den anderen Springern hat. Biomechaniker hatten während der deutschen Meisterschaften Daten erhoben, um diese Frage zu klären. In den Internationalen-Wettkampfregularien heißt es unter Regel 144, Absatz 2c, dass „der Gebrauch von Technologien oder Geräten, die dem Nutzer einen Vorteil gewähren, den er bei regelgerechter Ausrüstung nicht hätte“, nicht erlaubt ist.

Rehm hatte in Ulm seinen paralympischen Weltrekord um 29 Zentimeter auf 8,24 m gesteigert. Damit überbot er die vom DLV geforderte EM-Norm von 8,05 m deutlich – nur vier Athleten in Europa sind in diesem Jahr überhaupt weiter gesprungen.