Die Onlineredaktion des Hamburger Abendblatts macht kurz vor den K.-o.-Spielen einen Strich unter den bisherigen Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft: Das gefiel uns – und das nicht. Lassen Sie sich überraschen!

Hamburg/Rio de Janeiro. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat die Vorrunde fast überstanden – die Fans auch. Das Hamburger Abendblatt zieht eine kleine Zwischenbilanz mit den Tops und Flops des bisherigen Turnierverlaufs. Dazu gehören Spieler, TV-Kommentatoren, Auffälligkeiten. Natürlich sind Mehmet Scholl, Katrin Müller-Hohenstein, Arjen Robben und Cristiano Ronaldo dabei. Doch wer ist Top, wer Flop? Lassen Sie sich überraschen. Die Auswahl ist rein subjektiv und garantiert ohne repräsentative Umfrage entstanden.

Das sind die Top Ten:

Die Südamerikaner: Teams wie Chile, Costa Rica oder Uruguay spielen eine fantastische Rolle, die man ihnen so nicht zugetraut hat. Mannschaftliche Geschlossenheit zahlt sich aus. Und bissig sind sie auch.

Überschlag: Miroslav Kloses nicht perfekter, aber dafür übermütiger erster Turniersalto nach seinem 15. WM-Tor.

Arjen Robben: Ja, Robben ist ein Top! Im WM-Finale 2010 war er die tragische Gestalt, in Brasilien präsentiert er sich in der Form seines Lebens. Zwei Treffer beim 5:1 gegen Spanien, einer beim 3:2 gegen Australien, mit den entscheidenden Geistesblitzen beim 2:0 gegen Chile, zweimal Man of the Match: Der Offensivspieler des FC Bayern München ist mit ein Grund dafür, warum die Niederlande ein heißer Anwärter auf den WM-Titel sind. Robbens Erfolgsrezept: endlich verletzungsfrei. Die Zeiten des "Aleinikov" sind vorbei. Robben spricht nicht mehr viel über sich, sondern stellt die Leistung des Teams heraus. „I'm in love with Arjen“, sagte einst Bayern-Coach Pep-Guardiola. Mit dieser Meinung wird der Spanier jetzt nicht mehr allein stehen.

Gefühle: Ein WM-Highlight war die bezaubernde und beeindruckend synchrone Tanzeinlage von Asamoah Gran, Christian Atsu und weiteren Spielern nach dem 2:1 Ghanas gegen die deutsche Elf. Das war Lebensfreude pur.

Die Joker: Ob Schweiz, Belgien oder Deutschland – Einwechselspieler präsentieren sich bei dieser WM besonders stark. Die Gründe sind vielfältig. Bei Miroslav Klose ist es der Torinstinkt einer klassischen „Neun“, der im Spiel gegen Ghana gefragt war. Häufig ist es so, dass die klimatischen Bedingungen die Spieler arg strapazieren und Einwechselspieler deshalb fitter sind, aktionsschneller und laufbereiter.

Lukas Podolski: Ist in Top-Form, hat noch bessere Laune als Neymar. Aber drängt sich nicht in den Vordergrund – voll der Mannschaftsdiener. Er wird seine Einsatzchance bekommen. Und: Er denkt an die, die Motivation brauchen, siehe seine Tweets zu Michael Schumacher.

Mehmet Scholl: Alter Scholli, das ist ordentlich, was der Bursche da mit Matthias Opdenhövel vor sich hinplappert. Kommt manchmal aus dem Bauch, manchmal aus der Analyse des lizenzierten Fußballlehrers. Und Scholl hat Schlag bei Frauen. Was will die alte Tante ARD mehr?

Kreative Fans: Suárez mit Anthony-Hopkins-Gedächtnismaske oder Balotelli mit gepackten Koffern. Das sind nur zwei Beispiele, die uns zurzeit ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Selten waren die Fans so schnell so kreativ. Bildbearbeitungsprogrammen sei Dank.

Die Frisuren: Wuschelige Haarpracht ist wieder in. Die Brasilianer gehen voran, und viele ahmen den Trend nach. Das ist was fürs Auge und abwechslungsreicher als die Armeen von Spielern mit selbst gewählter Glatze.

Standards: Ecken und Freistöße sorgen für erhebliche Torgefahr und viele Tore. Wer hier hellwach ist, kann Defizite im Spiel ausgleichen.

Das sind die Flop Ten:

Die Oldies: Leider muss der Weltmeister schon nach Hause fahren. Spanien wirkte mit seinen Altstars wie Xavi oder Casillas behäbig. Auch bei Uruguay ist Forlan praktisch abgemeldet, der 2010 noch alle begeisterte.

Die Schiedsrichter: Falsche Elfmeterentscheidungen, Übersehen einer Tätlichkeit, Aberkennung von Toren – die Liste der Fehlentscheidungen ist lang. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über die Leistung der Unparteiischen diskutiert wird. ZDF-Experte Urs Meier kritisierte die Nominierung der Fifa, die auch aus Ländern, deren Nationalmannschaften international keine Rolle spielen, Schiedsrichter nominiert. Gerade einmal drei Referees haben schon einmal bei einer WM gepfiffen. Doch auch ein unerfahrener Schiedsrichter sollte das Spiel leiten und nicht entscheiden. Nach knapp zwei Wochen steht fest: Die Schiedsrichter sind noch nicht in WM-Form.

Katrin Müller-Hohenstein: Die Frau, die schon bei der EM 2012 als die Usedomina in die Geschichte der Ostsee eingegangen ist, wird in Brasilien zur Vollkatastrophe. Ihre Fragen: banal. Ihr Auftritt: astral. Ihr Selbstbewusstsein: epochal. Strahlend wie der Abendstern lächelt sie jede Professionalität weg. KMH erinnert an den alten Spruch von Karl Kraus: Es reicht nicht, keinen Gedanken zu haben. Man muss ihn auch nicht ausdrücken können.


Die Asiaten:
Was waren denn das für Auftritte von Japan und Südkorea? In der Bundesliga sind die Profis aus dem Fernen Osten begehrt, in Brasilien wirken sie blass und uninspiriert. Nicht einmal die bei ihnen festgestellten preußischen Tugenden wie Disziplin und Kampfbereitschaft waren dauerhaft sichtbar.

Super Bock Bier: Während in Deutschland selbst Hersteller von Rasierschaum den großen WM-Reibach wittern, nehmen sich portugiesische Unternehmen mit der Bewerbung des Großereignisses wohltuend zurück. Das hätte auch einer iberischen Brauerei besser zu Gesicht gestanden. Ausgerechnet vor dem Duell Portugal gegen Deutschland gab Super Bock seinen Kunden ein Bierglas mit Markierungen für vier großzügige Schlücke auf den Weg. Vier Züge für vier Tore - für die heimische Seleccao, versteht sich. Der Schuss ging bekanntlich nach hinten los: Statt Ronaldo schenkten Deutschlands Müller und Hummels den Portugiesen vier Tore ein. Was wiederum einer deutschen Urlaubergruppe an der Algarve den Gerstensaft noch flüssiger die Kehle hinunterfließen ließ.

Steffen Simon: Wer hat den denn ins Moderatoren-Team gelassen? Spult seine Karteikarten und die Statistiken runter, kapiert die aktuelle Entwicklung auf dem Spielfeld überhaupt nicht. Der XX hat schon 1943 im Spiel gegen Barfuß Jerusalem, das 3:4 ausging, in der 23. Minute einen Hattrick geschafft und den siebten Titel in zwölf Jahren perfekt gemacht. So und ähnlich sind seine Ansagen. Grausam!

Facebook und Twitter in den Fernsehsendungen: Das reine Ablesen von Posts und Tweets und das beflissene Zeigen von frisch im Netz verbreiteten Fotos ist so cool, wie mit dem Diesel über den Datenhighway zu fahren.

Tattoos: Das ist einfach zu viel! Die Körperbemalungen der Spieler sind wirklich penetrant. Da kann man den Sinn der Tattoos oft überhaupt nicht mehr erkennen. Denn viele messen ihren Stichen ja oft eine gewaltige Bedeutung bei. Oder geht es nur darum, den Körper irgendwie zu bepinseln?

Adidas, Puma, Nike: Zahlt den Näherinnen einen WM-Zuschlag! Das schmälert euren Gewinn nur wenig. Denn wir lieben Trikots.

Joseph Blatter: Steht in dieser Liste, weil er hier einen Stammplatz hat.

Jury: Jakob Drechsler, Claudia Eicke-Diekmann, Daniela Jaschob, Juliane Kmieciak, Christoph Rybarczyk, Tobias Schmidt, Stefan Walther