21.02.13

Champions-League-Achtelfinale

Schalke wähnt sich als Punktsieger im "Hexenkessel"

Das 1:1 bei Galatasaray war für die Königsblauen ein Schritt aus der Krise. Sportchef Heldt sagt: "Die Champions League schärft die Sinne."

Von Ulli Brünger
Foto: dpa

Zunge raus: Schalkes Jermaine Jones feiert seinen Treffer zum 1:1-Ausgleich kurz vor der Pause

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Istanbul. Auf dem Spielberichtsbogen war ein Remis notiert, doch für die zuletzt nicht gerade erfolgsverwöhnten Schalker fühlte es sich an wie ein Sieg. "Wir haben ein sehr, sehr gutes Spiel in dieser hitzigen Atmosphäre abgeliefert", bilanzierte Trainer Jens Keller zufrieden nach dem 1:1 bei Galatasaray Istanbul. Der Auftritt beim türkischen Meister dürfte Keller bis zum Bundesligaspiel am Sonnabend (18.30 Uhr) gegen Fortuna Düsseldorf mehr Ruhe verschaffen.

Mit gestärktem Selbstbewusstsein trat Schalke am Donnerstag die Heimreise aus der Millionenmetropole am Bosporus an. Die über 90 Minuten unerwartet couragierte und engagierte Vorstellung macht Mut - und Hoffnung auf den Viertelfinal-Einzug am 12. März in Gelsenkirchen. "Das 1:1 ist ein gutes Ergebnis. Wir haben noch das Rückspiel zu Hause. Da müssen wir den Sack zumachen", forderte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar.

Um dem seit seinem ersten Arbeitstag in der Kritik stehenden Chefcoach weiter den Rücken zu stärken, muss sich die Mannschaft auch in der Bundesliga auf ihre Qualität besinnen. Unmissverständlich forderte Manager Horst Heldt nun auch Großtaten im Alltagsgeschäft, um solche Festtage auch in der kommenden Saison genießen zu können. "Die Champions League ist immer etwas Besonderes. Sie schärft die Sinne. Doch am Samstag müssen wir mit einer ähnlichen Einstellung gegen Düsseldorf spielen. Wenn wir weniger tun, wird es nicht klappen", warnte Heldt. Von einem Wendepunkt nach der Serie von nun 13 Pflichtspielen mit nur einem Sieg mochte der Manager noch nicht sprechen. "Wende? Das wird man sehen."

Nachdem Roman Neustädter mit einem Fehlpass das 0:1 durch den starken Burak Yilmaz (12.) verschuldet hatte, bewies der von seiner Augeneinblutung genesene Huntelaar kurz vor der Pause Durchblick und schickte den überragenden Jefferson Farfan in dessen 50. Champions-League-Spiel auf die Reise. Den Querpass des Peruaners verwertete Jermaine Jones gekonnt zum wichtigen Auswärtstor (45.). Trotz seines zweiten Treffers auf Europas größter Fußball-Bühne hatte Jones gemischte Gefühle. Weil er nach einem Foul Gelb für Selcuk Inan forderte, wurde er selbst verwarnt und kann im Rückspiel nur die Daumen drücken. "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft mit meinem Tor helfen konnte. Aber die Sperre ist ein Wermutstropfen", sagte Jones zu seiner dritten Gelben Karte. "Das war dumm."

Abgesehen davon bewiesen die in sieben Champions-League-Partien ungeschlagenen Knappen kühlen Kopf vor 50.734 Fans, darunter 2700 Schalker. Bei der Teambesprechung vor dem Spiel waren die Profis auf die brodelnde Atmosphäre im Ali-Sami-Yen-Stadion eingestellt worden und bekamen fast eine Minute lang Gesänge der türkischen Fans vom 1:0-Heimsieg gegen Manchester United im vorigen November vorgespielt. "Man hätte die Anlage gar nicht so laut aufdrehen können, wie es dann in Wirklichkeit war", berichtete Jones.

Neben der starken Offensivleistung mit der Flügelzange Michel Bastos (links) und Farfan (rechts) sowie Julian Draxler in der Zentrale gab es erneut bedenkliche Defensivpatzer. "Wir haben den Gegner wieder zu Toren eingeladen, und das nicht nur einmal, sondern drei- bis viermal", monierte Heldt.

Galatasaray mit den Winterzugängen Didier Drogba und Wesley Sneijder, den Ex-Nationalcoach Fatih Terim zur Halbzeit auswechselte, sowie dem Ex-Schalker Hamit Altintop konnte kein Kapital aus den Fehlern schlagen. Dies war dem starken Fuchs-Ersatz Sead Kolasinac, dem aufmerksamen Joel Matip und nicht zuletzt Timo Hildebrand zu verdanken. Der 33-Jährige bot seine wohl beste Leistung im blauen Dress und entschärfte Schüsse von Drogba (18.), Burak (38.), Riera (51.) und Sanoglu (79.). Hildebrand ist froh, dass die Debatten um den Platz zwischen den Pfosten endlich verstummt sind. "Es ist gut für einen Torhüter, wenn eine klare Nummer eins benannt wird."

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