20.02.13

Fußball-Bundesliga

Griff nach letztem Strohhalm: Fürth entlässt Trainer Büskens

Zunächst soll U23-Trainer Ludwig Preis das Team übernehmen. Sportdirektor Rouven Schröder unterstützt ihn am Sonntag gegen Leverkusen.

Foto: dpa
Konzentriert
Laut "Bild-Zeitung" entlassen: Mike Büskens

Fürth. Die SpVgg Greuther Fürth greift im Bundesliga-Abstiegskampf nach dem letzten Strohhalm und trennt sich von Trainer Mike Büskens. 180 Tage nach der lange ersehnten Premiere des Traditionsclubs in der Erstklassigkeit hat der Tabellenletzte seinen Aufstiegshelden entlassen. Dies gaben die Fürther am Mittwochabend bekannt - nachdem Büskens noch das Nachmittagstraining geleitet hatte. Zunächst soll U23-Trainer Ludwig Preis die Mannschaft übernehmen. Sportdirektor Rouven Schröder soll den 41-Jährigen am Sonntag im schweren Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (17.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) unterstützen.

Angesichts von 14 Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und nur zwei Saisonsiegen sahen die Fürther am Mittwoch keine andere Möglichkeit, als sich nach dreieinhalb Jahren von dem Ex-Profi zu trennen. Noch vor gut zwei Wochen hatte es nach dem sensationellen 2:1-Sieg beim Champions-League-Teilnehmer Schalke 04 so ausgesehen, als ob sich die Dinge für die Fürther und ihren Trainer zum Guten wenden könnten. Doch nach jeweils 0:1-Niederlagen gegen den VfL Wolfsburg und bei Mit-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf war Büskens' Kredit aufgebraucht.

Mit ihm verließ die Franken auch Co-Trainer Mirko Reichel, der schon seit 1998 dem Klub angehörte. Die Aussagen des Präsidenten Helmut Hack nach bitteren 90 Minuten in Düsseldorf hatten allerdings schon angedeutet, dass die Zeit großer Worte vorbei sein würde: "Das hatte nichts mit Bundesliga zu tun. Wir haben nicht die Mindest-Qualität, die man für diese Liga braucht." Dennoch betonte Hack noch am Sonnabend, Büskens müsse sich vorerst keine Sorgen um seine Zukunft machen.

"Es geht um den Verein, nicht allein um den Trainer"

Nach langen Diskussionen in den Tagen nach dem Spiel rang sich der Club am Mittwoch doch dazu durch, den Trainer zu wechseln. Schon bevor am Nachmittag die ersten Gerüchte von Büskens' Entlassung die Runde machten, hatte Hack ein Bekenntnis zum Coach vermieden. "Es geht um den Verein, nicht allein um den Trainer. Wir müssen uns mit allen Optionen beschäftigen", sagte er den "Nürnberger Nachrichten": "Wir brauchen einen Impuls."

Eigentlich spricht nichts mehr für den Fürther Klassenerhalt, Büskens' Nachfolger steht vor einer "Mission Impossible". 12 Punkte und 13 Tore aus 22 Spielen - alle 165 Minuten ein Tor, 0,54 Punkte pro Spiel. Die Horror-Bilanz einer Mannschaft, die, so sah es Hack am Sonnabend, "so in der Bundesliga nichts zu suchen hat". Aber er sagte auch: "Wir sind noch dabei." Und solange das so bleibe, gebe es doch keinen Grund, aufzugeben.

Büskens selbst wirkte in Düsseldorf, wo er einst selbst gespielt hatte, hilflos. Der Uefa-Cup-Sieger von 1997 (mit Schalke 04), der noch einen Vertrag bis zum Saisonende besaß, flüchtete sich in Phrasen. Das Leben sei eben "nicht immer rosarot", sagte er, wer häufig hinfalle, müsse "auch immer wieder aufstehen", und das werde er tun: "Bis zum letzten Tag meines Lebens!" Dabei war Büskens in Fürth beim Aufstieg im vergangenen Mai noch wie ein Messias gefeiert worden.

"Eine Trainerentlassung ist immer eine traurige und schwierige Situation"

Der gebürtige Düsseldorfer, der auf dem Feld ein zuverlässiger Arbeiter und als Trainer stets ein Freund ehrlicher Worte war, verlieh der Fürther Mannschaft seit seiner Amtsübernahme im Dezember 2009 immer mehr Profil. Er verpasste 2011 den Aufstieg nur knapp und erzwang ein Jahr später gemeinsam mit einer kompakten und zuverlässigen Mannschaft den in Franken so lange ersehnten und häufig so knapp verfehlten Aufstieg.

Am Abend bestätigte Kapitän Mergim Mavraj "spox.com", dass die Mannschaft von der Clubführung über den Schritt informiert worden sei. "Eine Trainerentlassung ist immer eine traurige und schwierige Situation, besonders, wenn man gemeinsam Erfolge gefeiert hat", sagte Routinier Thomas Kleine dem "kicker": "Das müssen wir erst einmal verarbeiten."

(sid)
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