07.02.13

Biathlon-WM

Miriam Gössner: Magdalena Neuners Erbin

Miriam Gössner und die deutschen Biathleten starten an diesem Donnerstag in die Weltmeisterschaften. Deutsches Team ist optimistisch.

Von Melanie Haack
Foto: dpa
Miriam Gössner, 22, aus Garmisch-Partenkirchen
Miriam Gössner, 22, aus Garmisch-Partenkirchen gewann in der Weltmeisterschaftssaison schon drei Rennen und ist derzeit Weltcup-Vierte

Nove Mesto/Hamburg. Manchmal wäre Miriam Gössner gern eine kleine Hexe. Keine böse, bucklige Gestalt zum Fürchten - das würde auch kaum zu der zierlichen jungen Frau passen. Aber wenn sich die 22 Jahre alte Biathletin eine Zeichentrickfigur zum Rollentausch aussuchen dürfte, wäre das Bibi Blocksberg. "Ich würde gern hexen können und auf einem Besen durch die Luft fliegen. Wenn du dir alles herzaubern könntest, was du dir wünschst, wäre das super", sagt sie.

Natürlich würde sie sich gern sportliche Erfolge herbeizaubern. "Olympiasieg, Weltmeistertitel, Gesamtweltcup", zählt Gössner auf, "aber so einfach ist das nun mal nicht. Keine von uns kann hexen." Aber auch ohne Magie könnte sich Miriam Gössner schon bald zur Weltmeisterin machen, abwegig ist das nicht. Die deutsche Mannschaft jedenfalls geht optimistischer in die Weltmeisterschaften im tschechischen Nove Mesto, als zu Beginn der Saison zu erwarten war. Weder bei den Männern noch bei den Frauen leuchtet alles rosarot, doch die schlimmsten Vermutungen im Jahr eins nach dem Rücktritt von Superstar Magdalena Neuner sind nicht wahr geworden. Es geht auch ohne die Biathlonkönigin.

Bei den Weltmeisterschaften kann sich die Mannschaft um Gössner, Andrea Henkel und Andreas Birnbacher jetzt endgültig aus dem Schatten laufen. "Fünf bis sechs Medaillen sind ein realistisches Ziel. Auch wenn uns natürlich bewusst ist, dass das nicht einfach sein wird", sagt Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV). Schon beim ersten Rennen, der Mixedstaffel an diesem Donnerstag (17.30 Uhr, ARD und Eurosport), könnte es das erste Edelmetall für die Deutschen geben. Henkel, Gössner, Simon Schempp und Schlussläufer Birnbacher gehen an den Start.

Vor einem Jahr noch, bei den Heimweltmeisterschaften in Ruhpolding, drehte sich die Biathlonwelt in Deutschland fast ausschließlich um Neuner. Nicht zu Unrecht, wie sie damals mit einer Gold- und einer Silbermedaille bewies. Ihre Teamkollegen waren allesamt bei dem Versuch gescheitert, nach einem der Einzelrennen auf das Podest klettern zu dürfen. Die Staffeln polierten die Bilanz auf: Gold für die Frauen, Bronze für die Männer und die Mixedstaffel. Und dann trat Neuner zurück, mit gerade einmal 25 Jahren. Der Biathlonsport hatte seine strahlende Vorzeigefrau verloren.

Nachdem zuvor schon Martina Glagow und Kati Wilhelm aufgehört hatten, war die bange Frage: Wer soll jetzt die Medaillen holen? Wer sorgt für Furore? Viele fürchteten, dass höchstens Altmeisterin Henkel, 35, hin und wieder vorn mitmischen könnte. "Ich bin vor der Saison gefragt worden, ob wir ohne Lena überhaupt eine Staffel an den Start bringen wollen", erzählt Gössner. "Das war deprimierend." Und dann trat nach einem misslungenen Weltcupauftakt auch noch Olympiasieger Michael Greis zurück. Sollte also alles vorbei sein mit der deutschen Biathlonherrlichkeit? Von wegen. "Es ist ja oft so, dass du an solchen Aufgaben wachsen kannst", sagt Gössner.

Als habe sie nur darauf gewartet, dass Neuner den Platz räumt, preschte Gössner in die frei gewordene Lücke und gewann schon drei Weltcuprennen. Weil ihr die Sache mit dem Schießen manchmal noch arges Kopfzerbrechen bereitet, ist in Nove Mesto allerdings alles möglich, im Guten wie im Schlechten. Bei den Männern ruhen die Hoffnungen auf Andreas Birnbacher, der in diesem Winter schon zweimal ganz oben auf dem Podest stand. Zuletzt aber plagte ihn ein Infekt. "Teilweise hat uns bei den Männern das Quäntchen Glück gefehlt. Sie sind aber in jedem Fall in der Lage anzugreifen", sagt Bundestrainer Uwe Müssiggang. Auch die Fernsehzuschauer sind treu geblieben. Werner Stars, Direktor Kommunikation und Marketing bei Eurosport, bekräftigt: "Von einem Neuner-Quoteneinbruch kann nicht die Rede sein, im Gegenteil."

Die komfortable Situation vergangener Jahre jedoch, in denen am Ende in der Regel irgendein Deutscher um die Medaillen kämpfte, gibt es derzeit weder bei den Frauen noch bei den Männern. Chancen haben sie dennoch, und dank Miriam Gössner auch einen neuen Liebling der Fans.

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