05.02.13

Fussball-Nationalmannschaft

Löws Personal-Puzzle in Paris – viele Stammkräfte fehlen

Jedes Mal die gleich Leier, wird sich Joachim Löw sagen. Bei Tests fehlen dem Bundestrainer viele Stammkräfte. So ist es auch in Frankreich.

Von Arne Richter und Jens Mende
Foto: REUTERS
Germany's national soccer team coach Loew walks on the Stade de France pitch during a training session in Saint-Denis on the eve of their friendly match against France
Einsamer Spaziergang im Regen von Paris: Bundestrainer Joachim Löw

Paris. Weit vorne auf Platz 2 C des kleinen Sonderfliegers LH 342 nach Paris saß Joachim Löw und grübelte durchgerüttelt von manch heftigem Windstoß über sein Personal. Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger, Marco Reus, Mario Götze und auch Marcel Schmelzer - alle nicht an Bord. Für das ersehnte positive Start-Signal ins Länderspieljahr 2013 und den ersten Auswärtssieg in Frankreich seit 78 Jahren muss der Bundestrainer wieder einmal zum Formations-Tüftler werden.

"Manchmal ist es für einen Trainer ein bisschen ärgerlich", sagte Löw. Aber: "Dieses Problem gibt es, solange es Länderspiele gibt. Damit muss man als Bundestrainer leben", betonte er nach der Landung in Paris. "Selbstverständlich macht man sich seine Gedanken als Trainer, denn man plant mit dem einen oder anderen Spieler."

Wie bei allen Testspielen seit dem misslungenen EM-Sommer fehlen Löw auch beim wegweisenden Jahresauftakt am Mittwoch (21.00/im Liveticker bei abendblatt.de) wichtige Säulen seines Teams. Mit den maladen Profis, deren Trainern und Ärzten besprach Löw die Lage, um sich über die Absagegründe genau zu informieren. An der grundsätzlichen Zielsetzung ändert der Ausfall von fünf Akteuren aber nichts. Der Test gegen die Équipe tricolore um Bayern-Star Franck Ribéry ist für Mesut Özil und Co. der ultimative Härtetest für die rasche Erfüllung der deutlichen Jahresvorgabe: "Die WM-Qualifikation für Brasilien 2014 ist das erklärte Ziel – und alles ist darauf ausgerichtet", sagte Löw.

Die französische Hauptstadt empfing den DFB-Tross am Dienstag mit grauen Wolken und frischem Wind bei gerade einmal vier Grad Celsius. Nur kurz blinzelte die Sonne nach der Landung hervor, als die DFB-Maschine auf einer Außenposition des Flughafens Charles de Gaulle neben zwei Fliegern der "République Francaise" parkte. Ungemütlich dürfte es für die Löw-Auswahl auch vor erwarteten 75.000 Zuschauern im Stade de France von St. Denis werden.

"Die Franzosen haben starke Individualisten, aber ihr Spiel ist auch von einer guten Physis geprägt", warnte Teammanager Oliver Bierhoff. "Wir müssen in so einem Spiel eine Topleistung abrufen, wenn wir den Franzosen auf Augenhöhe begegnen wollen", fügte Löw an.

In Frankreich haben sich die guten Leistungen der DFB-Auswahl herumgesprochen, aber eben auch das mehrfache Scheitern kurz vor dem Titelziel. Ob er sich daher als "romantischer Verlierer" sehe, wurde Löw von einem heimischen Journalisten gefragt. Touché! Löw lächelte mächtig gequält. "Wir sind Nummer zwei der Welt", antwortete er. "Und haben mit der Spielkultur große Fortschritte gemacht."

Davon will sich am Mittwoch auch Bundeskanzlerin und Edelfan Angela Merkel beim Besuch im Stade de France mit dem französischen Staatspräsident Francois Hollande überzeugen. Das Spiel hat sogar politische Dimensionen, gilt es doch als Teil des Festaktes zu den 50-Jahr-Feierlichkeiten des Elysée-Vertrages. Zudem stehen sich beide Nationen zum 25. Mal in einem Länderspiel gegenüber – ein Silberjubiläum also.

Erstmals seit 2008 will das DFB-Team bei einem Auftaktspiel wieder als Sieger vom Platz gehen und dabei die magere Bilanz gegen das Nachbarland von sieben Siegen, sechs Remis und elf Niederlagen aufpolieren. Letztmals gelang ein Sieg vor 26 Jahren beim 2:1 in Berlin mit Doppeltorschütze Rudi Völler. Doch: Wie schon beim 0:0 gegen die Niederlande im November muss Löw im Eiltempo mehrere Personal-Baustellen beackern. Übung hat er darin mittlerweile.

Trotz des Ausfalls von Schmelzer (Knöchel) soll Philipp Lahm nicht zum Seitenhopper werden und auf der rechten Außenbahn gegen seinen Club-Kollegen Ribéry verteidigen. Für Links gibt es keinen perfekten Kandidaten. Jérôme Boateng spielte dort einst bei der WM 2010, Heiko Westermann wäre eine andere Notlösung. Löw berichtete von vielen weiteren Wehwehchen im DFB-Kreis. Lars Bender und Mats Hummels sind angeschlagen, Sami Khedira zwickt die Leiste und Lukas Podolski ist erkältet. Zumindest beim Abschlusstraining am Dienstagabend waren alle 19 nach Paris mitgereisten Spieler dabei.

Schweinsteiger, laut Löw am Knöchel, laut Bierhoff an den Adduktoren verletzt, ist ein Dauer-Absager bei Testspielen. In dieser Saison war der Münchner, wenn es nicht um Punkte ging, nie dabei. Für den somit erneut vakanten Platz neben Khedira hat Löw die meisten Varianten parat. Der eigentlich offensivere Toni Kroos, Lars oder Sven Bender oder Ilkay Gündogan, der aber auch am Knöchel lädiert ist, sind die Alternativen.

Den Ausfall von Fußballer des Jahres Reus (Adduktorenprobleme) auf links kann Löw mit einer Reaktivierung von Lukas Podolski oder einem Einsatz von André Schürrle kompensieren. "Jede Mannschaft, die Titel gewinnen will, braucht 18 bis 20 Topleute", lautete Löws positive Auslegung der personellen Lage. "Wir können beweisen, dass wir mehr als elf gute Spieler in Deutschland haben", betonte der 53-Jährige.

Das Torwart-Thema ist nach dem verbalen Gegrummel von Manuel Neuer über sein Paris-Dasein als Einmal-Reservist von René Adler schnell wieder befriedet. Adler mimt nicht den aggressiven Herausforderer und Löw hat klar gemacht: "Wir haben die Möglichkeit, die Reihenfolge hinter Manuel Neuer offen zu lassen und die Dinge zu beobachten."

Interessant wird sein, wie Löw auf die längere Verletzungspause von Stürmer Miroslav Klose (Außenbandriss im Knie) reagiert. In Paris kann und darf Mario Gomez erstmals nach dem EM-Aus spielen und seinen geflissentlich unterdrückten Frust als Bayern-Reservist aufarbeiten. "Ich freue mich riesig auf das Spiel", kündigte Gomez an.

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