24.01.13

Hockey

THC-Torhüterin Reynolds hört im Sommer auf

Das Torwartdasein hat sie genervt. Nun zieht Reynolds die Konsequenz. Der Nationalmannschaft steht sie ab sofort nicht mehr zu Verfügung.

Foto: WITTERS/Witters Sport-Presse-Fotos
Hockey
Torfrau Kristina Reynolds hört im Sommer auf

Hamburg. Am Ende war es nur noch Quälerei. "Mich hat das Torwartdasein seit Jahren genervt. Diese stinkende Ausrüstung, an der man so schwer schleppen muss! Und diese Langeweile, wenn man nichts zu tun hat. Ich will mich bewegen und nicht in dieser blöden Kiste vereinsamen, das waren die Gedanken, die ich immer öfter hatte." Gesagt hat diese Sätze Kristina Reynolds, und für eine wie sie, die über Jahre zu den zwei besten Torhüterinnen im deutschen Hockeysport gezählt hat, sind das erstaunliche Aussagen. Und ebenso erstaunlich ist die radikale Konsequenz, die sie zieht: Spätestens im Sommer ist komplett Schluss mit Hockey. Der Nationalmannschaft steht sie ab sofort nicht mehr zu Verfügung.

Torhüter, heißt es unter Sportlern, haben oft einen Spleen, sie gelten als verrückte Individuen, und ein wenig anders muss man wohl sein, um Spaß daran zu finden, sich mit harten Kunststoffbällen beschießen zu lassen. Kristina Reynolds, 28, Vater Brite, Mutter Deutsche, ist jedoch eine normale junge Frau, zielstrebig und ehrgeizig, nicht besonders extrovertiert oder geltungssüchtig. Dass sie ihr bevorstehendes Karriereende nur intern angekündigt hat, passt deshalb bestens zu ihr.

Der neue Nationaltrainer Jamilon Mülders erfuhr es durch eine kurze E-Mail. Peter Krueger, ihr Förderer und Vereinstrainer beim Klipper THC, weiß seit einem Jahr über ihre Gedanken Bescheid. Weil es ihm bislang nicht gelungen ist, adäquaten Ersatz zu finden, will Reynolds noch maximal bis zum Sommer für den Klub auflaufen, an diesem Sonntag (14.30 Uhr) hat sie bei ihrem Exclub Harvestehuder THC den letzten Halleneinsatz. Zum Training geht sie allerdings seit Wochen nicht mehr. "Ich schaffe es einfach nicht mehr, mich dafür zu motivieren, auch wenn ich deshalb ein schlechtes Gewissen dem Team gegenüber habe", sagt sie.

Es gibt zwei Gründe für den radikalen Sinneswandel. Da ist zum einen der Beruf. Reynolds hat im November 2012 eine volle Stelle als Assistenzärztin in der Inneren Medizin am UKE angenommen. Sie will dort ihre Facharzt-Ausbildung zur Internistin, Spezialgebiet Leber, absolvieren. 60 Wochenstunden sind keine Seltenheit, ein geregelter Trainingsbetrieb ist da nur schwer möglich. Zum anderen aber, und das wiegt schwerer, hat sie über die Jahre den Spaß am Hockey verloren, weil sie das Gefühl hatte, nicht optimal gefördert zu werden.

"In der Nationalmannschaft gab es leider nie ein effektives Torwarttraining. Wir haben das immer wieder angesprochen, aber es wurde nichts gemacht", sagt sie. Auch auf Vereinsebene fühlte sie sich bisweilen unterfordert, was sie allerdings nicht als Vorwurf verstanden wissen möchte. "Bei Klipper ist eben das Niveau im Training nicht so hoch, und auch in der Bundesliga gibt es viele Spiele, in denen man als Torhüterin nicht richtig gefordert wird", sagt sie. Um gegenzusteuern, nahm sie Extraunterricht beim spanischen Torwarttrainer Jaume Borras, den sie bei ihrem Auslandsintermezzo in Barcelona kennen gelernt hatte. So oft es finanziell und zeitlich möglich war, flog sie nach Spanien.

Hamburg dauerhaft zu verlassen ist wegen ihres Berufs nicht möglich, und beim besten Hamburger Klub, dem Uhlenhorster HC, ist die Stelle im Tor mit ihrer Nationalmannschafts-Rivalin Yvonne Frank besetzt. So scheint es konsequent, dass sie nun einen Schlussstrich zieht, auch wenn sie mit dem Zeitpunkt ihres Abschieds unglücklich ist. "Ich bin traurig darüber, weil ich glaube, dass ich meinen Leistungshöhepunkt noch längst nicht erreicht habe", sagt sie. Aber in einem Sport zu bleiben, den die Athleten mangels finanziellen Anreizes vor allem zum Spaß betreiben, wenn einem ebendieser Spaß abhanden gekommen ist, mache keinen Sinn. "Viele versuchen, mich umzustimmen. Aber am Ende dieser Gespräche merke ich immer, dass ich es einfach nicht mehr will", sagt sie.

Was vom Hockey bleibt, sind Erinnerungen wie die an den Gewinn der deutschen Hallenmeisterschaft mit dem Harvestehuder THC im Jahr 2007 oder die Silbermedaille bei der Junioren-WM 2005, natürlich auch an die Olympischen Spiele in Peking mit dem bitteren vierten Platz. Beherrschend ist allerdings auch dort derzeit ein Negativerlebnis. Dass sie bei Olympia in London nur Ersatztorhüterin war, hat zu ihrem Entschluss geführt, in der Nationalmannschaft sofort aufzuhören. "Natürlich ist das traurig, mit einem solchen Abschluss zu gehen. Aber so ist es eben", sagt sie.

Sie fühlt sich jetzt befreit, hat an Lebensqualität dazugewonnen, seit sie dann trainieren kann, wann sie es will. Sie hat angefangen, bei den Landesligafrauen von Grün-Weiß Eimsbüttel Fußball zu spielen, sie geht ins Fitnessstudio, Sport bleibt ein wichtiger Ausgleich. Sie hat auch darüber nachgedacht, das anzubieten, was ihr immer gefehlt hat: professionelles Torwarttraining. Aber sie hält sich nicht für eine gute Trainerin. Deshalb wird sie nun versuchen, die letzten Hockeyspiele ihres Lebens zu genießen, und danach nur noch als Zuschauerin den Kontakt zu dem Sport zu halten, der lange ein großer Teil ihres Lebens war, bis er zur Quälerei wurde.

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Das Restaurant „Strumhaube“ am Roten Kliff auf Sylt. Hier eskalierte Am Pfingstwochenede eine Party mit rund 3000 Gästen
18:36Restaurant Sturmhaube
"Ich kenn Peter" - Nobelparty auf Sylt endet in Schlägereien

Die Polizei musste mit allen verfügbaren Kräften in das Restaurant "Sturmhaube" am Roten Kliff anrücken. Nach einem Facebook-Aufruf waren 3000 Gäste gekommen. Es blieb nicht lange friedlich. mehr...


Im Hamburger Hafen gilt jetzt ein Tempolimit
17:30Neue Regelung
Im Hamburger Hafen gilt jetzt Tempolimit von zehn Knoten

Laut Hafenbehörde HPA gilt die neue Regelung ab sofort. Bislang gab es im Hafengebiet nur eine verbindliche Höchstgeschwindigkeit für Sportboote von zwölf Knoten. mehr...


Nils Jennrich auf einem Privatfoto, das in China entstand, bevor er im März 2012 verhaftet wurde
16:28China
Festgehaltener Norddeutscher darf China verlassen

Westerwelle zeigt sich "erleichtert" über die Ausreise von Kunstspediteur Jennrich, der in China erst in Haft saß, dann das Land nicht verlassen durfte. Er soll Steuern hinterzogen haben. mehr...


Hakan Calhanoglu: Seine Schusstechnik ist schon bundesligatauglich
12:12Neuzugang des HSV
Calhanoglu: "Ich will mich in der Bundesliga beweisen"

Der Neuzugang des HSV hat den Karlsruher SC mit 17 Toren zum Aufstieg in die zweite Liga geschossen. Nun will er sich auch in der Bundesliga beweisen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
HSV
Arnesen bleibt trotz Kritik gelassen

HSV-Sportchef Frank Arnesen steht vor dem Aus. Mit möglichen Nachfolgern wurde bereits gesprochen. Arnesen lässt das noch unbeeindruckt.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Fußball

HSV-Neuzugang Hakan Calhanoglu

Haarige Sache

Verrückte Frisuren in der Welt des Fußballs

Oddset-Pokal

Elmshorn verliert gegen Vicky

Bundesliga-Rückkehr

Große Aufstiegsparty in Braunschweig

tb_mrs-sporty.gif
Mrs. Sporty

Ihr freundlicher Sportclub in der Nachbarschaftmehr

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr