24.01.13

Fifa-Boss

Fan-Rassismus: Blatter fordert Zwangsabstieg für Clubs

Geldstrafen reichen nicht aus, sagt der Schweizer. Manipulationen eine "teuflische Gefahr für den Fußball". Technische Hilfsmittel nutzen.

Foto: Getty Images
FIFA Ballon d'Or Gala 2012
Joseph S. Blatter will noch stärker gegen Rassismus und Manipulationen kämpfen

Zürich. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter fordert Punktabzüge und Zwangsabstiege für Fußball-Clubs, deren Fans sich rassistische Ausfälle leisten. "Es reicht nicht aus, Geldstrafen zu verteilen. Spiele ohne Zuschauer sind eine mögliche Lösung, aber am besten wären ein Punktabzug und der Abstieg der Mannschaft, denn letztendlich ist der Klub für seine Zuschauer verantwortlich", sagte der Chef des Weltverbandes in einem Interview auf fifa.com. Man sollte die Verbände und Konföderationen anweisen, "sehr streng" vorzugehen.

Er stimme mit Kevin-Prince Boateng überein, dass der Rassismus-Vorfall während des Testspiels des AC Mailand in Italien ein "ernste Warnung" gewesen sei, sagte Blatter: "Nun ist es an uns, die geeigneten Schritte einzuleiten." Der Fußball sei mit Blick auf das Phänomen Rassismus zwar ein "Opfer unserer Gesellschaft", ergänzte der Schweizer, aber nirgendwo könnten Probleme gelöst werden, "indem man wegrennt".

Der ehemalige Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng hatte Anfang Januar einen Abbruch eines Testspiels erwirkt. Fans des Viertligisten Pro Partia hatten ihn und weitere dunkelhäutige Milan-Spieler mit Affen-Lauten beleidigt. Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng, das Spiel wurde abgebrochen. Blatter hatte die Aktion unmittelbar danach kritisch betrachtet. "Wenn ein Spieler vom Feld läuft, weil er rassistisch beleidigt wurde, ist das ein starkes Signal, das sagt: Das war zu viel", sagte Blatter in Zürich: "Aber das kann nicht die langfristige Lösung sein. Wir müssen andere Lösungen finden, um dieses Problems Herr zu werden."

Torlinien-Technik: "Jetzt haben wir ein System dafür, also müssen wir es auch nutzen"

Darüber hinaus regt Blatter in dem Interview die Einrichtung von Ethik-Kommissionen in allen nationalen Verbänden an. "Ganz besonders notwendig war für uns die Einrichtung der Ethik-Kommission und der Audit- und Compliance-Kommission, doch dies wird nur funktionieren, wenn solche Kommissionen auch in allen Nationalverbänden und Konföderationen eingerichtet werden. Die FIFA allein kann nicht das Schiedsgericht für die 300 Millionen Menschen sein, die am Fußball beteiligt sind", sagte Blatter.

Erneut machte er sich für eine flächendeckende Einführung der Torlinien-Technik stark. "Jetzt haben wir ein System dafür, also müssen wir es auch nutzen", sagte Blatter. "Wenn wir sie nicht nutzen würden" und es zu einer umstrittenen Situation käme, "dann sähen wir wirklich wie Narren aus". Bei der Klub-WM wurden zwei Systeme erfolgreich getestet. Blatter streitet in der Frage seit langem mit Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), der sich gegen Technik und für den Einsatz von Torrichtern ausgesprochen hat. Die Systeme seien "ein Fortschritt", sagte Blatter, "und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die großen Ligen sie nutzen werden, denn sie sind eine große Hilfe für die Schiedsrichter und ermöglichen wohl die beste Entscheidung, ob ein Tor erzielt wurde oder nicht."

Im Kampf gegen Spielmanipulationen ("Eine teuflische Gefahr für den Fußball") warb Blatter für "Solidarität innerhalb der Fußball-Familie": Wenn Spieler, Trainer oder Schiedsrichter von "solchen Leuten" kontaktiert würden, sollten sie "das sofort melden und darüber aussagen", sagte der 76-Jährige: "Nur dann können wir erfolgreich dagegen vorgehen."

(sid)
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