14.01.13

Handball-WM in Spanien

"Es geht um alles" - Deutsche Handballer schwer unter Druck

Nach der Niederlage gegen Tunesien müssen die deutschen Handballer bei der WM in Spanien am Dienstag gegen Argentinien gewinnen.

Von Christoph Stukenbrock
Foto: Bongarts/Getty Images
Tunisia v Germany - Men's Handball World Championship 2013
Gegen Tunesien wollte Bundestrainer Martin Heuberger zeitweise gar nicht mehr hinschauen

Granollers. Martin Heuberger nippte nervös an seinem schwarzen Kaffee. Mit kleinen Augen verfolgte er das muntere Treiben im Foyer des Mannschaftshotels "Ciutat de Granollers". Während die französischen Superstars um den Ex-Kieler Nikola Karabatic gut gelaunt Autogramme schrieben, gerät der Bundestrainer mit seiner neuformierten Mannschaft zunehmend unter Druck. Die deutschen Handballer müssen gegen Argentinien unbedingt gewinnen, um nicht das gesteckte Minimalziel Achtelfinale zu verpassen.

Auch das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) unterstrich vor dem Schlüsselspiel am Dienstag (18.15 Uhr) seine Erwartungshaltung. "Es geht um alles. Ich erwarte nichts anderes als einen Sieg", sagte Torhüter Silvio Heinevetter am Tag nach der ebenso schmerzhaften wie unnötigen Niederlage (23:25) gegen Tunesien: "Wir haben immer ein Grottenspiel dabei. Das sollte mit der Partie am Sonntag erledigt sein." Auch Kapitän Oliver Roggisch, der sich im Spiel gegen den Afrikameister den Rücken "verknackst" hatte und deswegen am Montag nicht trainierte, unterstrich die Bedeutung des Duells mit den Gauchos: "Wir haben jetzt zwei Spiele, die wir gewinnen müssen. Wir wollen es schließlich nicht auf die Partie gegen Frankreich ankommen lassen."

"Wir haben noch immer ein klares Ziel vor Augen, und das heißt Viertelfinale"

Nach dem Spiel am Mittwoch gegen Montenegro ist der Olympiasieger am Freitag der letzte deutsche Gruppengegner - und in der aktuellen Verfassung beider Mannschaften außer Reichweite für Heubergers Team. Der Bundestrainer hatte sich auch am Montag noch nicht vollständig von der ersten Niederlage seiner Handballer im Jahr 2013 erholt. Zu viele Baustellen hatte ihm die nächtliche Spielanalyse offenbart. Zum einen war er mit der Defensivarbeit inklusive der Torhüterleistung seines Teams unzufrieden. Zu oft waren die blutjungen nordafrikanischen Rückraumspieler um den zukünftigen Kieler Wael Jallouz aus der Ferne zu Torerfolgen gekommen.

Vor allem bemängelte Heuberger aber die schlechte Chancenverwertung. "Ich habe bei vielen Fehlwürfen den letzten Einsatz vermisst, besonders im Gegenstoß", sagte Heuberger verärgert. Zudem haderte er mit nicht angebrachten Trickwürfen seiner Spieler: "Wenn ein Dreher im Tor ist, ist das die einzige Entschuldigung." DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier erhöhte unterdessen auch offiziell den Druck auf die Mannschaft. "Wir müssen die nächsten beiden Spiele gewinnen, das ist sehr wichtig", sagte Bredemeier. Er wünscht sich von der Mannschaft ein mutigeres Angriffsspiel. "Wir haben noch immer ein klares Ziel vor Augen, und das heißt Viertelfinale", sagte der deutsche Delegationsleiter.

Niederlage zum richtigen Zeitpunkt, um die Fehler für die K.o.-Runde abzustellen

Bob Hanning glaubt, dass die Mannschaft trotz der Niederlage gestärkt aus dem Tunesien-Spiel hervorgeht. "Sie kann daraus eine Menge mitnehmen. Die Analyse aus der Niederlage kann helfen auf dem Weg ins Viertelfinale", sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin. Es sei gut für die Mannschaft, jetzt ein Spiel zu verlieren, um die Fehler rechtzeitig für die K.o.-Runde abzustellen. Für den angeschlagenen Roggisch steht ein Misserfolg am Dienstagabend nicht zur Debatte. "Wir werden gegen Argentinien gewinnen, und dann ist Tunesien vergessen", sagte der 34-Jährige trotzig: "Wenn du nachher im Viertelfinale bist, zählt alles, was vorher war, nicht mehr." Mit einer möglichen Niederlage hat er sich - wie das gesamte deutsche Team - noch nicht beschäftigt.

Personaldiskussionen ohne Einfluss auf WM-Team

Die am Rande der WM aufgekommenen Diskussionen um das neue Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) haben laut Heuberger keinen Einfluss auf die Mannschaft. "Wir haben uns mit den Randerscheinungen und Stammtischgesprächen nicht beschäftigt", sagte der Schutterwälder am Montag im Spielort Granollers.

Am Samstag hatte Bob Hanning im Umfeld des deutschen Auftaktspiels gegen Brasilien seine Kandidatur als DHB-Vizepräsident bekanntgegeben. Wegen des Zeitpunkts war der Manager des Bundesligisten Füchse Berlin unter anderem von DHB-Sportmanager Heiner Brand kritisiert worden. Für ihn sei dies respektlos gegenüber der Nationalmannschaft gewesen.

Hanning will Nachfolger von Horst Bredemeier als Vizepräsident Leistungssport werden. Bredemeier stellt sich ebenso wie Verbandschef Ulrich Strombach auf dem DHB-Bundestag im September in Düsseldorf nicht mehr zur Wiederwahl. Einen offiziellen Kandidaten für das Präsidentenamt gibt es noch nicht. Im Gespräch ist Andreas Michelmann aus Aschersleben, Präsident des Handballverbandes Sachsen-Anhalt.

(sid)
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