10.01.13

Wandern

Mit Apostel Paulus durch den türkischen Taurus

Eine Fernwanderroute führt durch das Gebirge mit seinen 4000 Meter hohen Gipfeln - vorbei an romantischen Wasserfällen und antiken Stätten.

Von Jürgen Bungert
Foto: Wikinger Reisen/PR
Wanderer auf dem Paulusweg
Wanderer mit Marschgepäck auf dem Paulusweg

Forellen jagen durch das türkisfarbene Wasser, Schildkröten suchen sich ihren Weg durch den feuchten Schlick am Ufer. Wir sitzen auf einer Felskante und schauen auf das Wasser, das mit gewaltigem Getöse in den kleinen See stürzt. Die Luft ist angenehm kühl.

Der Kursunlu Wasserfall ist der Ausgangspunkt für eine Wanderung durchs Taurus-Gebirge, nur knapp 40 Kilometer von der Touristenhochburg Antalya und der Türkischen Riviera entfernt. Toros Daglan, wie die Türken ihre fast 1700 Kilometer lange Gebirgskette nennen, erstreckt sich entlang der Mittelmeerküste fast bis zum Schwarzen Meer. Mit Bergen bis zu 4000 Meter hoch, deren Gipfel schon im frühen Herbst mit Schnee bedeckt sind.

Wir wollen zur antiken Stadt Perge, deren Stadtmauern aus dem 3. Jahrhundert vor Christus noch gut erhalten sind. Die zweistündige Wanderung wird eine Tour auf historischem Boden. Der Weg durchs Gebirge ist Teil des legendären Paulusweges - ein etwa 500 Kilometer langer markierter Fernwanderweg, der nach dem Apostel Paulus benannt wurde. Er pilgerte hier vor rund 2000 Jahren als Missionar und versuchte, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren.

Wanderführer Olcay Yilmaz begleitet unsere kleine Gruppe. Das blau karierte Hemd trägt er lässig über der braunen Cordhose, die Ärmel hat er aufgekrempelt. Sein Gesicht ist von der Sonne tief gebräunt. Olcay ist 29 Jahre alt. Er stammt aus einem Dorf in Zentralanatolien. "Mein Name bedeutet auf Türkisch Glück", sagt er und lächelt. Olcay hat eine offizielle Lizenz zum Wandern. Er kennt jeden Weg, kann dem Wanderer so manchen Tipp geben, wo er abseits der Touristenpfade eine gemütliche Unterkunft findet. Das Gebirge ist seine zweite Heimat.

Das Gebiet um den Wasserfall mit Gebirgsbächen und Seen diente schon immer den lärm- und hitzegeplagten Einwohnern von Antalya als Naherholungsgebiet. Vor mehr als 20 Jahren wurde es zum Naturschutzgebiet erklärt. Und so ist der Eintritt ins Naturparadies nicht kostenlos. 1,50 Euro muss jeder Besucher zahlen, dann hebt sich die kleine Schranke.

Wir sind gut gewappnet: Festes Schuhwerk, im Rucksack einen Pullover, etwas Obst, ein Stück Fladenbrot und natürlich Wasser. Olcay entdeckt im Gestrüpp einen Ast, bricht ein Stück oben und unten ab und hält im Nu einen Wanderstock in der rechten Hand. "Wenn man abrutscht, kann man sich damit gut abstützen", erklärt er. In der Tat. Der Weg ist schmal, mal klettern wir über einen umgefallenen Baumstamm, balancieren von einem Stein zum anderen durch einen Bach oder - hoppla - rutschen auf dem feuchten Boden ein paar Meter den Hang hinunter. Das mit dem Stock scheint doch eine ganz gute Idee zu sein.

Der Apostel Paulus hat sich wahrscheinlich noch mühsamer durchs Gestrüpp schlagen müssen. Wir finden wenigstens einen Trampelpfad vor, den offensichtlich der ein oder andere Wanderer schon gegangen ist. Sogar eine fachmännisch gezimmerte Brücke führt über den Aksu-Fluss, an dessen Ufer wir entlang in Richtung der gleichnamigen Ortschaft Aksu wandern. Das historische Perge gehört heute zur Gemeinde Aksu, der Name bedeutet so viel wie "weißes Wasser".

Es wird heller. Das dichte Unterholz weicht zurück. Kiefern und Pinien bestimmen das Landschaftsbild. Links ragen schroffe Felswände in den blauen Himmel. Rechts wechseln sich tiefe Schluchten und bewaldete Hügel ab. Dammhirsche, wilde Ziegen und Rehe durchstreifen das Gebirge, sind sogar zur Jagd freigegeben. Aber auch Wölfe, Füchse, Braunbären, Steinmarder, Wildkatzen und Schakale fühlen sich im Taurus heimisch - und die Vogelwelt ist reichlich vertreten. Es gibt Rebhühner, Wachteln, Amseln, Waldschnepfen und Wildenten. Und in den kristallklaren Bergseen tummeln sich Fische aller Art.

Ein Nebelschleier liegt über dem Tal. Hinter der Biegung des Flusses breitet sich das Land aus. Überall stehen Treibhäuser. Dazwischen ein kleines, einfaches Holzgebäude. Hier lebt ein Bauer mit seiner Familie. Vor seinem Haus stehen zwei Hundehütten. Die beiden Tiere zerren an den Ketten, bellen. Der Bauer kommt aus der Tür, grüßt und winkt. Er lebt von dem Ertrag seiner landwirtschaftlichen Produkte: Tomaten, Auberginen, Gurken und Paprika. "Die beste Ware geht ins Ausland", berichtet Olcay. "Die zweitbeste bekommen die hiesigen Hotels, der Rest wird auf den Wochenmärkten verkauft und zum eigenen Verzehr genutzt." Ein karges Leben. Zehn Cent bekommt der Bauer für ein Kilo Paprika. Für die gleiche Menge zahlt die Hausfrau auf ihrem Wochenmarkt in Hamburg drei bis vier Euro.

Die ersten Häuser von Aksu kommen in Sicht. Da sich die Stadt nicht direkt an der Küste befindet, blieb sie in der Vergangenheit vor Überfällen und Plünderungen durch Piraten verschont. Sie ist in der Region der zentrale wirtschaftliche und soziale Mittelpunkt.

Zwei Kilometer vom Zentrum entfernt erreichen wir die gut erhaltenen Ruinen von Perge, eine der 40.000 antiken Siedlungen der Türkei. Jetzt, im Winter, wirft die Sonne schon am späten Nachmittag lange Schatten über die Ruinen dort. Neben Side und Aspendos gehörte Perge zu den wichtigsten Städten des alten Pamphyliens, ein Landstrich an der Südküste Kleinasiens. Während der Feldzüge von Alexander dem Großen wurde Perge erstmals in der Geschichtsschreibung erwähnt.

Damals unterwarfen sich die Gemeindeväter freiwillig dem Makedonen-König. Eine kluge Entscheidung. Denn so blieben ihnen Belagerung und Zerstörung erspart.

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