14.12.12

Käfer-Plage

Mallorquiner sorgen sich um ihre Palmen

95 Prozent der Kanarischen Dattelpalmen auf Mallorca sind vom Palmrüssler befallen. Die Hauptstadt Palma wurde nach den Bäumen benannt.

Von Brigitte Kramer
Foto: dpa
Käferplage bedroht Mallorcas Palmen
Diese Palme auf der Baleareninsel Mallorca wurde Opfer des Roten Palmrüsslers (lat. Rhynchophorus ferrugineus)

Palma de Mallorca. Seit sechs Jahren haben die Mallorquiner einen gemeinsamen Feind: Er ist etwa drei Zentimeter groß, heißt Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) und richtet an den Palmen auf der spanischen Ferieninsel große Schäden an. Besonders die Kanarischen Dattelpalmen (Phoenix canariensis) sind befallen. Nach Schätzungen des Umweltamtes der Balearen sind auf der Insel durch den Käfer rund 95 Prozent dieser beliebten Zierbäume mit den langen und schlanken Stämmen krank.

Diese Palmen wachsen in vielen Patios und auf Plazas, stehen in langen Reihen an Palmas Strandpromenade oder schmücken den Boulevard vor der Alten Fischhandelsbörse, wo im Advent Lichterketten die Nacht erhellen. Die Araber hatten die ersten Exemplare der Dattelpalme vor mehr als 1000 Jahren auf die Insel gebracht. Für sie waren die Bäume ein Zeichen von Wohlstand und Gastfreundschaft. Noch heute sind die eleganten Gewächse der ganze Stolz der Insulaner und das Sinnbild der Ferieninsel.

Im Jahr 2006 wurde der Schädling, der eigentlich in Asien beheimatet ist, in kranken Palmen aus Marokko nach Spanien eingeschleppt. Mittlerweile sind auf Mallorca alle Palmenarten betroffen, außer der einheimischen, niedrig wachsenden Zwergpalme (Chamaerops humilis). Jedes Jahr kommen rund 300 neue Fälle dazu. Der Stadtrat von Palma ist sich uneins darüber, wie die Wahrzeichen und Namensgeber der Stadt am besten zu schützen sind.

Viele Mittel wurden schon erprobt: chemische Insektizide, biologische Lösungen und mikroskopisch kleine Parasiten, die Käfer und Eier von innen fressen. Doch meistens blieb als letzte Maßnahme nur noch das Fällen. Mehr als 1 000 Palmen mussten auf der Insel bereits weichen.

Die Opposition im Rathaus von Palma de Mallorca bezeichnete diese radikale Art der Bekämpfung jüngst als ein "Umweltverbrechen". Der Verantwortliche der Stadtregierung konterte, eine Sanierung kranker Bäume habe diese bislang nicht vor einem Neubefall geschützt. Zudem ersetze die Stadt die gefällten Palmen durch Bäume und Sträucher wie Tamarisken, um das Stadtbild zu verschönern.

Nicht einmal das Verbrennen eines gefällten Exemplars stellt sicher, dass die Parasiten dabei sterben: Der Palmrüssler kann fliegen und ist generell sehr resistent. Er gräbt in die Stämme lange Gänge zur Eiablage. Die geschlüpften Larven fressen dort dann weiter und höhlen so den Stamm von innen aus. Schließlich fallen einzelne Wedel aus oder werden braun: Erst dann wird der Befall sichtbar.

Während die Stadträte in Palma sich weiter über die beste Art der Bekämpfung streiten, vermelden die Mittelmeermetropolen Valencia und Barcelona neue Plagen: Dort attackiert seit einiger Zeit der schwarze Agavenrüssler (Scyphophorus acupunctatus) Pflanzen wie Agaven oder Kakteen. Der Käfer geht dabei ähnlich vor wie der Palmrüssler, sein roter Vetter. Er stammt aus Mittelamerika und war in Europa bislang vor allem wegen seiner Larven bekannt: Diese werden zum Würzen des mexikanischen Mezcal-Schnapses verwandt.

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