30.11.12

Reise-Tipp

Noch ein Grund mehr, nach Wismar zu fahren

Das neue Museum PhanTechnikum zieht Besucher in die Hansestadt. Die Backsteinperle ist auch Drehort für die gleichnamige "SOKO"-Fernsehserie.

Von Ekkehart Eichler
Foto: pa/ZB/dpa-ZB
Der Alte Hafen von Wismar: Vor dem alten Zollhaus liegen Traditionssegler. Nur wenige Schritte weiter beginnt die Altstadt, die auf der Welterbeliste der Unesco steht
Der Alte Hafen von Wismar: Vor dem alten Zollhaus liegen Traditionssegler. Nur wenige Schritte weiter beginnt die Altstadt, die auf der Welterbeliste der Unesco steht

"Durch dieses Tor kam das Grauen in die Stadt." Ein Satz wie ein Hammerschlag, der Astrid Peschke sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit sichert. Einen Moment noch lässt die eloquente Stadtführerin ihr Grüppchen zappeln, dann sprudelt sie los. Und erzählt die gruselige Geschichte vom dämonischen Grafen Orlok. Einem Vampir aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und blankes Entsetzen über ihre Heimatstadt Wisborg bringt.

An Bord der "Empusa" nämlich transportiert Orlok mit "gottverfluchter Erde" gefüllte Särge. Nach und nach stirbt die Besatzung an einer mysteriösen Krankheit. Die letzten Matrosen öffnen daraufhin einen Sarg, aus dem eine Horde Ratten entweicht. Als der Segler schließlich in Wisborg einläuft, ist nur noch Orlok am Leben. Einen Sarg unterm Arm und die Ratten im Schlepptau, wandelt der Graf durch die nächtliche Stadt. Und bringt ihr eine tödliche Krankheit: die Pest.

1921 gedreht, ging diese Adaption von Bram Stokers "Dracula" in die Filmgeschichte ein. Mit "Nosferatu - eine Sinfonie des Grauens" schuf Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau einen Horror-Klassiker, der seinerzeit manchen Zuschauer so verstörte, dass er Max Schreck in der Hauptrolle des Blutsaugers mit den spitzen Zähnen und den langen Klauen für einen echten Vampir hielt. Ein Meilenstein der Kinokunst jedenfalls, dessen visuelle Gestaltung das Grusel-Genre fortan nachhaltig prägen sollte. Zur Kulisse für das fiktive Wisborg wählte Murnau die altehrwürdige Hansestadt Wismar.

Und auch noch heute lässt sich gut nachvollziehen, was den Filmemacher hier so faszinierte. Zum Beispiel das umwerfende Panorama vom Hafen mit gleich drei roten Hünen, wie die gigantischen Backsteinkirchen der Hansezeit ehrfurchtsvoll genannt werden: linkerhand die wie eine mächtige Glucke über den Dächern brütende Nikolaikirche. In der Mitte der markante Signalmast von St. Marien. Und rechts davon das gotische Gebirge der Georgenkirche, in das die Dresdner Frauenkirche glatt zweieinhalbmal hineinpassen würde.

Gleich hinter dem Hafen, in dem manch Fischer und sine Fru Räucherfisch verkaufen, wie er frischer nicht sein kann, breitet sich Wismars Weltkulturerbe-Altstadt aus. Ein 76 Hektar großes Flächendenkmal mit 1500 Häusern, von denen 400 nochmals Einzelschutz genießen. Auf der Grube, einem kleinen Kanal, schipperten die Kaufleute des Mittelalters ihre Waren in die Lagerhäuser und Speicher der nördlichen Altstadt. Und auf der Schweinsbrücke ließen sie buchstäblich die Sau raus - denn über diese trieben sie ihr Borstenvieh, woran vier wirklich entzückende Bronze-Säue erinnern.

Auf Nosferatus Spuren landen wir schließlich im romantischen Hof der Heiligen-Geist-Kirche, wo sich als Drehort plötzlich alte Filmkunst und modernes Fernsehen begegnen. Oder anders gesagt, wo Vampir auf Polizei trifft. Denn der Eingang zum Hof ist Serienzuschauern bestens bekannt - als Entree zur Wache der Sonderkommission Wismar. Seit 2004 und inzwischen in zehnter Staffel lösen die Ermittler der "SOKO Wismar" jede Woche einen frischen Fall von Mord und Totschlag, der den Krimifans Gänsehaut verschafft und der Stadt Tourismuswerbung pur. Da verwundert es kaum, dass sich die wöchentliche SOKO-Führung mittlerweile zum populärsten Stadtrundgang gemausert hat.

Und so springt Astrid Peschke jetzt auch ganz mühelos von den Untaten des Untoten zu den Toten und Tatorten der Serie und erfreut ihre Begleiter mit allerlei Anekdoten und Episoden aus der SOKO-Historie: Wo fanden die spektakulärsten Verfolgungsjagden statt? Wo wurde der Brautschleier zur Mordwaffe? Wo die Wahrsagerin umgebracht? Wo die Wasserleiche gefunden? Wo die Oma mit Pralinen vergiftet? Wo der Tresor ausgeraubt? Wo die Toilette in die Luft gesprengt?

Sie erklärt, welche Gebäude oder Läden fürs Fernsehen "umfunktioniert" wurden. Sie zeigt, wo die Hauptdarsteller während der Dreharbeiten wohnen. Und sie trägt stolz die originale Uniform-Jacke der Schauspielerin Li Hagman, die in "SOKO Wismar" die finnische Austauschpolizistin Leena Virtanen spielt - ein Geschenk der Filmcrew an die Stadtführerinnen.

"Selbstverständlich hat es auch einen Film zu Nosferatu gegeben", erklärt Frau Peschke, "ausgestrahlt als Folge 16 in Staffel fünf am 4. Februar 2009." Dann spult sie wie aus der Pistole geschossen den roten Faden der rätselhaften Handlung ab, bei der handgeschriebene Briefe von Murnau und ein Nosferatu-Bilderzyklus eine Rolle spielen. Ob letztlich aber wirklich ein Vampir den Mord begangen hat, lässt sie vielsagend lächelnd offen.

Nervenkitzel ganz anderer Art verspricht seit 1. Dezember das funkelnagelneue PhanTechnikum. Ein Erlebniszentrum zur Technikgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, das Fantasie und Bildung, interaktive Erlebniswelt und Laboratorium unter einem Dach vereint. In den vier thematischen Bereichen Feuer, Wasser, Luft und Erde können Technikfans Antworten auf Fragen finden wie: Hat Feuer einen Schatten? Kann man Erde schmelzen? Wer kann über Wasser gehen? Oder wie sieht die Welt aus dem Innern einer Seifenblase aus? Schon der Anfang ist spektakulär: Ein Tunnel aus lodernden Flammen verschafft Zugang zum Feuer-Reich - wer dort reinwill, muss erst hier durch. Und während man überall sonst nach Herzenslust Dinge befummeln und ausprobieren kann, "müssen wir hier leider Grenzen ziehen", erklärt Andrej Quade, "schließlich soll sich bei uns keiner die Finger verbrennen".

Dafür können Gäste aber auf Teufel komm raus schweißen. Etwa an einem Gerät, das zur Lehrlingsausbildung eingesetzt wird - ganz stilecht mit Gasflasche, Schweißbrenner und allem Pipapo, wie der Wissenschaftler erklärt. "Zum Zweiten haben wir hier aber auch einen komplett virtuellen Schweißtrainer, mit dem wir sogar Wettbewerbe durchführen können - der macht richtig Spaß." Auch ohne Hitze und Funkenflug - Wismars neue Attraktion scheint eine ziemlich heiße Kiste zu sein.

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