Kleine Fluchten: "Schloss Calberwisch" bei Osterburg

Ein prächtiges Juwel in der Altmark

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Das von Martin Gropius entworfene Schloss ist nicht nur für Architekturinteressierte reizvoll.

"Mitten im Park, dessen Rasen und Blumenbeete von den Riesenkronen alter Eichen beschattet werden, erhebt sich ein prächtiges Schlösschen - ein Herrenhaus, ganz modern, aber guten, alten Mustern nachgebildet." So beschrieb im Jahre 1882 ein gewisser Ludolf Parisius in "Bilder der Altmark" Schloss Calberwisch. Dies hatten wenige Jahre zuvor, 1875, Bernhard von Jagow, Rittmeister des Potsdamer Gardedukorps, und seine Gemahlin, Gräfin von Pourtalès, errichten lassen. Der Architekt war kein Geringerer als der Berliner Professor Martin Gropius.

Das prächtige Schlösschen, ein Ziegelbau im Stil der Neorenaissance, zwischen Hamburg und Berlin bei Osterburg in der sächsisch-anhaltinischen Altmark, hat eine wechselvolle Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es Flüchtlingen als Domizil, war später Kindertagesstätte und beherbergte einen "Konsum" sowie einen Jugendclub. Erst 1995 wurde das Rittergut liebevoll renoviert und in ein einaldendes Hotel und Schlossrestaurant umgewandelt - genauer: in ein Hochzeitsschloss, das für Brautpaare auch eine entsprechende Suite bietet. Den feierlichen Rahmen für das Hochzeitszeremoniell schafft das Standesamt im eigens stilvoll errichteten Trauzimmer oder auch nach Gutsherrenart im Jagdzimmer, inmitten der historischen Gehörnsammiung. Auch im Schlosspark und auf der Roseninsel sind Trauungen möglich.

Den Treppenaufgang zu den Zimmern zieren Gemälde Altmärker Künstler in wechselnden Ausstellungen. Neben der Hochzeitssuite laden vier Doppelzimmer und zwei Ferienwohnungen zum Bleiben ein. Wer sich nach Calberwisch zurückzieht, sehnt sich nach Ruhe und der vielfach unberührten Natur der Altmark, auch Wiege Preußens genannt. Sie bietet nicht nur auf zahlreichen Rad- und Wanderwegen, sondern auch auf Touren hoch zu Ross neben unberührter Natur viel Sehenswertes – zum Beispiel mehr als 200 romanische Feldsteinkirchen.

Das Hotel organisiert auch Oldtimer-, Kutsch- und Kremserfahrten. Darüber hinaus warten ein einladendes Reitwegenetz, Gastboxen sowie eine Reitanlage im Schlosspark auf Reiter. Auf dem zwölf Hektar großen Anwesen werden Schafe, Ziegen und Rotwild gezüchtet. Das Wild wandert zusammen mit Rind und Schweinen vom nur zwölf Kilometer entfernten Biobauernhof des Schlossbesitzers in die Restaurantküche. Neben den Nutztieren erfreuen Pferde, Ziegen, Kaninchen sowie allerlei Federvieh tierliebende Große und Kleine. Der eigene Garten versorgt die Küche mit Kräutern und Gemüse. Im Restaurant mit Terrasse und angrenzendem Biergarten serviert Küchenchefin Karin Näpfli gern auch Altmärker Gerichte, etwa Hochzeitssuppe, Fisch und Wildspezialitäten – je nach Saison. Alle Gerichte werden vorwiegend mit Erzeugnissen aus ökologischer Landwirtschaft zubereitet. Ein besonderes Juwel hält Schlossherr Michael Dihlmann im Keller versteckt: Die ehemalige Schlossküche mit Ziegeldeckengewölbe wurde zum Weinkeller, wo der Gastgeber gute Nahe-Tropfen aus ökologischem Anbau anbietet.