Die Japaner verlieren das Interesse an dem bayerischen Märchenschlosses Neuschwanstein - zumindest besuchen es nicht mehr so viele wie in den Vorjahren.

"Die Klientel verändert sich gerade. Durch die Wirtschaftskrise scheinen die Gäste aus Fernost nicht mehr so reiselustig zu sein. Dafür kommen jetzt die Italiener in Scharen", sagte Schlossverwalter Rudolf Reiser. Die Anziehungskraft des von König Ludwig II. erbauten Schlosses in Hohenschwangau im Ostallgäu sei aber ungebrochen. "Im August kommen die meisten Gäste. Auch in diesem Jahr waren es an Spitzentagen wieder über 8000 Besucher."

Rund 1,3 Millionen Gäste wollen jedes Jahr Schloss Neuschwanstein sehen. Mehr als 70 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland, sagte Reiser. Im Ferienmonat August gebe es kaum noch ein Durchkommen am Fuße des Märchenschlosses. Überfüllte Parkplätze und lange Schlangen vor den Kassen prägen in diesen Tagen das Bild von Hohenschwangau. "Besucher müssen zurzeit mit vier Stunden Wartezeit rechnen." Viele ärgern sich darüber, andere wiederum nutzten die Zeit, um die Gegend zu erkunden. "Die Italiener nehmen es gelassen. Sie wissen, was sie hier erwartet. Am Strand von Rimini müssen sie in der Hochsaison auch lange nach einem freien Platz suchen."

In der Urlaubszeit finden täglich etwa 130 Führungen statt, in den Stoßzeiten mit bis zu 75 Personen. "Unsere Schlossführer haben zehn bis zwölf Gruppen pro Tag. Um die Masse zu bewältigen, müssen wir an manchen Tagen bis abends um halb acht Führungen anbieten", sagte Reiser. Er ist froh, wenn es im Schloss wieder etwas ruhiger wird. Nach Ferienende ist damit allerdings noch nicht zu rechnen. "Die Oktoberfestzeit in München gehört auch mit zu unseren besten Zeiten. Viele Touristen verbinden das traditionelle Fest mit einem Ausflug zum Schloss."