Wie Männer zum Putzteufel werden

Andre, Christian, Thomas und Volkmar kippen den hausgemachten Likör herunter und haben ab jetzt einfach keine Nachnamen mehr. Und auch Elisabeth Frohne sagt: "Ich bin Lieschen." Die wichtigste Zugangsbedingung zum Ferienhof "Frohne" wäre damit abgehakt. Denn um ein bodenständiges "Du" kommt auf diesem Bauernhof im niedersächsischen Merzen, knapp dreißig Kilometer nördlich von Osnabrück, einfach niemand herum.

Ausgerüstet mit Eimern und Staubwedeln stehen die vier in Lieschens Küche, um dort gleich die Fenster zu putzen. Sie werden saugen, den Backofen von eingebrannten Essensresten befreien und sich dann zum Kloschrubben in den ersten Stock begeben. Und anschließend wird jeder Einzelne von ihnen, vor dem Bauch eine blaue Schürze, Lieschen dafür 36 Euro zahlen: Ganz einfach, weil er den Urinstein aus Lieschens Toilettenknie entfernen durfte. Lieschen Frohne, die gelernte Hauswirtschafterin und Betreiberin eines Ferienbauernhofes, kassiert schon seit einiger Zeit Geld dafür, dass Gäste bei ihr putzen dürfen. Männliche Gäste, um genau zu sein.

Heute sind das also Volkmar, Ende dreißig und aus Herne, der schon seit Jahren mit Frau und Kind Stammgast des Ferienhofes ist. Und Andre, Christian und Thomas, Anfang dreißig und aus den Nachbardörfern, die von ihren Frauen zu mehr Mithilfe im Haushalt verdonnert wurden. "Ich sag es mal so", sagt Andre, "ich möchte mich da gar nicht einmischen und meine Freundin in Ruhe machen lassen - die macht das eigentlich ganz gut." Auch Thomas wiegelte schon ab, noch bevor er überhaupt einen Lappen in die Hand genommen hatte: "Ich mach das Späßchen jetzt einfach mal mit."

Von Jung bis Alt, vom Handwerker über den Banker bis zum Arzt, vom Single bis zum Familienvater ist schon alles bei den Putzkursen dabei gewesen. Einige nehmen die Sache sehr ernst. Andere, die meisten eigentlich, sehen die Putzkurse als Spaß - die sind dann oft von ihren Frauen angemeldet worden.

Der Putzkurs auf dem Ferienhof der Frohnes hatte ursprünglich einen ganz und gar ernsten Hintergrund: Vor einigen Jahren war die Frau eines Freundes völlig unerwartet verstorben. "Allein kann ich doch nicht einmal Kaffee kochen", hatte der plötzlich zum Witwer Gewordene da gesagt und gefragt, ob Lieschen Frohne ihm nicht irgendwie helfen könne, sein künftiges Leben in den Griff zu bekommen. In einem "Putzkurs" wurde er daraufhin einfach in den Alltag des Bauernhofs integriert - was so kurios war, dass das Angebot bald auch auf Interesse bei anderen Feriengästen stieß. Und da Lieschen Frohne mit diesem Arrangement in Deutschland noch immer ziemlich allein dasteht, läuft das Geschäft inzwischen ganz gut.

Mit einem Putzdiplom in der Hand gehen die Männer schließlich nach Hause. Aber wird dort demnächst auch mitgeputzt? "Och, ich möchte meiner Frau da den Spaß nicht nehmen", meint Christian nur noch einmal - und macht die Veranstaltung damit irgendwie rund.

Informationen: Ferienhof "Frohne", Osterodener Weg 41, 49586 Merzen, Tel. 05466/922 90, Internet: www.ferienhof-frohne.de