Stormarn
MusicStorm – Das Coaching

Furioses Finale in Ahrensburg: Nachwuchsmusiker begeistern

350 Besucher in Ahrensburg beim Abschlusskonzert von "MusicStorm – Das Coaching". Rapper Empathy gewinnt den Publikumspreis.

Ahrensburg.  Es ist die Ruhe vor dem großen Sturm: Der letzte Soundcheck ist durch, die Banner der Bands und Sponsoren an der Bühne angebracht, die Kühlschränke mit Getränken befüllt. In nur einer Stunde geht es los, das große Finale des Musikwettbewerbs MusicStorm , der vor sieben Jahren vom Kreisjugendring (KJR) Stormarn, der Sparkasse Holstein, der Sparkassen-Stiftung und der Regionalausgabe Stormarn des Hamburger Abendblattes ins Leben gerufen wurde. Zwei Bands und zwei Solokünstler, die es in das Finale geschafft haben, kämpfen gleich um den begehrten Publikumspreis. Die Großhansdorfer Band Lärmbelästigung hatte erst am Morgen verletzungsbedingt absagen müssen.

Den Anfang macht die Reinbeker Band Mentally Sane . Für ihren großen Auftritt haben sie sich ihre erst vor kurzem neu bedruckten Band-T-Shirts angezogen. Bevor es auf die Bühne geht, reibt sich Sängerin Mila Schmidt ihre Hände. Die 23-Jährige sagt: "Nun bin ich doch ein bisschen aufgeregt." Und sie ist ein wenig irritiert, dass sich einige Gäste einen Stuhl geschnappt haben. "Dabei haben wir uns extra eine Bühnenperformance ausgedacht, bei der wir die Leute zum Tanzen animieren wollen", sagt Schlagzeuger Christian Grimm. Moderator Jan Hansen vom Kreisjugendring ruft die fünf Musiker auf die Bühne. Und schon nach dem ersten Song sind Milas Sorgen umsonst, denn nun wird vor der Bühne getanzt.

Moritz Ley aus Ahrensburg singt eher ruhige Lieder

Vorne mit dabei ist auch Coach und MusicStorm-Gewinner von 2014, Andre Weiskeller. Er ist einer der Jurymitglieder, die in diesem Jahr einen Tag lang die fünf Finalisten gecoacht haben. Weiskeller hatte sich Bühnenperformance als Unterrichtseinheit ausgesucht und ist mit dem Auftritt von Mentally Sane zufrieden. Der 30-Jährige sagt: "Seit dem großen

Anfang Februar haben sie sich echt gut weiterentwickelt, alle sind viel präsenter." Das sieht auch das Publikum so.

Weil Sänger Moritz Ley aus Ahrensburg vor seinem großen Auftritt ziemlich nervös ist, hat der 17-Jährige heute auf das Abendbrot verzichtet. "Ich kann dann meistens nichts essen", verrät er und schnallt sich seine Gitarre um. Dann geht er auf die Bühne, die in grünes Licht getaucht ist. "Schön, dass ihr alle da seid", begrüßt er die Besucher. Mittlerweile sind rund 350 Fans im Marstall versammelt. In den nächsten 30 Minuten folgen eher ruhige Töne, dafür aber einfühlsame und tiefgründige Texte. Coach Hauke Wendt, Leiter der Musicalschule in Ahrensburg ist sichtlich begeistert: "Moritz ist einfach ein super Gitarrist. Aus dem Coaching hat er auf jeden Fall mitgenommen, mehr aus sich herauszukommen, Blickkontakt mit dem Publikum zu suchen."

Zum ersten Mal am Abend wird eine Zugabe eingefordert

Gegen 21.30 Uhr heißt es dann Bühne frei für den jüngsten Teilnehmer: Niklas Reinert aus Reinfeld, der als Rapper Empathy unterwegs ist. Die Melodie des ersten Tracks erklingt, selbstsicher animiert er das Publikum mitzusingen, springt von links nach rechts auf der Bühne, tanzt. Schnell wird klar: Solch eine Bühnenperformance haben nicht viele erwartet. Nach und nach trauen sich immer mehr Gäste in die ersten Reihen. Zu den Liedern "Am Leben" und "Screenshot" grölt die Menge sogar den Chorus mit. Einer sagt zu seinem Stehnachbarn: "Eigentlich ist das nicht meine Musik, aber der Junge liefert echt ab." So ist es nicht verwunderlich, dass zum ersten Mal am Abend von den Zuhörern eine Zugabe eingefordert wird. Empathy scheint von all dem Applaus überrascht, lacht verlegen und stimmt dann noch einmal das Eingangslied an.

Während der Zugabe machen sich Hanna Dreu (18), Pianist Tristan Riedinger (18), Gitarrist Hauke Möller (18) und Schlagzeuger Max Wiechmann (18) hinter der Kulisse fertig. Schnell trinkt die Sängerin von Days of Northern Lights noch einen Schluck von ihrem "Wundertee". Dreu: "Ich bin heute morgen mit Halsschmerzen aufgewacht, gebe gleich aber trotzdem Vollgas."

Applausomat Lina misst die Lautstärke

Die ersten Lieder liefert die Band sicher ab, das Publikum tanzt, singt mit und klatscht fleißig. Dann eine kleine Überraschung: Rollentausch ist angesagt. Pianist Tristan greift zum Mikrofon, Sängerin Hanna zur Gitarre. Die Oldesloerin sagt: "Ich spiele heute zum ersten Mal Gitarre auf der Bühne." Dann wird ein Lied von Ed Sheeran angestimmt. Die Reaktion folgt prompt: lauter Jubel. Schließlich gibt auch Days of Northern Lights eine Zugabe.

Dann wird es spannend. Alle Künstler gehen auf die Bühne, das Publikum entscheidet über den diesjährigen MusicStorm-Gewinner. 20 Sekunden lang heißt es: So laut sein wie möglich, denn das Applausometer namens Lina misst die Lautstärke. Schließlich sagt die Computerstimme für Mentally Sane 96 Dezibel an. Mehr Krach gibt es bei Moritz Ley. Dann läuft die Zeit für Empathy und die Gäste geben so richtig Gas. Linas Urteil: 110 Dezibel. Der junge Rapper ist zufrieden, bedankt sich artig bei seinen Fans. Die Stunde der Wahrheit, die 20 Sekunden für Days of Northern Lights laufen. Die Entscheidung: Es reicht nicht zum Sieg. Niklas Reinert springt in die Luft, lässt sich von seinen Konkurrenten umarmen, nimmt Glückwünsche entgegen.

Als Gewinner können sich alle Finalisten fühlen

Dann verkündet der Reinfelder für welchen Preis er sich entschieden hat. Im Vorfeld hatte sich jedes Jurymitglied einen individuellen Preis überlegt. Reinert: "Ich habe mich für den Singer und Songwriter Leroy Jönsson entschieden. Er wird mich einen Tag lang begleiten und mich unterstützen, wenn ich im Tonstudio bin."

Als Gewinner können sich jedoch alle Finalisten fühlen. Denn der eigentliche Hauptpreis war das große Coaching , bei dem die Nachwuchsmusiker viel von ihren Mentoren mitgenommen haben. Die Förderung der jungen Musikszene ist es, was MusicStorm bieten soll. Und das neue Konzept ist bei den Teilnehmern und auch bei den Coaches hervorragend angekommen.

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