Stormarn
Hahnheideschule

Bildungsministerin Waltraud Wende besucht Trittau

Foto: Antonia Thiele

An der Hahnheideschule hat Waltraud Wende während ihrer Sommertour mit den Lehrern der neuen Oberstufe gesprochen. Die Tour wegen der an ihr geübten Kritik abzusagen, sei nicht in Frage gekommen.

Trittau. Auf die vielen Sonnentage im Berufsleben, die Waltraud "Wara" Wende den neuen Lehrern der Trittauer Hahnheideschule wünschte, hat Schleswig-Holsteins Bildungsministerin selbst in jüngster Zeit vergeblich gewartet. Wende (parteilos)ist im Visier der Staatsanwaltschaft, weil sie sich vor ihrem Antritt als Ministerin ein Rückkehrrecht an die Uni Flensburg gesichert und dafür eine zweite Amtszeit des Hochschulkanzlers gefördert haben soll. Auf Sommertour durch Schleswig-Holstein ist sie derzeit trotzdem unterwegs: Am Dienstag hat die Ministerin Stormarn besucht.

An der Hahnheideschule begrüßte die Bildungsministerin zehn Lehrer, die in diesem Schuljahr an der neu gegründeten Oberstufe anfangen. "Sie haben einen der anstrengendsten, aber auch einen der befriedigendsten Berufe gewählt", sagte Wende und überreichte zwei Kartons Sonnenblumen – verbunden mit dem Wunsch nach viel Sonne.

Zurzeit eine Ausnahme für die Ministerin: In Trittau musste sie sich kaum kritischen Fragen stellen. Lehrer und Schulleitung äußerten vor allem ihre Zufriedenheit. In einer Vorstellungsrunde erklärten mehrere Lehrer, dass Konzept der Hahnheideschule habe sie überzeugt, während Rektor Hartmut Hentschel sagte, dass sich der Beginn des neuen Schuljahres deutlich weniger stressig gestaltet habe als in den Vorjahren. "Wir konnten alle freien Stellen noch vor den Ferien besetzen."

Die Oberstufe in der Hahnheideschule ist in diesem Jahr mit 55 Schülern gestartet. Zu der Schülerzahl äußerte sich Wende mit einem Wort: "Chapeau." Sie habe gedacht, dass das Projekt langsamer anlaufen werde. Auch den allgemeinen Schülerrückgang in Schleswig-Holstein (6000 weniger als im Vorjahr), den Wende als "traurige Botschaft" beklagte, konnte Hentschel für seine Schule nicht bestätigen. "Wir haben 2014 fast 100 Schüler mehr als im Vorjahr. Wir sind wer", erklärte der Schulleiter erfreut.

Wara Wende erläuterte, dass das Land 728 neue Lehrerstellen schaffen will. Möglich werde das, weil der Bund die BAföG-Zahlungen übernehme und das eingesparte Geld für die Bildung eingesetzt werden solle. Nach ihren und des Rektors Ausführungen äußerte sie noch einen Wunsch: "Ich finde es schön, wenn wir nicht nur Monologe halten." Sie rief die Lehrer dazu auf, Fragen zu stellen und Kritik zu äußern.

Wende übte Kritik an ihren Vorgängern

Im folgenden Gespräch verwies Wende mehrfach darauf, dass sie eigentlich nur ausbügele, was ihre Vorgänger als Bildungsminister falsch gemacht hätten. So etwa die Tatsache, dass bislang Schulbegleiter, die Kinder mit Inklusionsbedarf in den Unterricht begleiten, durch nichts qualifiziert sein müssten. "Praktisch kann das jeder machen." An der Unterstützung der Lehrer durch sogenannte Assistenzkräfte und an deren Fortbildung sollte jetzt gearbeitet werden.

Weiter beklagte einer der Anwesenden, dass die Lehrer "nicht wirklich für die Arbeit an der Gesamtschule ausgebildet" würden. "Es gibt viele Unterschiede. Man hört zum Beispiel von Kollegen oft Sätze wie 'Ich bin nur Hauptschullehrer'." Auch hierzu erklärte Wende, dass das Fortbildungsangebot erweitert würde. "Damit stehen wir aber auch vor einer großen Herausforderung", sagte die Ministerin. "Wenn wir die Ausbildung auf Sekundarlehrer umstellen, hat das auch Auswirkungen auf die Besoldung der Lehrer."

Daraus entwickelte sich eine Diskussion zwischen der Ministerin und den Lehrern der Hahnheideschule darüber, an welcher Schulform die Arbeit am anspruchsvollsten sei – und somit am meisten vergütet werden sollte. "Unsere Arbeit besteht nicht nur aus Vor- und Nachbereitung und ein bisschen korrigieren", sagte eine junge Lehrerin. "Ich habe das Gefühl, dass hohe Erwartungen an die Lehrer gestellt werden, was die Unterstützung von Kindern betrifft, die aus schwierigen Familienverhältnissen kommen."

Die Bildungsministerin verwies als Antwort darauf, dass Schleswig-Holstein ein "hochverschuldetes Land" und vieles deshalb nicht finanzierbar sei, aber auch auf den Hintergrund ihrer Sommertour: "Mein Motiv liegt darin, dass ich Ihnen zeigen möchte, dass ich Ihre Arbeit wertschätze." Diese Tour wegen der derzeit an ihrer Person geübten Kritik abzusagen, sei nicht in Frage gekommen, sagte Wende. "Ich glaube nicht, dass die Tour davon beeinflusst wird. Sie war schon vorher geplant und macht mir Spaß", sagte Wende und machte im Anschluss ihren Wunsch danach deutlich, weiterhin im Amt als Bildungsministerin zu bleiben: "Die Tour gehört zu meiner Aufgabe, und ich werde diese Aufgabe weiter erledigen."

Ob der Bildungsministerin künftig wieder mehr Sonnentage in ihrem Berufsleben beschert sein werden, wird sich voraussichtlich am Donnerstag, bei einer Sondersitzung des Landtages, entscheiden. Die Fraktionen von CDU und FDP beantragen, dass Wende aus dem Amt entlassen werden soll.

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