Stormarn
27.03.13

Delingsdorf

Keks-Streit: Machtwort des Bürgermeisters

Kita warf Vierjährigen raus. Randolf Knudsen kritisiert Eltern. Gemeinde habe schon seit rund zwei Jahren Gespräche mit Familie geführt.

Von Antonia Thiele
Foto: Antonia Thiele
Delingsdorf
Randolf Knudsen am Dienstag bei der Pressekonferenz im Bürgerhaus. Er machte deutlich, weiter hinter der Entscheidung zu stehen, den Vertrag gekündigt zu haben

Delingsdorf. Er hat knapp 30 Kalorien, besteht zu etwa einem Viertel aus Zucker und gehört mit Sicherheit nicht zu den gesündesten Lebensmitteln. Für den Kita-Rauswurf des vier Jahre alten Thore aus Delingsdorf soll der Butterkeks aber nicht verantwortlich sein, sagt Bürgermeister Randolf Knudsen (Wählergemeinschaft Delingsdorf). Vielmehr, meint Knudsen, sei es so, dass es zwischen der Gemeinde, die Träger des Kindergartens Lütten Hus ist, und Thores Eltern, Karola und Christian Pries, keine Vertrauensbasis mehr gebe. "Daher haben wir nach bestem Gewissen die schwierige Entscheidung getroffen, die Kündigung auszusprechen", sagte Knudsen am Dienstag bei einer Pressekonferenz, die er nach der Berichterstattung im Hamburger Abendblatt einberufen hatte.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde der Familie Pries vor rund zwei Wochen den Kindergartenplatz zum vergangenen Montag gekündigt. Dem vorausgegangen war eine lange Auseinandersetzung zwischen Karola und Christian Pries auf der einen, der Gemeinde Delingsdorf, dem Amt Bargteheide-Land und dem Kreis Stormarn auf der anderen Seite. Der Auslöser für den Streit: Ein Butterkeks - gefunden in der Brotdose des vierjährigen Thore. Für die Leitung der Kita, die sich als "zuckerarm" bezeichnet, ein Grund, die Familie zur Rede zu stellen.

Sehr wohl gebe es in der Kita den Schwerpunkt "Ernährung und Bewegung", bestätigt Bürgermeister Knudsen. Immer wieder thematisierten Eltern, Erzieher und auch die Kinder den Inhalt von Brotdosen. "Natürlich passiert es auch hin und wieder, dass Eltern Essen mitgeben, das vielleicht nicht in unser Ernährungskonzept passt. Aber Auseinandersetzungen gibt es deswegen normalerweise nicht. Niemand wird bei uns wegen des Besitzes von Butterkeksen aus der Kita geworfen."

Vielmehr habe die Gemeinde schon seit rund zwei Jahren Gespräche mit der Familie geführt. "Die Eltern von Thore haben immer wieder angebliche Mängel in der Kita kritisiert", sagt der Bürgermeister. Der Gemeinde sei es jedoch nie gelungen, Veränderungen so herbeizuführen, dass die Familie zufrieden gewesen sei.

Mit dem Keks hat der Disput nun seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Christian und Karola Pries werfen dem Bürgermeister vor, nicht kritikfähig zu sein und in Gesprächen laut geworden zu sein. Knudsen dagegen sagt, Familie Pries sei gar nicht zum Diskurs bereit gewesen. "Thores Eltern haben es abgelehnt, mit der Kita-Leitung zu sprechen", sagt Knudsen. Zudem hätten sie ein weiteres Gespräch mit ihm abgebrochen. An das Treffen haben beide Parteien offenbar unterschiedliche Erinnerungen. "Herr Knudsen hat mich angeschrien", sagt Christian Pries. "Das ist Herrn Pries' persönliche Wahrnehmung", entgegnet der Bürgermeister. Knudsens Meinung nach liegt das Problem vielmehr darin, dass er Christian Pries gesagt habe, dieser sage "die Unwahrheit" in Bezug auf eine Sitzung, von der Knudsen die Familie ausgeschlossen haben soll. Weil dazu nach der Gemeindeordnung nur der Ausschussvorsitzende das Recht hat, hat sich Christian Pries bei der Kommunalaufsicht über den Bürgermeister beschwert. Knudsen: "Dazu sage ich nichts." Eine Stellungnahme würden die Gemeindevertreter bei ihrer nächsten Sitzung am April abgeben.

Kommunikation sei die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sagt Knudsen. "Weil diese nicht mehr funktionierte, haben wir uns nach ausführlicher Beratung entschieden, dem Ratschlag der Kreisverwaltung zu folgen und den Vertrag mit der Familie zu kündigen", sagt der Bürgermeister, der zugibt, dass es sich hierbei um einen "sehr ungewöhnlichen Vorgang" handele.

Weil seine Eltern berufstätig sind, wird Thore seit Montag von seinen Großeltern betreut. Eine Dauerlösung könne das nicht sein, betont die Familie. "Wir haben Familie Pries kurzfristig zwei Alternativplätze in Kitas im Umkreis von 16 bis 18 Kilometern angeboten", sagte Gerhard Wunderlich, Fachdienstleiter im Jugendamt Stormarn. Beide Plätze sind jedoch befristet, im August müsste Thore erneut die Kita wechseln. "Das möchten wir ihm nur sehr ungern zumuten", sagt Thores Vater, Christian Pries. Die Familie hofft auf eine langfristige Lösung. "An dieser arbeiten wir zurzeit", sagte Wunderlich.

Deutlich machte Delingsdorfs Bürgermeister aber eines: "Ich stehe weiterhin hinter der Entscheidung, den Betreuungsvertrag zu kündigen."

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