Stormarn
04.02.13

Ahrensburg

Missbrauchskommission sucht weitere Zeugen

Experten sprechen in Ahrensburg mit Opfern über Taten des ehemaligen Pastors K. Kommission bereitet eigenen Internet-Auftritt vor.

Von Martina Tabel
Foto: Unabhängige Kommission
Die Kommission in Ahrensburg (v. l.): Anwältin Martina Lörsch, Ursula Enders von "Zartbitter Köln", Anwältin Petra Ladenburger und Erziehungswissenschaftler Dirk Bange
Die Kommission in Ahrensburg (v. l.): Anwältin Martina Lörsch, Ursula Enders von "Zartbitter Köln", Anwältin Petra Ladenburger und Erziehungswissenschaftler Dirk Bange

Ahrensburg. Die unabhängige Expertenkommission zur Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe in der Ahrensburger Kirchengemeinde hat erste Gespräche mit Pastoren, Mitarbeitern und Betroffenen geführt. Zwei Mal waren Mitglieder der Kommission bereits in der Schlossstadt: im Dezember und jetzt im Januar. Die für das Frühjahr angekündigte, ausführliche Zwischenbilanz wird es jedoch nicht geben, stattdessen eine kürzere Stellungnahme. "Der Anlauf hat sich verzögert", sagt die Kölner Anwältin Petra Ladenburger, die die Kommission nach außen vertritt. "Missbauch ist ein schwieriges Thema. Da kommen die Rückmeldungen nicht sofort."

Um die Arbeit voranzubringen, wiederholt sie eindringlich den Zeugenaufruf. Ladenburger: "Wir möchten eine umfassende Datenbank aufbauen. Dafür brauchen wir die Aussagen von möglichst vielen." Der Kommission geht es um individuelle Täterschaft, aber genauso um das Verhalten kirchlicher Funktionsträger. Die Untersuchung des größten Missbrauchsskandals in der Geschichte der evangelischen Kirche soll die Strukturen aufzeigen, die es möglich gemacht haben, dass sich der ehemalige Pastor Dieter K. in den 80er-Jahren an Jugendlichen vergehen konnte - scheinbar unbemerkt von der Gemeinde.

Transparenz soll auch für die Untersuchung selbst gelten. Die Kommission bereitet einen eigenen Internet-Auftritt vor. Ladenburger: "Wir wollen uns, unseren Auftrag und unsere Vorgehensweise offenlegen." Besonders dieser Aspekt hat an Brisanz gewonnen. Die katholische Kirche hatte kürzlich die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer aufgekündigt. Er sollte eine Missbrauchsstudie erstellen. Daraus wurde nichts. Das Vertrauen sei dahin, sagt die Kirche. Die Kirche übe Zensur aus, sagt der Experte.

Ein solcher Vorwurf soll die Untersuchung in der Nordkirche nicht belasten. So heißt es in einer Erklärung: "Die Kommission hat von der Nordkirche das Urheberrecht an dem Bericht der Kommission vertraglich zugesichert bekommen." Die Kirche habe das Recht, den Bericht zu veröffentlichen. Aber: "Wenn gekürzt wird, muss das kenntlich gemacht werden."

Das liest sich als Reaktion auf den Fall Pfeiffer - ist es aber nicht. "Petra Ladenburger hat ihre Erfahrungen eingebracht", sagt Anselm Kohn, Stiefsohn von Pastor Dieter K. und Initiator des Vereins Missbrauch in Ahrensburg. Er verweist auf die Mitarbeit der Anwältin in einer Kommission zur Untersuchung der Missbrauchsvorfälle am Aloisiuskolleg der Jesuiten in Bonn Bad-Godesberg. "Hier ist man jetzt einen Schritt voraus. Das ist hoch anzurechnen."

Genug sei das aber nicht. "Um wirkliche Unabhängigkeit zu erreichen, brauchen wir eine auf Bundesebene angesiedelte Stelle, die wirklich von außen drauf schaut", sagt Kohn, "so etwas Ähnliches wie einen Bundesbeauftragten, der Macht und Gewicht hat." Dass die Arbeit der Kommission schleppend angelaufen ist, sei dagegen kein schlechtes Signal. Die Zeugen müssten in sich gehen. Bittere Erfahrung ließen die Betroffenen vor Aussagen zurückschrecken. Kohn: "Denn Zeugen werden schnell zu Mittätern."

Warum sind sie damals nicht eingeschritten? Warum haben sie nichts gesagt? Warum sagen sie es jetzt? Diesen Fragen müssten sie sich stellen. "Hoffentlich geben sie es jetzt zu Protokoll und machen damit Gerüchte und merkwürdige Situationen sichtbar", sagt Kohn. "Aber es ist nicht leicht einzugestehen, bei Freizeiten, auf den viel Alkohol geflossen ist, Dinge beobachtet zu haben." Damals hätten Eltern einen Skandal gefürchtet. Diese Mechanismen wirkten noch immer. "Ich hoffe, die Gemeindemitglieder erkennen, dass es bei den Schilderungen nicht um Anklage, sondern um das dringend nötige Verstehen geht", sagt Kohn, der mit der Kommission schon gesprochen hat - so wie sechs weitere Zeugen.

Zwingen könne man niemanden, sagt auch die Ahrensburger Pastorin Anja Botta, die den Zeugenaufruf von Petra Ladenburger unterstützt. Botta: "Die Kommission ist keine Ermittlungsbehörde. Sie kann nur auf die Freiwilligkeit setzen." Nach dem Auftaktgespräch in einer größeren Runde, habe es schon vertiefende Einzelgespräche mit Pastoren gegeben "Ich möchte auch ein solches Einzelgespräch führen", sagt Anja Botta und betont: "Die Kommission hat die Hoheit. Sie wird Eigentümerin des Berichtes bleiben."

Der Internet-Auftritt der Kommission wird unter www.untersuchung-missbrauch-nordkirche.de in den nächsten Tagen freigeschaltet. Zeugen können sich unter untersuchung@kanzlei-ladenburger.de schon jetzt per E-Mail an die Kommission wenden.

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