Stormarn
24.01.13

St. Johanneskirche

Protest rettet Ahrensburger Gemeindehaus nicht

Die Ahrensburger Kirchengemeinde verkauft das Grundstück an St. Johannes, Protestler "stinksauer". Gemeindeversammlung am 17. Februar.

Von Martina Tabel
Foto: Martina Tabel
Ahrensburg
Mehr als 100 Menschen hatten sich aus Protest gegen den geplanten Abriss vor dem Gemeindehaus der St. Johanneskirche in Ahrensburg versammelt.

Ahrensburg. Das Pastorat und das Gemeindehaus der Ahrensburger St. Johanneskirche werden verkauft: So lautet der Beschluss des Kirchengemeinderates, der am Dienstagabend unter Vorsitz von Pastor Paschen getagt hat. Während das Gremium am Ort des Geschehens - im Gemeindehaus von St. Johannes - beriet, hofften Gemeindemitglieder draußen noch inständig darauf, die Entscheidung könnte verschoben und ein anderer Ausweg gefunden werden. Um so härter traf sie die Nachricht. "Wir sind stinksauer", sagt eine Frau, "und tief enttäuscht."

Rund 110 Menschen hatten sich aus Protest bereits eine Stunde vor der Sitzung vor dem Gemeindehaus eingefunden. Mit Kerzen und Laternen in der Hand bildeten sie ein Spalier, um die Mitglieder des Kirchengemeinderates zu empfangen. Es wurde nicht gesprochen. In eisiger Kälte und Dunkelheit herrschte ein fast feierliches Schweigen. "Wir wollen ja nicht provozieren. Wir wollen nur auf unsere Situation aufmerksam machen", sagte ein Mitglied der Kantorei.

Statt zu skandieren, hielten die Menschen Plakate hoch. Auf einem stand: "Rettet St. Johannes." Auf einem großen weißen Tuch war mit bunten Buchstaben zu lesen: "Wir sind Gemeinde". Darunter die Frage: "Sind wir?" So lautet auch die Überschrift des Leitartikels von Pastorin Anja Botta im jüngsten Kirchenblatt. Der Spruch "Wir sind Gemeinde" und dazu die friedliche Demonstration mit Kerzen ließen Erinnerungen an die Wende hochkommen. Ein Gemeindemitglied hatte dieselbe Assoziation: "Allein wenn ich an die Informationspolitik der Kirche hier denke, fällt mir sofort die DDR ein." Ein ältere Dame sagte es so: "Die Informationspolitik ist unter aller Sau."

Auch Mitglieder des Orchesters, des Freundeskreises Kirchenmusik, des Vereins JoKids und viele andere waren gekommen. Sie hielten Pappen hoch, auf denen stand, in welcher kirchlichen Gruppe sie mitarbeiten - Gruppen, die mit dem Verkauf des Gemeindehauses nun wohl verschwinden werden. "Wenn es das Gemeindehaus nicht mehr gibt, wird es uns auch nicht mehr geben. Das wäre sehr, sehr schade", sagte ein Mann aus dem Basarkreis. "Eine Gemeinde ohne Gemeindehaus? Das funktioniert nicht. Dann lieber gleich die Kirche abreißen", sagte ein Chorsänger. "Denn wer sollte dann überhaupt noch zu den Gottesdiensten gehen. Das Gemeindehaus war im Übrigen zuerst da."

Eine inhaltliche Stellungnahme zu der Entscheidung war gestern weder von Propst Hans-Jürgen Buhl, noch von Paschen oder vom Pressestab des Kirchenkreises Hamburg-Ost zu bekommen. In einer offiziellen Mitteilung wurde lediglich erneut auf das strukturelle Defizit von 100.000 Euro hingewiesen. Wörtlich heißt es: "Der Kirchengemeinderat hat auch den Haushalt für das schon laufende Jahr 2013 beschlossen. Dieser Beschluss beinhaltet unter anderem den künftigen Verzicht auf das Pastorat und das Gemeindehaus an der St. Johanneskirche, eines von vier Gemeindehäusern der Kirchengemeinde Ahrensburg."

Kein Wort darüber, dass Gemeindemitglieder mehr als 700 Unterschriften gesammelt hatten, um den Antrag auf eine Gemeindeversammlung stellen zu können. Der Antrag stand gestern auf der Tagesordnung. Dazu heißt es der Presseerklärung der Kirchengemeinde: "Wie die kirchliche Arbeit in der Gesamtgemeinde bei knapper werdenden finanziellen Mitteln künftig gestaltet werden kann, ist Thema der nächsten Gemeindeversammlung." Sie soll am 17. Februar, um 12 Uhr im Gemeindesaal, Am Alten Markt 9, beginnen.

"Wir wollten die Gemeindeversammlung in Verbindung mit einem Aufschub der Entscheidung über den Abriss. So ergibt das doch keinen Sinn mehr", sagt Monika Robinson vom Krisengremium der Kantorei und des Freundeskreises empört. "Es sind nicht alle Alternativen ausreichend geprüft worden", sagt Klaus Tuch, ebenfalls Mitglied der Krisen-AG. Der Verkauf der Immobilien könne den finanziellen Missstand auf Dauer nicht beseitigen.

Auch nicht alle Mitglieder im Kirchengemeinderat sind mit der Entscheidung einverstanden. So wie Sigrid Steinweg: "Ich bin froh, dass ich immer meine Meinung gesagt habe. Auch wenn das nicht gut angekommen ist und Pastor Paschen nicht mehr Guten Abend zu mir sagt." Der war durch das Lichter-Spalier und dann wortlos an ihr vorbei ins Gemeindehaus gegangen. Auch die anderen Mitglieder des Kirchengemeinderats passierten die Menschenkette zum Teil mit versteinerten Mienen und ohne zu grüßen. Sie waren offensichtlich beeindruckt. An der Entscheidung konnte das nichts ändern.

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