Stormarn
08.01.13

Ahrensburg

Kritik an halbherzigen Lärmschutz-Plänen

Bahn baut zwei Schallbarrieren in Ahrensburg, doch die Stadtmitte bleibt ausgespart. Bürger fordern Nachbesserungen. Kompromiss möglich.

Von Claas Greite
Foto: Claas Greite
Ahrensburg Lärmschutz
Etwa so hoch wie dieser Stock soll die neue Lärmschutzwand werden - Nicole und Cord Brockmann sowie Kilian Funke (v.l.) wollen sie auch an dieser Stelle

Ahrensburg. Eigentlich klingt es wie eine durchweg positive Nachricht für Ahrensburg. Die Stadt soll in diesem Jahr zwei neue Schallschutzwände bekommen, die die Bürger vor dem Lärm der Züge schützen. Die Deutsche Bahn (DB), die deutschlandweit den Lärm an den Strecken auf unter 60 Dezibel reduzieren will, hatte schon vor Jahren für Ahrensburg Handlungsbedarf ermittelt und übernimmt die Kosten, die bei rund 1,2 Millionen Euro liegen. Doch das Projekt sorgt jetzt, kurz vor seiner Realisierung, für Protest bei Anwohnern. Sie sind der Meinung, dass die Maßnahme nur halbherzig geplant wurde, und fordert Nachbesserungen, bevor ab August an den Gleisen gebaut wird.

Der Hauptkritikpunkt der Bürgerinitiative "Lärmschutz Ahrensburg Mitte", die nach Aussage ihres Sprechers Cord Brockmann rund 100 Mitglieder hat, wird bei einem Blick auf die Karte schnell deutlich. Denn die Bahn plant eine rund 470 Meter lange und drei Meter hohe Schallschutzwand im Bereich der Brückenstraße und eine weitere, etwa 400 Meter lange und ebenfalls drei Meter hohe Wand im Bereich der Schillerallee (siehe Grafik).

Der etwa einen Kilometer lange Abschnitt dazwischen jedoch bekommt keine Schallschutzwand - obwohl laut einem Gutachten auch hier Häuser stehen, deren Lärmbelastung bereits jetzt über dem Grenzwert von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel in der Nacht liegt. "Unserer Ansicht nach müssten die Wände wesentlich länger sein, am besten wäre eine weitgehend durchgezogene Barriere", sagt Cord Brockmann, der selbst an der Bismarckallee lebt. Doch die Stadt Ahrensburg selbst war es, die sich im Jahr 2008 gegen so eine Lärmschutzmaßnahme aussprach.

In einem Schreiben der damaligen Bürgermeisterin Ursula Pepper an die Planer heißt es, dass Schallschutzwände in bestimmten Bereichen "keine Anwendung finden sollen". Der Grund: Der Innenstadtbereich, der schon durch die Bahngleise getrennt ist, werde sonst weiter zerschnitten, die barocken Sichtachsen der Hagener Allee und der Manhagener Allee zerstört. Zwischen der Brückenstraße und dem südlichen Beginn des Wohngebietes Gartenholz seien Schallschutzwände daher "auszuschließen", zumal auch der Bahnhof denkmalgeschützt sei. Die Bürger in dem Gebiet müssten anders vor Lärm geschützt werden. Eine Alternative, die aber weniger effektiv ist, sind spezielle Fenster.

Auch in der Politik war diese Sicht der Dinge damals "weitgehend Konsens", sagt Hinrich Schmick (WAB). Die Stadt stützte sich auf eine Stellungnahme der Unteren Denkmalschutzbehörde, die besonders die barocken Sichtachsen als schützenswert definierte. Und auch heute bleibt man bei dem damaligen Standpunkt - zumindest in der Verwaltung: "Unsere Empfehlung ist es, die Planung beizubehalten, um eine Zerschneidung des Ortsbildes zu vermeiden", sagt Stadtsprecher Andreas Zimmermann.

Bei der Bürgerinitiative, die sich erst im November nach einer Informationsveranstaltung der Bahn gründete, stößt diese Haltung auf Unverständnis. "Uns ärgert, dass wir kein Mitspracherecht hatten. Außerdem haben sich seit 2008 unglaublich viele Dinge verändert", sagt Cord Brockmann. So werde der 2011 beschlossene Bau des Fehmarnbelt-Tunnels dafür sorgen, dass künftig weitaus mehr Güterzüge durch Ahrensburg fahren. Die Stadt müsse deshalb die einmalige Chance ergreifen.

Das Argument der Sichtachsen gilt auch für Brockmann. Aber man könne ja eine Lärmschutzwand bauen, die im Bereich der Sichtachsen heruntergezogen werde, oder Glaselemente bekomme. Der Bahnhof hingegen sei ohnehin meist von Zügen verdeckt.

Jens Weich, Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, hält Kompromisse für möglich: "Bei einer Absenkung der Wände an den Sichtachsen würde ich mitgehen", sagt er. Der Blick auf den Bahnhof ist aus seiner Sicht weniger relevant. Doch ist eine Nachbesserung überhaupt noch möglich?

"Ich brauche eine Aussage von der Stadt, welche Bereiche neu betrachtet werden müssen. Und das so schnell wie möglich", sagt dazu Sabine Müller, die zuständige Planerin bei der DB Projekt Bau GmbH. Dann werde sich zeigen, ob die Änderungen integriert werden können. In jedem Fall braucht die Bürgerinitiative eines: Eine Mehrheit in der Politik.

Heute Abend beginnt um 18 Uhr am Parkhaus an der Carl-Barckmann-Straße eine Ortsbegehung mit Politikern und Mitarbeitern der Verwaltung. Morgen befasst sich ab 19.30 Uhr der Umweltausschuss im Raum 601 des Rathauses mit dem Thema.

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