Stormarn
28.12.12

Kreis Stormarn

Reinfeld ist bei Krippenplätzen spitze

Karpfenstadt bietet ab August nahezu 100 Prozent Betreuungsquote für Ein- bis Dreijährige. Unsicherheit über tatsächliche Nachfrage.

Von Dorothea Benedikt
Foto: pa/ZB/dpa-ZB
Kinderkrippe
Frühstück in einer Kinderkrippe: Im Kreis Stormarn gibt es bei der Versorgungsquote noch große Unterschiede

Bad Oldesloe. Noch gut sieben Monate, dann müssen alle Kommunen für 35 Prozent aller Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren einen Betreuungsplatz anbieten. So schreibt es das Kinderförderungsgesetz (KiföG) vor. Der Kreis Stormarn hat die Marke mit einer Betreuungsquote von 42 Prozent schon jetzt erreicht. Bis zum 1. August soll sogar für mehr als die Hälfte der sogenannten U-Drei-Kinder ein Betreuungsplatz bereitstehen.

Doch reicht diese Quote aus? Denn laut KiföG haben alle Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. "Deswegen werden wir erst im August wissen, ob wir genügend Plätze für die Ein- bis Dreijährigen haben", sagt Wilhelm Hegermann, Leiter des Kreissozialamts. Bis zum 1. August wird es in Stormarn etwas mehr als 4000 Kinder geben, die in diese Altersklasse fallen. "Zum einen wissen wir jetzt noch nicht, wie viele Eltern ihr Kind betreuen lassen wollen", sagt Hegermann, "zum anderen können wir noch nicht abschätzen, für wie viele Stunden pro Tag der Krippenplatz gebraucht wird."

Der Amtsleiter geht davon aus, dass in den Gemeinden und Städten am Hamburger Stadtrand die Nachfrage nach Plätzen größer sein dürfte als im ländlichen Bereich. So schätzt auch Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach, dass in der Schlossstadt deutlich mehr Plätze als vorgeschrieben gebraucht werden. "Mit 35 Prozent kommen wir bei Weitem nicht aus", sagt Sarach. Derzeit gibt es für die U-Drei-Kinder in Ahrensburg 248 Betreuungsplätze - 113 in Krippen, 135 bei Tagesmüttern. Damit liegt die Betreuungsquote in der Schlossstadt bei 48 Prozent.

80 weitere Krippenplätze sollen bis zum 1. August entstehen. In der neuen Kita an der Adolfstraße soll ab Juni eine Krippe mit 50 Plätzen eröffnet werden. Im August folgen 40 Plätze für Elementargruppen. "Wir sind sehr gut aufgestellt", sagt Bürgermeister Sarach und fügt hinzu: "Das liegt daran, dass weit vor dem Gesetz die Politiker weitsichtig gehandelt haben, um den Standort attraktiver zu machen."

Spitzenreiter bei der Betreuungsquote im Kreis ist Reinfeld. Für die 129 Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren gibt es 104 Betreuungsplätze, was einer Quote von 81 Prozent entspricht. 20 weitere Plätze sind in Planung: Derzeit entsteht auf dem Schulgelände am Bischofsteicher Weg eine Krippe, die Anfang August fertig sein soll. Damit würde Reinfeld auf eine Quote von 96 Prozent kommen. "Darauf sind wir stolz", sagt Bürgermeister Gerhard Horn, "dass wir so gut aufgestellt sind, liegt daran, dass wir viele engagierte Tagesmütter in Reinfeld haben." Diese Betreuerinnen decken den Großteil des Angebots ab, denn in Kitas gibt es bis jetzt 20 Krippenplätze.

In Bargteheide liegt die Betreuungsquote derzeit nur bei 27 Prozent. Für die 324 U-Drei-Kinder stehen 61 Krippen-Plätze und 25 Plätze bei Tagesmüttern zur Verfügung. "Zum 1. August sollen 40 Krippenplätze hinzukommen", sagt Bürgermeister Henning Görtz. Geplant seien 20 Plätze in der Einrichtung an der Straße Langenhorst im Gewerbegebiet und 20 am Eckhorst, die in der Tabelle des Kreises (siehe rechts) noch nicht berücksichtigt sind. Damit würde Bargteheide auf eine Quote von 39 Prozent kommen.

"Real ist diese Zahl aber höher", sagt Görtz. Denn hinzu kommen 55 Plätze bei Tagesmüttern, die nicht in die Berechnung des Kreises fallen. Wilhelm Hegermann: "Das sind im Prinzip zwar richtige Tagepflegepersonen nach dem Sozialgesetzbuch VIII, diese haben aber nicht Verträge mit den Kommunen geschlossen." Und weil diese Tagesmütter sich nicht verpflichtet haben, könne der Kreis auch nicht immer mit ihnen rechnen. "Sie sind viel freier. Wir wissen damit nicht, wie lange sie die Plätze tatsächlich anbieten", sagt Hegermann und fügt hinzu: "Würde wir dieses Tagespflegepersonal zu den festen Plätzen addieren, käme Stormarn am 1. August sogar auf eine Betreuungsquote von 66 Prozent.

Reinfeld würde dann beispielsweise sogar bei 102 Prozent liegen. Bargteheide käme auf mehr als 50 Prozent. Bürgermeister Hennig Görtz: "Ferner sind wir mit der Kirche im Gespräch, um weitere 20 Krippenplätze anbieten zu können." Doch ob dies reicht, ist unklar. "Ich glaube, wir sind damit noch nicht am Ende der Fahnenstange", sagt Görtz. Für den Bau neuer Krippen und den Betrieb der Einrichtungen mussten die Kommunen tief in die Tasche greifen. Bargteheide investiert in diesem und dem nächsten Jahr 4,4 Millionen Euro in den Kita- und Krippenausbau. "Damit steigen auch die Betriebskosten. Wir werden 2013 ein Defizit von etwa drei Millionen Euro haben. 2011 waren es noch 1,6 Millionen Euro", so Görtz. In Ahrensburg sieht es ähnlich aus. Mit der Kita Adolfstraße kommen jährlich 450.000 Euro an Betriebskosten für die Stadt hinzu.

Damit die Kommunen nicht allein auf den Mehrkosten sitzen bleiben, hat die Landesregierung angekündigt, die Gemeinden und Städte künftig stärker finanziell zu unterstützen. Das Land stellt im Haushalt für 2013 zusätzlich 15 Millionen Euro für die Betriebskosten von Krippen und die Kindertagespflege ein. Dieser Zuschuss soll bis 2017 auf 80 Millionen Euro jährlich ansteigen. Ferner stellt die Landesregierung einmalig 36,5 Millionen Euro für bereits entstandene Betriebsmehrkosten oder Kosten, die bis zum 1. August entstehen werden, zur Verfügung. "Die Landesregierung übernimmt wieder Verantwortung für unsere Kommunen, damit sie ihren vielfältigen Aufgaben dauerhaft gerecht werden können", sagt Ministerpräsident Torsten Albig (SPD).

Obwohl noch nicht klar ist, wie das Geld im Land verteilt wird, wird die Nachricht positiv in Stormarn aufgenommen. "Das ist ein tolles Ergebnis", sagt Reinfelds Bürgermeister Gerhard Horn. Und sein Ahrensburger Kollege Michael Sarach sagt: "Es ist ein gutes Signal aus Kiel, dass die Kommunen nicht allein gelassen werden."

Dass mit den Zuschüssen alle Mehrkosten gedeckt werden können, bezweifeln die Bürgermeister und die Kreisverwaltung jedoch. Der Bargteheider Henning Görtz sagt: "Wir wollen nicht klagen. Schließlich müssen wir uns dieser gesellschaftlichen und familienpolitischen Aufgabe stellen."

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