Stormarn

Ahrensburg sucht Auswege

In der City droht langfristig der Verkehrsinfarkt. Die Nordtangente könnte eine teilweise Entlastung bringen

Ahrensburg. Ein Großteil der in Ahrensburg untersuchten Varianten für künftige Entlastungs- und Umgehungsstraßen brächte der Stadt deutlich mehr Nach- als Vorteile. Die Trassen würden in einzelnen Straßen der Innenstadt zu einer teilweise dramatischen Zunahme des Autoverkehrs führen. Zu diesem Ergebnis ist der für die Stadt tätige Verkehrsplaner Stefan Luft von der Lübecker Beratungsgesellschaft Urbanus gelangt. Luft spricht von einem "Staubsaugereffekt" - weil die Straßen Verkehr geradezu in die Innenstadt hineinsaugen würden.

Auf Basis im Sommer 2009 erhobener Daten - es hatte Verkehrszählungen und Befragungen gegeben - hat Luft in den vergangenen Wochen zehn verschiedene, von der Politik ausgesuchte Varianten durchgerechnet. Und zwar so, wie sie sich seiner Einschätzung nach im Jahr 2025 auf die Verkehrsströme in und um Ahrensburg auswirken würden.

Stefan Luft geht davon aus, dass der Autoverkehr in der Stadt bis dahin um zehn bis 20 Prozent zugenommen haben wird, sollten Radwege und öffentliche Verkehrsmittel nicht deutlich verbessert werden. Luft: "Dann werden einige Straßen an ihre Grenzen stoßen." Das seien insbesondere Lübecker Straße, Beimoorweg, Woldenhorn und Manhagener Allee mit dann mehr als 20 000 Fahrzeugen pro Tag.

Nun hat Luft seine Berechnungen vorgestellt, zuerst hat er im Bau- und Planungsausschuss die Politiker informiert, anschließend im Forum Masterplan Verkehr die Bürger. Er hat ihnen dargestellt, dass eine der kürzesten - und mit drei bis fünf Millionen Euro auch günstigsten - Varianten nach seiner Einschätzung den größten Nutzen für die Schlossstadt verspricht.

Es ist die sogenannte Nordtangente, intern auch "Planfall 3" genannt. Die etwa 1,2 Kilometer lange Trasse biegt ungefähr in Höhe der Straße Ewige Weide nach Nordwesten vom Kornkamp ab, führt über die Bahn, dann hart an der nordöstlichen Ecke des Stadtteils Gartenholz vorbei und stößt südlich des Krämerbergweges auf die B 75. Diese Straße würden Lufts Berechnungen zufolge täglich 8000 Autofahrer nutzen. Auf der Lübecker Straße ginge der Verkehr dann um etwa 7500 Fahrzeuge - etwa ein Drittel - zurück, auf dem Beimoorweg betrüge das Minus bis zu 4500 Autos pro Tag. Lediglich der Kornkamp samt seiner Verlängerung nach Süden wäre um gut ein Drittel stärker befahren.

"8000 Fahrzeuge sind schon eine Größe, mit der Sie beruhigt in eine Bauleitplanung gehen können und ziemlich sicher Fördermittel vom Land bekommen", so Luft an die Adresse der Bauausschussmitglieder gerichtet.

Alle weitergehenden Nordtangenten, die bis zur Bünningstedter Straße oder gar die ganze Stadt nördlich umfassend bis zum Rosenweg führten, bezeichnet Planer Luft als "sensibel bis grenzwertig". Sie würden je nach Variante zu einer Zunahme des Verkehrs im Reeshoop um 70 Prozent beziehungsweise auf der Stormarnstraße um fast 100 Prozent führen, während die Lübecker Straße "fast schon Wohnstraßencharakter" bekäme. "Da verlagern wir die Dinge nur von einer Seite auf die andere", sagt Luft.

Auch der einzigen überprüften Südumgehung, die vom Ostring zur Eulenkrugstraße an der B 75 führen könnte, steht der Planer skeptisch gegenüber. "Sie brächte kaum Entlastung für die Hamburger Straße. Dafür würde sich die Hagener Allee zum neuen Schleichweg in die Stadt entwickeln." Und: Auch die untersuchten Miniszenarien - die Öffnung des Wulfsdorfer Weges oder der Brücke Vierbergen - seien nicht sinnvoll. Denn sie entfalteten nahezu überhaupt keine Wirkung auf die Verkehrsströme in und um Ahrensburg. Ein Ergebnis, das unter dem Strich ein wenig ernüchternd auf die Politiker gewirkt haben mag. Oder, wie es die CDU-Politikerin Anna-Margarete Hengstler in Worte fasst: "Ich sehe das richtig, dass für zwei Drittel der Ahrensburger Einfallstraßen eine Entlastung nicht möglich ist?" Denn auf Manhagener Allee und Hamburger Straße wirkt sich keines der Szenarien signifikant aus.

Die Mitglieder des Bauausschusses wollen die Ergebnisse nun zunächst in den Fraktionen beraten und sich im Anschluss daran während einer der nächsten Sitzung darüber austauschen.

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