21.02.13

Jubiläum

Das Gedächtnis der Stadt Buxtehude wird 100

Seifenfabrikant schenkte Buxtehude im Jahr 1913 ein Heimatmuseum. Die Ausstellung erlaubt eine Reise in die Vergangenheit.

Von Kerstin Lorenz
Foto: Kerstin Lorenz
Museumsleiterin Susanne B. Keller zeigt, wie die Farbschichten sakraler Kunst per Mikroskop unter die Lupe genommen werden können
Museumsleiterin Susanne B. Keller zeigt, wie die Farbschichten sakraler Kunst per Mikroskop unter die Lupe genommen werden können

Es war am 19. Februar 1913, als der Seifenfabrikant und Mäzen Julius Cäsar Kähler die Estestadt mit einem Museum beschenkte. Eine interessante Ausstellung mit einem Archivfilm von 1913, historischen Zeitungen, Wissenswertem an einer Litfaßsäule und zahlreichen Exponaten der ersten Stunde des Museums dokumentiert nun noch bis zum 7. April die vergangenen 100 Jahre Heimatmuseum Buxtehude.

Der Heimatverein Buxtehude Haus Fischerstraße 3 e.V., die Else und Heinrich Klindtworth-Stiftung und der Landschaftsverband Stade haben diese Ausstellung gefördert.

"Buxtehude um 1913 war eine Zeit, in der die Industrialisierung mit bahnbrechenden Neuerungen Einzug hielt", sagt Museumsleiterin Susanne B. Keller bei der Führung durch die Dokumentation. In New York wurde der größte Bahnhof der Welt eingeweiht, in Detroit das Fließband eingeführt, die Ozonschicht wurde entdeckt - und Buxtehudes Einwohnerzahl hatte sich zwischen 1815 und 1910 von 1855 auf 3785 verdoppelt. Ab 1900 entstanden in Buxtehude und Altkloster Fabriken zur Herstellung von Papier, Leim, Seife, Farben, Maschinen, Zement und Nudeln sowie zur Lederverarbeitung. Die Stadt war an die Eisenbahnlinie Harburg-Stade angeschlossen und 1904 kam das erste Auto nach Buxtehude. Ab 1912 wurden Wasserleitungen verlegt. Buxtehude entwickelte sich zu einem blühenden Wirtschaftsstandort, bei den Bürgern sei aber auch das Bewusstsein für die Bedeutung und Bewahrung von Traditionen gewachsen, so Keller.

Aus feuchten Kirchen wurden christliche Kunstwerke vor dem Verfall gerettet, alte Handwerksgeräte aus aufgegebenen Werkstätten gesichert, überlieferte Technik, traditionelle Möbel, Trachten, Schmuck, Gemälde, kunstgewerbliche Gegenstände und andere kulturelle Zeugnisse für kommende Generationen bewahrt.

Der in Buxtehude 1880 ins Leben gerufene "Verein zur Gründung und Unterstützung einer städtischen kunsthistorischen und kunstgewerblichen Sammlung", der sich ab 1907 "Museumsverein" nannte, stellte seine Sammlung zunächst auf dem Dachboden und später im Ratssaal des Rathauses aus.

30 Jahre lang bestand dieses provisorische "Museum". Dann stiftete der Buxtehuder Senator, Fabrikant und engagierte Mäzen Julius Cäsar Kähler für die Buxtehuder Schätze der Vergangenheit eigens ein Gebäude am St.-Petri-Platz, das am 9. Februar 1913 eröffnet wurde.

Die aktuelle Ausstellung im BuxtehudeMuseum gibt Besuchern einen umfassenden Rückblick in das Buxtehude um 1913. Anhand von originalen Dokumenten, Objekten aus der ersten Zeit der Sammlung und zahlreichen Informationen wird die Geschichte rund um die Gründung des Heimatmuseums erzählt.

Diese begann, als Julius Cäsar Kähler 1910 das "Bordthäusersche Haus", ein Ackerbürgerhaus, am Petri-Platz kaufte. Nach Plänen des Architekten Eduard Neiff sollte dort für 25.600 Mark ein Museum entstehen. Der Rohbau stand schon vor dem verheerenden Buxtehuder Stadt- und Rathausbrand 1911, bei dem zum Glück das gesamte Inventar gerettet werden konnte.

Zur feierlichen Eröffnung am 9. Februar 1913 sagte der Stader Oberregierungsrat Hattendorf, dass ein Museumsbesuch anregen solle, das Kunstgefühl zu wecken. Die Exponate sollten Handwerker inspirieren. "Die Museen sollen zeigen, dass Fabrikware nicht das ist, was wir für unsere heutige Kultur haben müssen", sagte Hattendorf und lobte den Museumsstifter Kähler: "Er hat eine Stätte der Bildung geschaffen und dafür gesorgt, dass der Handwerker, der kleine Mann, leichter eine Vorlage findet, die er in seinem gewerblichen Betriebe wieder zu verwenden vermag."

Das auffällige und einmalig schöne Motiv-Fachwerkhaus und der sich anschließende moderne Neubautrakt stehen als Museum für Regionalgeschichte und Kunst den Besuchern mit facettenreichen Ausstellungen und wechselnden Kunstprojekten offen.

Die neue Museumsleiterin und ihr Team können dort Besuchern jeden Alters Wissenswertes von den Kunst- und Wunderkammern der Renaissance bis zu den Besonderheiten von Buxtehudes Entwicklung vermitteln. Ob als Märchenstadt mit Hase und Igel oder als Ort im Wandel der industriellen Entwicklung und zunehmenden Besiedelung, der Wandel der Wohnkultur oder die Dokumentationen des technischen Fortschrittes - im Museum werden für ein breites Publikums viele regionale Themenschwerpunkte präsentiert.

"Das Vermitteln von Wissen und Bildung sind unsere Hauptaufgaben", sagt Susanne B. Keller mit Blick auf das museumspädagogische Konzept, das vor allem für Schulklassen interessant ist. Das Museum sei das Gedächtnis der Stadt und zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens, so die promovierte Museumsleiterin.

Derzeit können Museumsbesucher zum Beispiel im Neubautrakt sakrale Kunstwerke unter dem Aspekt der Restaurierung unter die Lupe nehmen. Die Restauratorin und Kunsthistorikerin Susanne Mayerhofer hat dafür ein spezielles museumspädagogisches Konzept entwickelt.

Sakrale Kunstwerke wie der Passionsaltar oder die Kreuzigungsgruppe aus der Jorker Matthias-Kirche werden als Zeugnisse ihrer Entstehungszeit vorgestellt. Aber auch experimentelle moderne Kunst wird mit historischen Exponaten verbunden. Der britische Künstler Michael Craig-Martin hat 1997 den sogenannten "Sakralturm" des Museums in ein begehbares Gemälde mit provozierenden Farben und Bildgestaltungen verwandelt.

Wer den Weg vom markanten hundertjährigen Museumshaus zum etwas versteckten Museumseingang im Neubau am Stavenort 2 findet, kann im BuxtehudeMuseum auf eine interessante Entdeckungsreise voller Überraschungen gehen.

Die Ausstellungen sind dort dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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